OHB Satellit (Rendering) |

Navigationssystem der EU Galileo geht in die zweite Generation

Stand: 21.01.2021 13:25 Uhr

Die EU-Kommission hat die Aufträge für die zweite Generation des Navigationssystems Galileo vergeben. Mit dem Programm will sich Europa unter anderem unabhängig vom US-System GPS machen.

Galileo ist eines der zentralen EU-Projekte im Raumfahrtbereich. Bislang liefern 26 Satelliten weltweit Positionsdaten. Die Daten werden auf der Erde von einem Netzwerk von Bodenstationen empfangen. Satellitennavigation ist aus dem Alltag der Bürger nicht mehr wegzudenken. Aber auch für Wirtschaft, Verkehr, Forschung, Verwaltung und Militär ist die Bedeutung groß.

Galileo sei für die digitale Wirtschaft der Zukunft eine Schlüsseltechnologie, schreibt die Bundesregierung dazu in einem Positionspapier. Der Bereich Logistik, Lagerverwaltung und Transport ist längst in hohem Maße von moderner Navigationstechnologie abhängig. Auch in den Bereichen Kommerzialisierung, Werbung und Marketing spielt die Ortung des Konsumenten eine wachsende Rolle, zum Beispiel beim Erfinden neuer Geschäftsmodelle.   

Wo steht die EU?

Hintergrund des europäischen Navigationssystems ist es deshalb auch, in einem sensiblen infrastrukturellen Bereich die europäische Abhängigkeit etwa zum US-System GPS zu verringern. Russland und China haben mit Glosnass oder Beidou eigenen Navigationssysteme geschaffen.

Ariane-5-Rakete bringt 4 Satelliten für Galileo Navigationssystem ins All |

Ariane-5-Rakete bringt 4 Satelliten für Galileo Navigationssystem ins All.

Galileo garantiere globalen, kontrollierten Zugang zu einem Satellitennavigationsdienst, auch wenn andere Systeme unverhofft an Genauigkeit verlieren oder abgeschaltet würden, heißt es dazu in der Publikation der Bundesregierung. Im Ergebnis ist Galileo also auch eine Antwort auf eine politische Frage: Wo steht die EU in der Welt?  

Die Bedeutung für die EU ist demnach groß. Von den 13,2 Milliarden Euro, die in der EU bis 2027 für Raumfahrt vorgesehen sind, entfallen acht Milliarden auf Galileo. Weitere 4,8 Milliarden Euro sind für das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus reserviert.

Enttäuschung in Bremen

Bei der aktuellen EU-Ausschreibung für die neue Generation der Galileo-Satelliten ist der Bremer Raumfahrtkonzern OHB nun nicht mehr berücksichtigt worden. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA habe OHB im Namen der EU-Kommission darüber informiert, dass das Angebot der OHB Systems AG nicht erfolgreich gewesen sei, hatte das Unternehmen mitgeteilt.

OHB Mitarbeiter prüfen Galileo-Satellit |

OHB nicht mehr dabei: Enttäuschung in Bremen

"Wir sind überrascht und natürlich enttäuscht", sagte OHB-Sprecher Günther Hörbst der Deutschen Presse-Agentur. "Aus unserer Sicht haben wir ein wettbewerbsfähiges Angebot abgegeben." Nun gehe es aber darum, nach vorne zu schauen. "Das ist nichts, was uns aus der Bahn wirft. Das Orderbuch ist voll."

Stattdessen bekamen der deutsch-französische Airbus-Konzern und die italienisch-französische Thales Alenia Space den Zuschlag, teilte die EU-Kommission mit.

Strategische Autonomie

Bei dem Zuschlag für die nächste Generation geht es um den Bau von insgesamt zwölf Satelliten mit einem Auftragsvolumen von 1,47 Milliarden Euro. Die Entscheidung für die Vergabe wurde auf Empfehlung der ESA getroffen. Ziel sei, Galileo im globalen Wettbewerb vor der technologischen Kurve zu halten und es als eines der besten Systeme für Satellitenpositionierung zu erhalten, teilte die EU-Kommission mit. Dies sei auch für die strategische Autonomie Europas entscheidend.

Seit 2010 hatte sich OHB in drei Ausschreibungsrunden durchgesetzt und war mit Entwicklung, Bau und Test von insgesamt 34 Galileo-Satelliten beauftragt worden. Davon befinden sich nach OHB-Angaben bereits 22 im Weltraum. Die verbliebenen seien in unterschiedlichen Produktions- und Teststadien und von der jüngsten Entscheidung nicht betroffen.

Die ersten Satelliten der zweiten Generation solle Ende 2024 ins All geschossen werden. Sie sollen unter anderem die Präzision von Galileo und die Widerstandsfähigkeit des Signals verbessern. Dies sei auch für den militärischen Gebrauch wichtig. Der Vertrag mit Airbus und Thales soll Ende des Monats unterschrieben werden.