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Programm WeChat Umstrittener WhatsApp-Rivale aus China

Stand: 16.08.2013 15:59 Uhr

Das chinesische Pendant von WhatsApp heißt WeChat. Jüngst knackte es außerhalb Chinas die 100-Millionen-Nutzergrenze. Für die Werbebranche wird WeChat damit immer interessanter. Kritiker werfen den Betreibern aber Zensur vor.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Schanghai

Ein gutgelaunter Lionel Messi videochattet mit seiner Großmutter. In einem Werbespot macht Argentiniens Fußballstar das mit WeChat. So heißt die App, die inzwischen 100 Millionen Nutzer außerhalb Chinas hat. Messi ist seit kurzem eines der internationalen Werbegesichter für die chinesische Smartphone-Software.

"Das ist wahrscheinlich die erste chinesische Software, die außerhalb Chinas erfolgreich ist. Meine Kollegen sitzen in den USA, und wir nutzen die App zum Kommunizieren. Die internationale Version von WeChat ist so gut wie die der Mitbewerber, wenn nicht besser", sagt Paul Waide vom Schanghaier Büro von Amalfi Capital, einer Investmentfirma, die unter anderem am chinesischen Internetkonzern Tencent beteiligt ist.

Das wichtigste - weil erfolgreichste - Produkt von Tencent ist WeChat, oder wie die chinesische Variante heißt: WeiChin. Die App versucht, die Funktionen klassischer Chat-Programme mit Funktionen zu verbinden, die die User von Twitter oder Facebook kennen.

Mit "Look Around" die chinesischen Nutzer überzeugt

Außerdem bietet WeChat Extra-Funktionen, auf die vor allem die Smartphone-User in China abfahren. "Die Look-Around-Funktion, die macht einigen Leuten Angst, aber es ist faszinierend. Du drückst auf 'Look around' und die  App sagt dir, welche anderen Nutzer sich in einem Umkreis von 100 bis 200 Metern aufhalten", sagt Waide.

Für die Werbebranche ist WeChat attraktiver als andere Chat-Programme. Das liegt unter anderem daran, dass sich die kostenlose App nicht nur per Werbung finanziert. Vielmehr werden die User aufgefordert, virtuelle Sticker zu kaufen, die sie dann an Freunde verschenken sollen. Auch kostenpflichtige Spiele können eingebunden werden. "Die Firma ist also nicht abhängig von passiver Werbung. Das ist das Geschäftsmodell auf das sich vor allem Facebook verlässt. WeChat bietet Produkte an, für die die Leute bereit sind, echtes Geld auszugeben."

Werden Chat-Inhalte gefiltert?

Kritiker hatten den chinesischen Betreibern von WeChat vor einigen Monaten Zensur vorgeworfen. Bestimmte Chat-Inhalte würden gefiltert. Die Firma wies das zurück und sprach von technischen Problemen. Investor Waide sagt, Zensur - das müsse man bei einem chinesischen Kommunikationsprodukt erwarten. Die meisten User dürften das aber in Kauf nehmen, schließlich sei das ganze kostenlos, schätzt er. "International gesehen bedeutet das aber natürlich ein PR-Problem. Wenn wir uns aber die Datenschutz-Skandale in den USA ansehen, dann bin ich nicht sicher, ob Tencent ein größeres PR-Problem hat als vergleichbare US-Firmen."

Dieser Beitrag lief am 16. August 2013 um 16:41 Uhr auf NDR Info.

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