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Zahlung per Kryptos Das verspricht sich Panama vom Bitcoin

Stand: 29.04.2022 15:40 Uhr

Den Anfang machte El Salvador, jetzt werden die Zentralafrikanische Republik und Panama folgen: Kryptowährungen werden gesetzliches Zahlungsmittel. Welche Ziele verfolgen sie damit?

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Aktuell sieht es so aus, als würden Kryptowährungen sich nicht nur als Investitionsobjekte für Anleger etablieren, sondern immer mehr auch als Möglichkeit, alltägliche Geschäfte abzuwickeln. Panama möchte als zweites lateinamerikanisches Land Bitcoin und andere Kryptowährungen künftig als normales Zahlungsmittel zulassen.

Am vergangenen Mittwoch hatte bereits die Zentralafrikanische Republik als zweites Land weltweit mitgeteilt, Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel zu erlauben. Und Anfang September hatte El Salvador den Bitcoin als erstes Land offiziell als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptiert. Jeder Händler, der technisch dazu in der Lage ist, muss also die Kryptowährung annehmen, auch Steuern können dort und in Panama in Bitcoin bezahlt werden. In beiden Ländern gilt der US-Dollar als Landeswährung.

Viele positive Effekte

Zwischen den Ländern, die Kryptowährungen einführen oder einführen wollen, könne man ein Muster beobachten, erklärt Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, gegenüber tagesschau.de. Es seien zumeist Länder, in denen Institutionen nicht oder nicht gut funktionieren, die sich an den Bitcoin anlehnen, meint der Experte. Der Bitcoin sei eine Art Ersatzinstitution, wenn ein Staat nicht in der Lage war, gute und stabile Institutionen, wie es sie beispielsweise in Deutschland gebe, zu etablieren.

Es gibt durchaus viele Aspekte, die auch im Alltag nützlich sein könnten. Laut Benedikt Faupel, Blockchain-Experte beim Digitalverband Bitkom, versprechen sich Länder, die aktuell Kryptowährungen als Zahlungsmittel einführen, davon in der Regel drei Vorteile: "Zum einen eine größere Unabhängigkeit vom US-Dollar, zum anderen aber auch schnellere Überweisungen aus dem Ausland, die mit geringeren Transaktionsgebühren einhergehen, da in diese Länder derzeit viel Geld aus dem Ausland, zum Beispiel von Familienangehörigen, fließt.“

Drittens könne der signifikante Anteil der Bevölkerung, der über kein Bankkonto verfügt, mit einer Smartphone-App so Werte digital aufbewahren und auch mit ihnen bezahlen“, so Faupel gegenüber tagesschau.de.

Sandner weist zudem auf positive Effekte von Kryptowährungen hin, die sich gerade auch in den vergangenen Wochen gezeigt hätten. So hätten Flüchtlinge sie im Ukraine-Krieg genutzt, um Werte über die Grenzen zu tragen. Außerdem könnten Krypto-Assets aufgrund ihrer Knappheit dazu dienen, dass Risiko des Kaufkraftverlusts in Zeiten der Inflation zu mildern.  

Vorgeschobene Argumente?

Das Vorgehen Panamas und El Salvadors trifft aber auch auf Skepsis: Kritiker fürchten eine Erleichterung von Geldwäsche. Der Ruf Panamas als Ort fehlender finanzieller Transparenz könne dadurch gefestigt werden, behaupten Experten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte El Salvador beispielsweise zur Abschaffung von Bitcoin als gesetzlichem Zahlungsmittel aufgefordert. Die Risiken seien enorm, es drohten "erhebliche Risiken für die Finanzstabilität, die finanzielle Integrität und den Verbraucherschutz", hatte der IWF-Vorstand erklärt.

Es stellt sich deshalb zumindest die Frage, ob der Dienst am Menschen für Panama und El Salvador tatsächlich im Vordergrund steht. Die Erfahrungen in El Salvador würden zeigen, dass die Menschen den Bitcoin nicht besonders gut aufnehmen, er werde dort nur wenig genutzt, sagt Stefan Hofrichter, Head of Global Economics & Strategy bei Allianz Global Investors (AGI), gegenüber tagesschau.de. Dort war es wegen des Bitcoin sogar zu Protesten gekommen.  

