Samiha Tahsin, CEO und Co-Gründerin des Start-ups "Bonton Connect" | Shebab Sumon

Start-up in Bangladesch Für fünf Cent ins Internet

Stand: 22.08.2021 05:33 Uhr

Viele Menschen in Bangladesch können sich keinen eigenen Internetzugang leisten. Ein Start-up will das ändern und es Menschen ermöglichen, für umgerechnet fünf Cent online zu gehen.

Von Oliver Mayer, ARD-Studio Neu-Delhi

Als Studentin jobbte Samiha Tahsin nebenher in einem Café in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. In den Pausen wollte sie gerne mit ihren Freunden chatten und sich Videos im Internet anschauen. Das Problem war allerdings oft, dass das mobile Internet dafür zu schlecht oder ihr Guthaben aufgebraucht war. "Spaßeshalber schaute ich mir an, wie viele Drahtlosnetzwerke verfügbar waren. Etwa 30 waren in meiner Reichweite", sagt Tahsin. Gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Omran Jamal kam den Computerwissenschaftsstudenten eine Idee. "Wir überlegten, wie praktisch es wäre, wenn jeder Zugang zu den Drahtlosnetzwerken hätte - und diejenigen, die das Internet zur Verfügung stellen, daran noch mitverdienen könnten", so Tahsin. Zusammen gründeten sie und Jamal das Start-up "Bonton Connect". Ihr Ziel: möglichst vielen Menschen in Bangladesch die Möglichkeit eröffnen, ins Internet zu kommen.

Oliver Mayer ARD-Studio Neu-Delhi

Tausende stellen ihre Netzwerke zur Verfügung

Nur ein knappes halbes Jahr nach der Gründung hat ihre App schon etwa 25.000 Downloads. Fast 10.000 Menschen stellen ihre Internetverbindung zur Verfügung. User zahlen für die Verbindung zu einem Netzwerk umgerechnet fünf Cent für zwölf Stunden. "Damit wollen wir es auch armen Menschen ermöglichen, Zugang zum Internet zu erhalten", sagt Jamal. Denn selbst bei einer 95-prozentigen Netzabdeckung können sich viele Menschen in Bangladesch die monatlichen Kosten für mobile Daten nicht leisten.

Und auch diejenigen, die ihr Internet zur Verfügung stellen, profitieren von der App. 80 Prozent des Geldes gehen an sie. Mohammad Sabbir Hossain hatte von Bonton Connect über eine Facebook-Gruppe gehört. "Tagsüber benutze ich mein Internet so gut wie gar nicht. Warum sollen dann nicht andere profitieren? Außerdem kann ich so bis zu einem Drittel meiner Kosten decken", schwärmt der Student.

Die Gründer des Start-ups "Bonton Connect", Samiha Tahsin (r.) und Omran Jamal | Shebab Sumon

Die Gründer des Start-ups "Bonton Connect", Samiha Tahsin (r.) und Omran Jamal. Bild: Shebab Sumon

Sicherheit als zentrale Herausforderung

Eine Gefahr, dass User Internetpasswörter von Hosts abgreifen, gibt es laut den Gründern nicht. "Das Passwort wird nicht mit den Usern geteilt", sagt Tahsin. "Wer sich in der Nähe eines Drahtlosnetzwerkes befindet, wird automatisch damit verbunden." Außerdem würden niemals mehrere User gleichzeitig mit demselben Netzwerk verbunden, um eine Drosselung der Geschwindigkeit zu vermeiden. Sobald der Host selbst im Internet eingeloggt sei, bleibe sein Zugang für andere gesperrt.

Dennoch sehen Tahsin und Jamal das Thema Sicherheit als eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft. Schon jetzt hätten sie eine starke Firewall, dennoch sei ihnen bewusst, dass immer die Gefahr eines Hacker-Angriffs bestehe. Viele Kunden hätten Angst davor, was passiere, wenn Daten abgegriffen würden. "Wir sind zwar davon überzeugt, dass wir schon jetzt eine sichere Verbindung zur Verfügung stellen", sagt Tahsin. "Aber natürlich arbeiten wir konstant weiter an Verbesserungen."

Expansion geplant

Gerade in Zeiten der Pandemie ist die Bevölkerung Bangladeschs stärker denn je auf Online-Inhalte angewiesen. 20 Prozent der Menschen haben noch immer keinen Zugang zum Internet, da die Kosten für ein Gigabyte mobiles Datenvolumen laut einer Studie durchschnittlich 11,4 Prozent ihres Monatslohns entsprechen. Vor allem außerhalb der Großstädte sei dieses Problem gravierend, weil Kinder oftmals nicht die Inhalte des Online-Unterrichts abrufen könnten.

Bisher ist ihr Start-up noch weitestgehend in der Hauptstadt Dhaka aktiv. Der Plan ist allerdings, möglichst bald auch in die ländlichen Regionen zu expandieren. "Dort wird unsere App den Menschen vor allem helfen", sagt Tahsin. Derzeit sucht das Start-up noch nach Investoren, die diesen Schritt auch finanziell ermöglichen.