Satellitenaufnahme des afrikanischen Kontinents | Bildquelle: picture alliance/dpa/NASA

Neue Freihandelszone Große Chance für Afrika

Stand: 31.12.2020 16:34 Uhr

Am 1. Januar startet die innerafrikanische Freihandelszone - mit 54 Ländern die größte der Welt. 90 Prozent aller Zölle sollen wegfallen. Doch der Binnenmarkt muss noch viele Hürden überwinden. 

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

In einer Ecke der Halle stapeln sich die frischen gelb-grünen Mangos, in der nächsten rattern sie über ein Förderband in eine riesige Saftpresse. 200 Tonnen Früchte werden hier Tag für Tag zu Saft oder Soft Drinks verarbeitet. Die Marken kennt in Kenia jedes Kind - und auch in den Nachbarländern.

Unternehmer Kimano Rugendo ist stolz auf seinen Erfolg. "Wir exportieren nach Sambia, Ruanda, Burundi, Tansania, Uganda und den Kongo", sagt er. "Aber wir haben einige Herausforderungen zu bewältigen, es gibt Zölle, manchmal Handelsbarrieren. Das macht den Export schwierig."

Kimano Rugendo
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Saftproduzent Kimano Rugendo hofft auf bessere Exportchancen.

Bislang schwieriger Handel in Afrika

Einfach Waren über die Grenze bringen, war zwischen vielen afrikanischen Ländern bisher oft schwierig. Intra-afrikanischer Transport: Das ist zeitraubend, teuer und auf dem Kontinent gibt es einen Flickenteppich an Handelsregeln und Zöllen. Das führt zu langen Wartezeiten an den Grenzen, endlosem Papierkrieg für den Import, immer wieder wird Schmiergeld verlangt.

Die offiziellen Beschränkungen zwischen den afrikanischen Ländern sind dabei grundsätzlich höher als solche zwischen Afrika und dem Rest der Welt. Der innerafrikanische Handel macht dabei laut Statistiken der Welthandelsorganisation von 2017 nur rund 17 Prozent aus. Zum Vergleich: Innerhalb Europas waren es im gleichen Jahr 69 Prozent.

Afrika startet in den Freihandel
tagesschau 13:00 Uhr, 01.01.2020, Boris Baumholt, ARD Nairobi

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Entwicklung zum größten Binnenmarkt

Doch jetzt soll alles besser werden. Am 1. Januar startet die afrikanische Freihandelszone (AfCFTA). 54 Staaten mit 1,2 Milliarden Menschen sollen am Ende des Prozesses einen Binnenmarkt bilden. Dann wäre es die größte Freihandelszone der Welt.

Der Safthersteller aus Kenia kann das kaum erwarten. "Wir freuen uns darauf", sagt Unternehmer Rugendo. "Wir hätten uns das schon viel früher gewünscht. Wir haben dann einheitliche Bedingungen. Das eröffnet uns viele neue Märkte." Das Ziel: Auf 90 Prozent aller Waren und Dienstleistungen sollen die Zölle gestrichen werden.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Denn das Projekt startet erst. Die Mitgliedsländer müssen immer noch über Zölle, einheitliche Grenzkontrollen und Standards oder die Ursprungsregeln verhandeln. Einfach wird der Prozess nicht werden.

Das weiß auch Aly Khan Satchu, kenianischer Wirtschaftsanalyst. Dem Sender Al Jazeera sagte er: "Das Problem ist, dass es viele reaktionäre Kräfte gibt, die vom jetzigen asymmetrischen Informations- und Wirtschaftsraum des Kontinents profitieren. Dieses Abkommen wird die ganze afrikanische Wirtschaft umkrempeln. Aber es gibt eine Menge Leute, die sehr mächtig sind, und das gar nicht wollen, denn sie haben viele Jahre vom alten System profitiert." Ein Binnenmarkt, wie er in der EU existiert, liegt noch in weiter Ferne. 