"Es geht den Ländern nicht in erster Linie darum, dass die einfachen Bürger den Bitcoin für ihren täglichen Zahlungsverkehr nutzen können, auch nicht um Einsparungen bei dem Senden internationaler Transfers von Migranten wie oft gesagt wird", betont Christian Ambrosius, Volkswirt und Experte für Lateinamerika an der FU Berlin, gegenüber tagesschau.de. Das seien seiner Einschätzung zufolge vorgeschobene Argumente.   

Diskretion für Kapitalbesitzer

Warum dann die Einführung? "Das Wirtschaftsmodell von Ländern wie Panama baut darauf, ein attraktives Ziel für global mobiles Kapital zu sein, sei es um Steuern zu umgehen oder um Geld zu waschen", stellt Lateinamerika-Fachmann Ambrosius fest. Durch die Akzeptanz des Bitcoin als Zahlungsmittel wollten diese Länder attraktive Bedingungen für Kapitalbesitzer bieten, die auch Bitcoin in ihrem Portfolio halten und Diskretion suchen, unterstreicht der Fachmann.

"In Zeiten, in denen die Regulierung des traditionellen Finanzmarktes strenger geworden ist, bietet der Bitcoin eine wichtige Nische“, führt Ambrosius weiter aus. Gerade Länder wie Panama und El Salvador in denen auch der Dollar legales Zahlungsmittel sei, könnten hier einen attraktiven Standortvorteil ausspielen.

"Als Zahlungsmittel ungeeignet"

Abgesehen davon stellt sich angesichts der massiven Kursschwankungen schon die praktische Frage, ob Kryptowährungen als Zahlungsmittel überhaupt taugen. "Aufgrund der hohen Volatilität sind die sogenannten Kryptowährungen weder als Zahlungsmittel noch als Wertaufbewahrungsmittel geeignet, sie sind eher Spekulationsobjekte", erklärt AGI-Chefökonom Hofrichter.  

Allein in den vergangenen zwölf Monaten schwankte der Bitcoin-Kurs zwischen rund 30.000 und fast 70.000 Dollar, aktuell liegt er bei etwa 40.000 Dollar. Als "Währung" betrachtet der Ökonom Hofrichter Bitcoin & Co. ohnehin nicht, da sie drei Anforderungen - Zahlungsmittel, Recheneinheit, Wertaufbewahrungsmittel - gar nicht oder nur unzulänglich erfüllen. Hinzu komme laut Hofrichter, dass es fraglich sei, inwieweit die Abwicklung mittels Kryptowährungen wirklich sicher sei.

Wird es Regulierung geben?

Bedeutet die Einführung gleichwohl, dass sich Kryptowährungen global etablieren?  Der Prozess habe längst begonnen, meint Sandner. Er könne aber noch Jahre oder Jahrzehnte dauern. Der Experte betont aber, dass sich Bitcoin & Co. in der EU oder in den USA nicht als Währung durchsetzen wird, sondern als Investitionsobjekt.  

Auch für den Blockchain-Experten Faupel sind Kryptowährungen international schon etabliert: "Bitcoin und andere Kryptowährungen können durch den Einsatz als Zahlungsmittel noch weiter an Relevanz gewinnen."   

Aber was ist mit der Warnung der Fachleute des IWF? Ambrosius vermutet, dass sich früher oder später der Druck auf Länder wie Panama oder El Salvador erhöhen werde, Transparenzkriterien auch mit Blick auf Bitcoin einzuführen, sodass das Nachverfolgen von Zahlungsströmen in Digitalwährungen möglich werde. "Allerdings war es natürlich schon immer so, dass Regulierungsversuche den immer neuen Finanzprodukten und Finanzinnovationen hinterherlaufen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. April 2022 um 07:30 Uhr.