Geldscheine werden aus einer Geldbörse genommen | dpa

Entlastungen überwiegen Was sich 2021 beim Geld ändert

Stand: 31.12.2020 11:17 Uhr

Die Bürger werden unterm Strich im kommenden Jahr etwas mehr im Geldbeutel haben. Eine Reihe von Änderungen bei Steuern, beim Kindergeld, aber auch bei Spritkosten und in der Krankenversicherung stehen an.

Von Andreas Braun, tagesschau.de

Rund zwei Prozent mehr Kaufkraft pro Kopf werden die Deutschen im kommenden Jahr zur Verfügung haben. Das hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer Studie ermittelt. Beim Durchschnittsverdiener kommen demnach 453 Euro mehr als im Vorjahr an.

Wie viel davon allerdings "real", also nach Berücksichtigung der Teuerungsrate, übrig bleibt, ist fraglich. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts kostet diese finanzielle Entlastung den Bundeshaushalt rund 15 Milliarden Euro.

Der Soli fällt weg - für fast alle

Die größte Entlastung für Steuerzahler entsteht durch die fast vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlages. Für 90 Prozent der heutigen Zahler fällt er komplett weg, für weitere 6,5 Prozent zumindest zum Teil. Nur bei Einkommen der Top-Verdiener wird er weiter in voller Höhe abgezogen.

Ein Single kann durch den Soli-Wegfall bis zu 930 Euro im Jahr sparen, ein Paar mehr als 1860 Euro. Wer sehr wenig verdient, profitiert allerdings kaum - weil der Solidaritätszuschlag schon heute nur kleine Summen ausmacht.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, meint, dass die Soli-Abschaffung in Corona-Zeiten wenig sinnvoll ist: "Hätte man vor ein paar Jahren gewusst, dass die Pandemie kommt, hätte man den Soli-Teilabbau und die Entlastung vermutlich nicht beschlossen." Ein kleiner Pferdefuß für Privatanleger bleibt allerdings: Für Kapitalerträge wird der Soli in alter Höhe von 5,5 Prozent neben der Abgeltungssteuer von 25 Prozent weiterhin erhoben.

Mehrwertsteuer wieder bei 19 Prozent

Auch der Effekt der zeitweisen Senkung der Mehrwertsteuer seit Juli 2020 von 19 auf 16 Prozent war nicht unumstritten. Ab Januar gilt wieder der alte Steuersatz. Beim ermäßigten Steuersatz geht es wieder von fünf auf den alten Steuersatz von sieben Prozent nach oben.

Kfz-Steuer

Etwas stärker zur Kasse gebeten werden Autofahrer auch bei der Kfz-Steuer. Sie steigt allerdings nur für die meisten neu zugelassenen Fahrzeuge mit hohem Spritverbrauch. Ab 2021 kommt zu einem Sockelbetrag nach Hubraum ein Betrag hinzu, der sich am CO2-Ausstoß des Fahrzeugs orientiert. Für reine Elektrofahrzeuge wird die Steuerbefreiung bis 2025 verlängert.

Kindergeld

Familien mit Kindern können sich im kommenden Jahr über mehr Kindergeld freuen. Das Kindergeld steigt für das erste und zweite Kind auf 219 Euro pro Monat, für das dritte Kind gibt es 225 Euro und ab dem vierten Kind 250 Euro. Der Kinderfreibetrag bei der Steuer wird von 7812 auf 8388 Euro angehoben.

Eltern können entweder Kindergeld oder Kinderfreibetrag nutzen. Der Freibetrag verringert die Einkommensteuer und lohnt sich daher vor allem für Besserverdiener. Familien mit sehr geringem Einkommen profitieren weniger von der Erhöhung, weil das Kindergeld mit Hartz IV verrechnet wird. Sie haben allerdings zum Teil Anspruch auf einen Kinderzuschlag, der 2021 von maximal 185 auf höchstens 205 Euro steigt.

Grundfreibetrag

Auch die Einkommensgrenze, ab der man überhaupt Steuern zahlen muss, der so genannte Grundfreibetrag, wird um 336 Euro auf 9744 Euro angehoben. Dadurch zahlen die meisten Bürger weniger Steuern. Die Grenze, ab der der 42-prozentige Spitzensteuersatz erhoben wird, steigt ebenfalls leicht auf ein Jahreseinkommen von 57.919 Euro.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Deutliche Steuererleichterungen gibt es für Alleinerziehende. Für allein stehende Mütter und Väter mit Kindergeldanspruch erhöht sich bei einem Kind der Entlastungsbetrag von 1908 auf 4008 Euro. Um diesen Betrag wird das zu versteuernde Einkommen bereits 2020 reduziert. Für jedes weitere Kind kommen 240 Euro hinzu.

