Ein Kind geht über ein vertrocknetes Maisfeld in Kenia | Bildquelle: picture alliance / dpa

WEF-Risikobericht Viele Gefahren, kaum Lösungen

Stand: 16.01.2019 16:09 Uhr

Internationale Spannungen und Handelskriege bedrohen den weltweiten Wohlstand. Davor warnt der Risikobericht des Weltwirtschaftsforums in Davos. Doch die größte Gefahr ist altbekanntes Problem.

Rückfall in Nationalismus, geopolitische Krisen und Spannungen in den Handelsbeziehungen: Der Risikobericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand der Weltwirtschaft. "Globale Risiken nehmen zu, aber der kollektive Wille, sie zu bekämpfen, schwächt sich ab. Stattdessen nimmt die Spaltung zu", heißt es in der Studie, die in London vorgestellt wurde.

Klimawandel als größtes Risiko

Wie ernst die Lage ist, zeigen die Titel der einzelnen Kapitel: "Out of Control" (Außer Kontrolle) heißt eines, ein anderes "Fight or Flight" (Kampf oder Flucht). Eine der größten Bedrohungen ist laut dem Bericht Datenbetrug und -raub sowie Cyberattacken. Den geplanten EU-Austritt Großbritanniens führt der 114 Seiten starke Bericht nicht auf.

Das größte Risiko geht aber vom Klimawandel aus. Erstmals werden in dem jährlich erscheinenden Bericht Umweltprobleme als die drei drängendsten Herausforderungen genannt. Konkret sind dies Wetterextreme, Versagen beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel sowie Naturkatastrophen. "Von allen Risiken ist es bei der Umwelt am offensichtlichsten, dass die Welt in eine Katastrophe schlafwandelt", heißt es in der Studie.

Wille zu kooperieren nimmt ab

Knapp eine Woche vor dem Jahrestreffen in Davos (22. bis 25. Januar) rief das WEF mit Nachdruck zur Zusammenarbeit auf. "Es gab nie einen dringenderen Bedarf für einen kollaborativen und gemeinsamen Ansatz für globale Probleme, die alle angehen", schrieb WEF-Präsident Børge Brende im Vorwort des "Global Risk Report". Doch das WEF zeigt sich zugleich äußerst skeptisch, dass die Menschheit die Herausforderung annimmt und angeht.

Mit Blick auf politische und wirtschaftliche Konflikte warnt die Organisation: "Vor diesem Hintergrund ist es vermutlich schwieriger, gemeinsame Fortschritte bei anderen globalen Herausforderungen zu erreichen." Von etwa 1000 befragten Experten und Entscheidungsträgern erwarteten 88 Prozent eine weitere Aushöhlung der Handelsvereinbarungen.

WEF-Präsident Brende | Bildquelle: LAURENT GILLIERON/EPA-EFE/REX
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WEF-Präsident Brende zeichnete ein düsteres Bild der (wirtschaftlichen) Lage auf der Welt.

Wichtiges Treffen

Traditionell stellt das WEF den Weltrisikobericht rund eine Woche vor Beginn der Tagung in den Schweizer Alpen vor. Die Organisation versteht die Studie als eine Art Leitfaden für die zentralen Fragen des Jahres 2019. In Davos diskutieren in diesem Jahr mehr als 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft unter dem Motto "Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution".

Erwartet werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, der chinesische Vizepräsident Wang Qishan und Brasiliens neuer Staatschef Jair Bolsonaro. US-Präsident Donald Trump hatte seinen Besuch mit Verweis auf den Haushaltsstreit mit den Demokraten abgesagt, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron bleibt wegen der Proteste der "Gelbwesten" zu Hause.

Auch menschliche Seite berücksichtigen

Neben den ökonomischen Gefahren warnt das WEF aber auch vor der "menschlichen Seite" globaler Risiken. "Für viele Menschen ist dies eine zunehmend ängstliche, unglückliche und einsame Welt", heißt es in dem Bericht. Schätzungen zufolge würden etwa 700 Millionen Menschen weltweit an psychischen Problemen leiden. "Dies ist ein Zeitalter beispielloser Möglichkeiten und technologischen Fortschritts, aber für zu viele Menschen ist dies auch ein Zeitalter der Unsicherheit", mahnte WEF-Präsident Brende.

Auch als Diskussionsanstöße für das Treffen in Davos formulierte das WEF im Risikobericht zehn "Zukunftsschocks" als theoretische Szenarien. Dazu zählen die Autoren unter anderem sogenannte Wetterkriege - also Klimamanipulationen zur Schwächung von Gegnern - und die absichtliche Unterbrechung der Nahrungsversorgung. Weitere Szenarien sind ein Ende der Wasserversorgung in Großstädten sowie die Verlagerung geopolitischer Konflikte ins Weltall. Es handele sich bei all diesen Szenarien um eine Mahnung, kreativ über Risiken nachzudenken und das Unerwartete zu erwarten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Januar 2019 um 12:45 Uhr in den Nachrichten.

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