Streikposten stehen während eines Warnstreiks des Sicherheitspersonals in der Abflughalle A am Flughafen Hannover. | Bildquelle: dpa

Viele Flughäfen betroffen Die nächsten Warnstreiks laufen

Stand: 15.01.2019 02:54 Uhr

Hunderte Flüge fallen aus, Hunderttausende Passagiere sind betroffen - seit Mitternacht gibt es an deutschen Flughäfen wieder Warnstreiks. Auch an nicht bestreikten Airports dürfte es Auswirkungen geben.

An mehreren deutschen Flughäfen haben in der Nacht Warnstreiks des Sicherheitspersonals begonnen. Am Frankfurter Flughafen gibt es laut Ver.di seit 2.00 Uhr eine Arbeitsniederlegung, die bis 20.00 Uhr dauern soll. Wie viele Mitarbeiter sich im Laufe des Tages voraussichtlich daran beteiligen werden, konnte ein Ver.di-Sprecher noch nicht sagen. Allein in Frankfurt wurden bis Montagabend 570 der geplanten 1200 An- und Abflüge gestrichen.

In Hamburg, wo ein Nachtflugverbot gilt, waren ab Mitternacht zunächst rund 30 Mitarbeiter zum Warnstreik aufgerufen. Ver.di rechnet laut eigenen Angaben damit, dass sich heute Hunderte Mitarbeiter an den Arbeitsniederlegungen beteiligen werden. Schon gestern waren dort mit 109 Starts fast zwei Drittel der ursprünglich 178 heute geplanten Abflüge mit mehr als 20.000 Passagieren gestrichen worden. Auch 91 Landungen wurden von den Fluggesellschaften abgesagt.

In Hannover legten Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen, die im Auftrag der Bundespolizei oder des Flughafens die Sicherheitskontrollen übernehmen, laut ver.di die Arbeit nieder. Man rechne im Laufe des Dienstags mit mindestens 180 Mitarbeitern, die sich an dem 24-stündigen Warnstreik beteiligten. Insgesamt sollen im Laufe des Tages in Hannover voraussichtlich ein Drittel aller Starts und Landungen gestrichen werden.

Fluggäste stehen am Morgen des Streiks vor den Check-in-Schaltern in der Abflughalle A am Flughafen Hannover. | Bildquelle: dpa
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Fluggäste stehen am Morgen des Streiks vor den Check-in-Schaltern in der Abflughalle A am Flughafen Hannover.

Leipzig, Dresden, Bremen und München streiken mit

Am Flughafen Bremen waren mit Stand Montagabend 27 von 58 für Dienstag disponierte Flüge abgesagt worden.

In München beteiligten sich nach Angaben eines ver.di-Sprechers 150 Mitarbeiter am Streik, die einen Großteil des Sicherheitspersonals von Personen- und Warenkontrolle ausmachen. Laut Flughafen fielen etwa 100 Flüge aus.

An den Flughäfen Leipzig-Halle und Dresden rechnen die Gewerkschafter mit etwa 120 Streikteilnehmern. In Leipzig waren 28 von 50 Flügen gestrichen, in Dresden fallen 26 von 46 Verbindungen aus - dabei geht es vor allem um innerdeutsche Verbindungen.

Zu Warnstreiks aufgerufen ist auch das Sicherheitspersonal in Erfurt-Weimar. Nach Angaben auf der Flughafen-Webseite sind dort für heute allerdings keine An- und Abflüge vorgesehen.

Auswirkungen in Köln-Bonn und Tegel

Der Flughafenverband ADV rechnet damit, dass etwa 220.000 Passagiere von den Streichungen und Verspätungen betroffen sein werden. Der Verband verurteilte den "Streikexzess" von ver.di. Einmal mehr würden die Flughäfen als Schauplatz in einem Arbeitskampf missbraucht, bei dem sie nicht einmal Tarifpartei sind.

Die Proteste haben auch Auswirkungen auf nicht direkt bestreikte Flughäfen. So wurden in Köln-Bonn bis zum Nachmittag 24 Flüge vorsorglich gestrichen. Weitere Ausfälle seien möglich, hieß es.

Am Berliner Flughafen Tegel könnten nach Angaben der Betreiber bis zu 110 Verbindungen betroffen sein - allein zwischen Frankfurt und Tegel wurden bereits 16 Flüge gestrichen.

Flughäfen und -linien hatten die Kunden aufgerufen, sich rechtzeitig zu informieren und möglichst umzubuchen.

Gewerkschaften fordern einheitliche Bezahlung

Schon vergangene Woche hatte es Warnstreiks gegeben - zunächst an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, dann in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart. Ver.di begründet die jetzige Eskalation damit, die Arbeitgeber hätten trotzdem "kein verhandlungsfähiges Angebot" vorgelegt. Die Gewerkschaften ver.di und DBB fordern eine einheitliche Bezahlung für die bundesweit etwa 23.000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle. Ver.di verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB einen Stundenlohn von 19,50 Euro. Bislang sind die Löhne regional sehr unterschiedlich geregelt.

Die Arbeitgeberseite widersprach: Ihr aktuelles Angebot liege bei bis zu 6,4 Prozent mehr Lohn pro Jahr. Bereits im Dezember habe man zudem kommuniziert, dass man zu einer weiteren Erhöhung und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei, erklärte der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS). Ver.di schädige mit den "völlig ausufernden" Streiks Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften.

Am 23. Januar wollen sich ver.di und Arbeitgeber zu ihrer fünften Verhandlungsrunde an einen Tisch setzen. Der nächste Verhandlungstermin von DBB und BDLS ist für den 24. Januar vereinbart.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2019 um 04:42 Uhr.

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