Tanken und Heizen

Die Sprit-, Gas- und Heizölrechnung wird für Verbraucher im kommenden Jahr tendenziell höher ausfallen. Denn ab 2021 gibt es einen nationalen CO2-Preis. Unternehmen wie Raffinerien, die Benzin, Diesel oder Heizöl verkaufen, müssen je Tonne des Treibhausgases zunächst 25 Euro zahlen. Der Preis kann im Jahresverlauf sogar noch ansteigen. Fossile Energien sollen so verteuert und klimaschonende Alternativen begünstigt werden. Der Mineralölwirtschaftsverband rechnet damit, dass die Kosten beim Tanken insgesamt um zehn bis elf Cent pro Liter steigen.

Pendlerpauschale

Eine Entlastung gibt es im Gegenzug aber in Form der Pendlerpauschale. Ab dem 21. Kilometer erhöht sie sich von 30 auf 35 Cent pro Kilometer. Nach Rechnung des Steuerzahlerbunds kann man mit einem Arbeitsweg von 35 Kilometern im kommenden Jahr rund 165 Euro mehr Entfernungspauschale geltend machen als bisher.

Home-Office-Pauschale

Wer Corona-bedingt im Jahr 2020 zu Hause gearbeitet hat, kann für fünf Euro pro Heimarbeitstag von der Steuer absetzen. Diese Pauschale gilt aber nur für bis zu 120 Tage im Home Office, also 600 Euro. Der Betrag wird allerdings auf die Werbungskosten angerechnet. Nur wer inklusive der Home-Office-Pauschale über 1000 Euro kommt, profitiert also steuerlich. Die Home-Office-Pauschale gilt auch für das kommende Jahr 2021.

Strompreise: zumindest stabil

Auch die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms wird mit 5,4 Milliarden Euro aus Steuermitteln leicht gesenkt. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Strompreises. Die Umlage wäre sonst stark gestiegen. Damit bleiben die Strompreise in Deutschland überwiegend auf ihrem, im internationalen Vergleich, hohen Niveau. Nur wenige Anbieter planen laut einer Erhebung bei Vergleichsportalen eine Senkung der Preise.

Mindestlohn

Mit dem Jahreswechsel wird der Mindestlohn angehoben, von 9,35 Euro auf 9,50 Euro je Stunde. Ab Juli liegt er dann bei 9,60 Euro pro Stunde. Für Auszubildende steigt die Mindestvergütung im ersten Lehrjahr auf 550 Euro, nach 515 Euro zuvor.

Grundrente

Offiziell wird die Grundrente zum 1. Januar eingeführt. Sie soll Versicherten zugute kommen, die langjährig in die Rentenkasse eingezahlt haben, aber dennoch nur geringe gesetzliche Renten zu erwarten haben. Die Deutsche Rentenversicherung prüft zunächst die Ansprüche der Versicherten. Die Rentenbescheide sollen spätestens Ende 2022 verschickt werden. Auszahlungen erfolgen dann rückwirkend auch für das Jahr 2021.

Eine Erhöhung der gesetzlichen Rente für alle Rentner dürfte es 2021 wohl nicht geben. Im Corona-Jahr sind die Einkünfte der Beschäftigen im Schnitt nicht gestiegen, und danach wird die Rentenhöhe ausgerichtet. Durch die Anpassung der Ost- an die Westrenten könnte es für Altersrentner in Ostdeutschland aber einen Aufschlag von rund 0,7 Prozent geben.

Krankenversicherung: Zusatzbeitrag steigt

Die Pandemie sorgt bei den gesetzlichen Krankenkassen für eine gewaltigen Mehrbedarf von geschätzt 16,6 Milliarden Euro. Nur ein Teil davon wird von Bundesmitteln übernommen. Versicherte dürften sich damit auf tendenziell steigende Zusatzbeiträge einstellen müssen. Im Schnitt hatten das Gesundheits- und Finanzministerium einen Anstieg um 0,2 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent Zusatzbeitrag als Ziel gesetzt. Die Krankenkassen entscheiden aber selbst über die Erhöhungen.

Pflege-Pauschbetrag

Steuerliche Erleichterungen für Menschen, die einen Angehörigen zu Hause pflegen, werden erhöht und ausgeweitet: Für die Pflegegrade 2 und 3 wird der Pauschbetrag bei 600 beziehungsweise 1100 Euro liegen. Für Personen mit den Pflegegraden 4 und 5 wird der Betrag auf 1800 Euro angehoben.

Über dieses Thema berichtete das NDR Hamburg Journal am 30. Dezember 2020 um 19:30 Uhr.