Freihandelszone schafft einen riesigen Markt

Die Chancen aber sind gewaltig. "Diese Freihandelszone schafft einen riesigen Markt und bietet die Möglichkeit für neue Jobs", sagt Lyndia Chinenye Iroulo, Politikwissenschaftlerin am GIGA-Institut in Hamburg. "Afrika kann damit wirtschaftlich aufholen und die Abhängigkeit vom Rest der Welt verringern." Bisher ist Afrika in vielen Bereichen auf Importe aus Europa, China und den USA angewiesen. Die industrielle Verarbeitung vieler Produkte - wie Kakao, Baumwolle oder Tomaten - findet kaum auf dem Kontinent selbst statt, und schafft so keinen zusätzlichen Wert, sondern außerhalb.

In der Corona-Pandemie war dringend benötigte Schutzausrüstung Mangelware, sie musste importiert werden, war aber kaum zu bekommen. Die Hürden waren hoch, sich auf dem Kontinent gegenseitig zu helfen. "Dieses Ereignis hat definitiv die Augen geöffnet, wie bedeutend das Zusammenwachsen ist", sagt Iroulo. "Covid ist ein weiterer Anstoß, die Freihandelszone vorwärts zu pushen."

Schutz der Kleinstunternehmer wichtige Frage

Afrikas Wirtschaftsleistung könnte in 15 Jahren um 335 Milliarden Euro steigen, schätzt die Weltbank. Durch den Freihandel könnten 30 Millionen Afrikaner den Weg aus der Armut schaffen. Die Frage, wie vor allem die vielen kleinen afrikanischen Händler und Kleinstunternehmer gestärkt und geschützt werden können, wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. Doch davon ist man noch weit entfernt.

Damit das Abkommen ein Erfolg wird, muss auch noch sehr viel gebaut werden. Dem Kontinent mangelt es an einer guten und umfassenden Infrastruktur. Dafür investieren einige Länder bereits. Kenia baut auf Lamu, im Nordosten des Landes, einen riesigen Container-Hafen. Bisher haben sie hier vom Fischfang und dem Tourismus gelebt, das soll sich jetzt ändern. Unumstritten ist das Projekt nicht, doch die Insel soll ein internationaler Logistikknotenpunkt werden.

Projektleiter Silvester Kasuku
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Projektleiter Kasuku sieht den Hafen von Lamu als Baustein der Freihandelszone.

Neuer Hafen zentraler Baustein

Im Hafen von Lamu segeln noch die Dhows, die hölzernen Fischerboote, einen Meeresarm weiter schaufeln bereits große Baggerschiffe die Rinne aus, arbeiten Planierraupen an der frisch asphaltierten Fläche. Tausende Container sollen hier bald umgeschlagen werden, mit dem Hafen, einer neuen Eisenbahnlinie und neuen Straßen eine Transportachse für Ostafrika entstehen. "Dieses Projekt ist sehr wichtig, um den afrikanischen Kontinent in den globalen Welthandel zu integrieren", lobt Projektleiter Silvester Kasuku den Hafen. "Es ist auch ein zentraler Baustein für die afrikanische Freihandelszone."

Um die Fortschritte des Baus zu inspizieren, ließen es sich die Regierungschefs Kenias, Uhuru Kenyatta, und Äthiopiens, Abiy Ahmed, nicht nehmen, Mitte Dezember persönlich einzufliegen. Dabei bekannten sie sich zum verstärkten Handel, auch zwischen den beiden Ländern. Eigens dafür versammelten sich die afrikanischen Bauarbeiter und die chinesischen Ingenieure des Projekts. Denn hier baut das Reich der Mitte ein weiteres Großprojekt für Afrika. China weiß schon längst, wie wichtig der afrikanische Markt bereits ist - und wie viel wichtiger er in Zukunft noch werden wird.

Wohlstand durch Handel - Afrikas Freihandelszone startet im neuen Jahr
Linda Staude, ARD Nairobi
31.12.2020 14:52 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Dezember 2020 um 23:15 Uhr.

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