Bestreikter Lufthansa-Abflugschalter am Frankfurter Flughafen | dpa

Warnstreiks haben begonnen Lufthansa streicht mehr als 1000 Flüge

Stand: 27.07.2022 08:30 Uhr

Der von der Gewerkschaft ver.di angekündigte Warnstreik des Bodenpersonals der Lufthansa hat begonnen. Die Airline streicht nahezu das komplette Flugprogramm in Frankfurt und München. Die Auswirkungen könnten bis Freitag andauern.

Der großangelegte bundesweite Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals hat begonnen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten an allen Standorten der Fluglinie zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, die bis zum frühen Donnerstagmorgen dauern sollen.

Die Lufthansa strich deshalb für heute fast alle Verbindungen an den Drehkreuzen Frankfurt und München. Nach Angaben des Unternehmens fallen in Frankfurt knapp 680 und in München rund 350 Flüge aus. Insgesamt sind etwa 134.000 Passagiere betroffen, sie sollten demnach möglichst auf alternative Verbindungen umgebucht werden. Die Lufthansa teilte zugleich mit, dass die Kapazitäten dafür "sehr begrenzt" seien.

Lufthansa warnt vor enormen Schäden

Hintergrund des Warnstreiks sind Tarifverhandlungen für rund 20.000 Boden-Beschäftigten der Lufthansa. Die zweite Tarifrunde endete Mitte Juli ergebnislos. Zum Streik aufgerufen sind ganz unterschiedliche Beschäftigtengruppen wie das Schalterpersonal, Flugzeugtechniker oder die Fahrer der riesigen Schlepper, die Flugzeuge am Flughafen auf die richtigen Positionen schieben. Ohne diese Dienstleistungen können die Jets ebenso wenig abheben wie ohne Piloten oder Kabinenpersonal.

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann kritisierte das Vorgehen: "Die frühe Eskalation nach nur zwei Verhandlungstagen in einer bislang konstruktiv verlaufenden Tarifrunde richtet enorme Schäden an. Das betrifft vor allem unsere Fluggäste in der Hauptreisezeit. Und es belastet unsere Mitarbeitenden in einer ohnehin schwierigen Phase des Luftverkehrs zusätzlich stark." Einzelne Flugausfälle und Verspätungen seien auch am Donnerstag und Freitag noch möglich.

Weitere Städte betroffen

Betroffen sind neben den Drehkreuzen Frankfurt und München aber auch Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Bremen, Hannover, Stuttgart und Köln. Der Lufthansa-Konzern unterhält dort meist kleinere Einheiten, die ihre Dienstleistungen auch anderen Airlines anbieten.

In Bayern ist am Freitag der letzte Schultag vor den Sommerferien. Passagiere ohne Umbuchungen sollten nicht zu den Flughäfen kommen, weil dort "nur wenige oder gar keine" Serviceschalter geöffnet sein werden, warnte das Unternehmen.

Ver.di: Kein weiterer Warnstreik vor nächsten Gesprächen

Zumindest bis zur nächsten Gesprächsrunde in der kommenden Woche müssen Lufthansa-Kunden nach dem Warnstreik des Bodenpersonals keine weiteren Aktionen der Gewerkschaft fürchten. Ver.di-Verhandlungsführerin Christine Behle sagte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF auf eine entsprechende Frage: "Das kann ich ausschließen."

Ver.di und die Lufthansa wollen wieder am 3. und 4. August über Gehälter und Arbeitsbedingungen der rund 20.000 Bodenbeschäftigten sprechen.

Abfertigungschaos verschärft sich

Der erste Streik bei Lufthansa nach dem Corona-Schock kommt vor dem Hintergrund eines teilweise chaotisch verlaufenen Neustarts der Branche. Personalengpässe und eine starke Urlaubsnachfrage haben schon ohne Streiks zu erheblichen Abfertigungsproblemen in diesem Sommer geführt. Ver.di macht dafür vor allem Missmanagement bei Flughäfen und Airlines verantwortlich.

Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben bei einer Laufzeit von 18 Monaten eine zweistufige pauschale Gehaltserhöhung um zusammen 250 Euro angeboten, zu der ab Juli kommenden Jahres noch eine gewinnabhängige Steigerung um zwei Prozent käme. Bei einem monatlichen Grundgehalt von 3000 Euro ergäbe sich daraus eine Steigerung von neun bis elf Prozent.

Verhandlungsführerin Behle bezeichnete das Beispiel als "schöngerechnet". Für andere Gehaltsbereiche betrage die Steigerung nur rund vier Prozent und bringe damit für die Beschäftigten Reallohnverluste, sagte sie der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Die Gewerkschaft fordert bei zwölf Monaten Laufzeit 9,5 Prozent mehr Geld in den Lohntabellen, mindestens aber 350 Euro.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juli 2022 um 09:00 Uhr.