US Präsident Joe Biden und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel | AP

LNG für Europa EU und USA schmieden Flüssiggas-Pakt

Stand: 25.03.2022 13:18 Uhr

Die EU will so schnell wie möglich von russischem Gas unabhängig werden. Unterstützung kommt nun aus den USA: Präsident Biden hat für dieses Jahr zusätzliche 15 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas zugesagt. Auch langfristig soll mehr geliefert werden.

Die USA wollen in diesem Jahr gemeinsam mit internationalen Partnern 15 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas (LNG) zusätzlich in die EU liefern, um russische Gasimporte zu ersetzen. Langfristig soll die Menge auf 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr ansteigen, wie US-Präsident Joe Biden zusammen mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel ankündigte.

Damit könnte nach Kommissionsangaben etwa ein Drittel der derzeitigen Gasimporte aus Russland ersetzt werden.

Von der Leyen: Energieabhängigkeit von Russland reduzieren

"Sie wissen, dass wir unsere Abhängigkeit von Russland reduzieren wollen", sagte von der Leyen. Das könne durch Investitionen in erneuerbare Energien, aber auch zusätzliche Gaslieferungen, einschließlich LNG-Lieferungen, erreicht werden. Die Zusage der USA über 15 Milliarden Kubikmeter sei "ein großer Schritt in die Richtung". Die Europäer wollten ihre Bezugsquellen diversifizieren "hin zu Lieferanten, denen wir vertrauen", so von der Leyen weiter. Damit können nach Angaben der EU-Kommission etwa ein Zehntel der russischen Gaslieferungen in die EU dieses Jahr gedeckt werden.

Demnach importiert die EU rund 155 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland pro Jahr - das sind etwa 40 Prozent des verbrauchten Gases in der EU. Bis 2030 werde Europa zudem eine stabile Nachfrage nach zusätzlichem LNG über mindestens 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr aus den USA sicherstellen, sagte von der Leyen.

Angesichts des Kriegs in der Ukraine versucht die EU, so schnell wie möglich unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden - sowohl von Pipeline-Gas als auch von LNG. Die EU-Kommission hat Pläne vorgeschlagen, um russische Gasimporte bis Ende des Jahres um zwei Drittel zu reduzieren. Um Lieferungen zu diversifizieren, ist die EU-Kommission auch mit Ländern wie Katar, Aserbaidschan, Japan und Südkorea in Kontakt.

Hintergrund der Initiative ist der russische Angriff auf die Ukraine. Biden und von der Leyen beschworen die transatlantische Einheit beim Versuch, sich von russischen Importen zu lösen und die Klimaschutzziele zu erreichen. Eine neue transatlantische Arbeitsgruppe soll dabei für die kommenden Jahre eine engere Energiezusammenarbeit sichern.

LNG-Struktur muss noch ausgebaut werden

Damit die USA mehr LNG-Gas liefern können, ist zum einen eine erhöhte Förderung von amerikanischen Frackinggas nötig. Zum anderen muss die LNG-Infrastruktur in Europa ausgebaut werden, etwa der Bau von Flüssiggasterminals. Die EU will auch die Möglichkeiten erweitern, Gas von der Küste in Westeuropa in die Industrieregionen zu pumpen. Bisher ist dies an vielen Stellen nur aus dem Osten für russisches Gas möglich.

Habeck: Russische Ölimporte bis Sommer reduzieren

Zuvor hatte bereits Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mitgeteilt, dass Deutschland vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges seine Abhängigkeit von russischen Energieimporten "mit hohem Tempo" reduziere. Schon Mitte dieses Jahres "werden die russischen Ölimporte nach Deutschland voraussichtlich halbiert sein", sagte Habeck in Berlin. Beim Gas könne es gelingen, bis zum Sommer 2024 bis auf wenige Anteile unabhängig von russischen Lieferungen zu werden.

Biden wollte im Rahmen seines Europa-Besuchs noch im Laufe des Tages nach Polen weiterreisen und in Rzeszow dort stationierte US-Truppen besuchen. Die Stadt liegt etwa eine Fahrstunde von der ukrainischen Grenze entfernt. Außerdem wollte sich der US-Präsident über humanitäre Hilfe für mehr als zwei Millionen Geflüchtete informieren, die aus der Ukraine allein nach Polen gekommen sind. Für Samstag ist ein Treffen Bidens mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda geplant. Außerdem soll Biden nach Angaben des Weißen Hauses eine Rede zu den gemeinsamen Anstrengungen der westlichen Demokratien zur Unterstützung der Ukraine und ihrer Bevölkerung halten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. März 2022 um 10:40 Uhr.