Jens Weidmann | dapd

Weidmann tritt Weber-Nachfolge an Aus dem Schatten an die Spitze der Bundesbank

Stand: 16.02.2011 13:27 Uhr

Als Wirtschaftsberater war er einer der Schatten an der Seite der Kanzlerin. Nun wechselt Jens Weidmann er auf einen Posten im Rampenlicht: Er tritt die Nachfolge des scheidenden Bundesbank-Chef Weber an. Ein Porträt des Mannes, der der jüngste Präsident in der Geschichte der Bundesbank sein wird.

Malte Pieper ARD-Studio Brüssel

Von Malte Pieper, MDR, ARD-Hauptstadtstudio

Er ist einer der Schatten im Umfeld von Angela Merkel. Quasi immer präsent, wenn es um volkswirtschaftliche Fragen geht. Gesehen hat ihn der regelmäßige Tagesschau-Gucker auch schon - ohne diesen mittelgroßen, schlanken Mann mit seinen weichen Gesichtszügen und dem akkuraten Seitenscheitel allerdings wirklich wahrzunehmen. Denn das Auffälligste am Leiter der Abteilung IV im Bundeskanzleramt, also der Wirtschafts- und Finanzpolitik, ist seine Unauffälligkeit.

Jens Weidmann | dapd

Er soll künftig die Bundesbank leiten: Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann Bild: dapd

Niemals würde sich der 42-Jährige in den Vordergrund drängen, stets gibt er den stillen, loyalen Berater. Er selbst sieht sich als Spitzenbeamten, der die "wichtigsten Themen so aufarbeitet, dass die Kanzlerin eine Entscheidungsgrundlage hat", wie er es einmal formulierte. Dementsprechend gering ist die eigene Ausbeute, wenn man in die O-Ton-Archive schaut: Mitgeschnittene Äußerungen von Jens Weidmann gibt es nur sehr wenige.

Aber das wenige, das da ist, illustriert seinen Anspruch recht gut. Im Februar 2009 sagte er etwa im Vorfeld des damaligen G20-Treffens: "Ich glaube, dass es nicht sehr sinnvoll ist, die Verhandlungen nach außen zu tragen und einzelne Verhandlungspartner ins Spotlight bringt. Ich baue vielmehr darauf, dass wir in den Gesprächen weiterkommen."

Notenbanken in Frankreich und Ruanda

Jens Weidmann, geboren 1968, wuchs in Baden-Württemberg auf. Er studierte Volkswirtschaft im französischen Aix-en-Provence, in Paris und in Bonn. Studienaufenthalte führten ihn an die Banque de France sowie die Zentralbank von Ruanda. Anschließend arbeitete er beim Internationalen Währungsfonds, schrieb später an den Berichten der deutschen Wirtschaftsweisen mit, um schließlich 2003 zur Bundesbank zu wechseln, wo er Abteilungsleiter für Geldpolitik und monetäre Analyse wurde. Von dort holte Angela Merkel den Parteilosen ins Kanzleramt.

Architekt der Krisenfonds

Weidmann ist nicht nur für die Vorbereitung der G8- und G20-Treffen zuständig, inzwischen gilt er als der Chefberater von Angela Merkel in Wirtschaftsfragen. Seine Feuerprobe hatte er während der Finanzkrise zu bestehen. Nach Ansicht der Kanzlerin meisterte er sie hervorragend. So beruhen unter anderem die Konzeption des Deutschlandfonds für bedrohte Unternehmen sowie der Sonderfonds zur Finanzmarktstabilisierung wesentlich auf Weidmanns Ideen.

Weg über den Vizeposten

Und eigentlich hätte Angela Merkel den 42-Jährigen auch gerne noch länger an ihrer Seite. Doch es zieht ihn zurück in die Nähe von Frankfurt am Main. Dort lebt seine Familie. Gegenüber Vertrauten räumte Weidmann kürzlich ein, dass das Pendeln nach Berlin zunehmend schwierig wird. Eine Lösung schien auch gefunden: Im Frühsommer wird der Posten des Vizepräsidenten der Bundesbank frei, nach einiger Zeit hätte Weidmann übernehmen können. Nun übernimmt er den Chefposten selbst.

Der frühere Assistent der künftige Nachfolger

Er wird der jüngste Bundesbankpräsident aller Zeiten sein - und löst einen guten Bekannten ab. Der Kreis schließt sich sozusagen, denn Weidmann arbeitete einst an der Universität Bonn als Assistent von Axel Weber. Also jenes Mannes, der zum 30. April vorzeitig abtritt oder abtreten muss, ganz wie man will.