Flugzeuge auf dem Frankfurter Flughafen | Bildquelle: REUTERS

Warnstreiks an Flughäfen Am Dienstag ist Geduld gefragt

Stand: 14.01.2019 21:10 Uhr

Für Flugreisende könnte es ein sehr ungemütlicher Dienstag werden. An mindestens acht Flughäfen ist das Sicherheitspersonal zu Warnstreiks aufgerufen. In Frankfurt wird jeder dritte geplante Flug ausfallen.

Reisende müssen sich heute auf erhebliche Einschränkungen auf vielen deutschen Flughäfen einstellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der DBB rufen das Sicherheitspersonal zu Warnstreiks in Frankfurt am Main, Hannover, Hamburg, Bremen, Leipzig/Halle, Dresden, Erfurt und München auf.

In Frankfurt wird nach derzeitiger Planung etwa jeder dritte Flug ausfallen. Nach Angaben des Betreibers Fraport haben die Fluggesellschaften am größten deutschen Airport insgesamt bereits etwa 470 An- und Abflüge gestrichen. Geplant waren 1200 Starts- und Landungen.

Verband: Flugnetz wird lahmgelegt

In München könnten die Auswirkungen für Reisende weniger spürbar sein, weil nicht die Passagierkontrolle, sondern die Personal- und Warenkontrolle betroffen sein wird. "Es wird sicherlich zu Einschränkungen kommen", räumte ein Sprecher des Flughafens ein.

Der Flughafenverband ADV geht davon aus, dass durch den Ausstand das deutsche Flugnetz lahmgelegt wird. Etwa 220.000 Passagiere werden von Flugstreichungen und Verspätungen betroffen sein. Der Verband verurteilte den "Streikexzess" von ver.di. Einmal mehr würden die Flughäfen als Schauplatz in einem Arbeitskampf missbraucht, bei dem sie nicht einmal Tarifpartei sind.

Hunderte Flüge abgesagt, viele weitere betroffen

In Frankfurt sollen die Kontrollen von 2.00 bis 20.00 Uhr ausfallen. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport erklärte, 470 von rund 1200 geplanten Flügen, also gut ein Drittel, seien gestrichen. Auch bei Umsteigeflügen werde es am größten deutschen Flughafen und Knotenpunkt zu Verzögerungen kommen.

In Hamburg, Hannover und Bremen streikt das Sicherheitspersonal ab Mitternacht für 24 Stunden. Eine Sprecherin des Hamburger Flughafens erklärte, zwei Drittel der für Dienstag geplanten gut 360 Flüge seien annulliert. In Hannover sollte fast die Hälfte der 60 Abflüge entfallen. Die Proteste haben auch Auswirkungen auf nicht direkt bestreikte Flughäfen. So wurden in Köln/Bonn bis zum Nachmittag 24 Flüge vorsorglich gestrichen. Weitere Ausfälle seien möglich.

Flughäfen und Airlines hatten die Kunden aufgerufen, sich rechtzeitig zu informieren und möglichst umzubuchen. Die Lufthansa muss einem Sprecher zufolge rund 500 Flüge, davon 28 Interkontinentalverbindungen, ausfallen lassen. Ihre Billigflugtochter Eurowings sagte 120 von 700 Verbindungen ab.

Gewerkschaften fordern einheitliche Bezahlung

Die Gewerkschaften ver.di und DBB fordern eine einheitliche Bezahlung für die bundesweit etwa 23.000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle. Ver.di verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB einen Stundenlohn von 19,50 Euro.

Bislang sind die Löhne regional sehr unterschiedlich geregelt. Der erneute Streikaufruf sei notwendig geworden, weil der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) "weder auf das starke Signal der Beschäftigten durch die Warnstreiks in Berlin-Tegel und Schönefeld am vergangenen Montag noch auf die Warnstreiks in Düsseldorf, Köln-Bonn und Stuttgart am vergangenen Donnerstag mit einem verhandlungsfähigen Angebot reagiert" habe, sagte ver.di-Verhandlungsführer Benjamin Roscher.

"Völlig ausufernde Streikmaßnahmen"

Die Arbeitgeberseite widersprach: Ihr aktuelles Angebot liege bei bis zu 6,4 Prozent mehr Lohn pro Jahr. Bereits im Dezember habe der Verband zudem sehr deutlich kommuniziert, dass man zu einer weiteren Erhöhung und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei, erklärte der BDLS.

"Die Gewerkschaft fordert weiterhin stur 20 Euro pro Stunde für alle Beschäftigten und schädigt mit den völlig ausufernden Streikmaßnahmen Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften massiv", kritisierte BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. "Die Gewerkschaft überspannt den Bogen mit diesen Maßnahmen zunehmend."

Am 23. Januar wollen sich ver.di und Arbeitgeber zu ihrer fünften Verhandlungsrunde an einen Tisch setzen. Der nächste Verhandlungstermin von DBB und BDLS ist für den 24. Januar 2019 vereinbart.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Januar 2019 um 19:00 Uhr.

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