Passagiere stehen vor einem Lufthansa-Schalter am Flughafen München. | AFP

Warnstreik beendet Lufthansa fliegt wieder im Normalbetrieb

Stand: 28.07.2022 10:16 Uhr

Fast alle Flüge können stattfinden: Nach dem Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals ist die Airline zum Normalbetrieb zurückgekehrt. Weitere Arbeitskampfmaßnahmen hat ver.di zunächst ausgeschlossen.

Nach dem Warnstreik des Bodenpersonals mit über 1000 Flugabsagen ist die Lufthansa wieder in den Normalbetrieb zurückgekehrt. Es fänden nahezu alle Flüge statt, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Zuvor hatte ver.di-Vertreter Marvin Reschinsky der Nachrichtenagentur AFP gesagt, der Streik des Lufthansa-Bodenpersonals sei "seit sechs Uhr beendet". "Die Beschäftigten haben ihre Arbeit wieder aufgenommen und der Flugbetrieb kann regulär stattfinden", so Reschinsky.

Verkehrsreiche Tage erwartet

Am Drehkreuz Frankfurt gab es am Morgen noch einige wenige Flugstreichungen. Längere Passagierschlangen bildeten sich an den Personenkontrollen und nicht mehr an den Lufthansa-Check-In-Schaltern.

An den Flughäfen sind verkehrsreiche Tage zu erwarten, da Baden-Württemberg in die Sommerferien gestartet ist und Bayern am Wochenende folgt.

Mehr als 130.000 Passagiere von Streik betroffen

Das Lufthansa-Bodenpersonal hatte den Betrieb der Fluggesellschaft mitten in der Sommerreisezeit mit einem Streik in großen Teilen zum Erliegen gebracht. Die Fluggesellschaft strich fast alle Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München, auch die Zubringerflüge der Lufthansa vom Hauptstadtflughafen BER nach Frankfurt und München entfielen. Die Lufthansa sprach von etwa 1000 abgesagten Flügen, betroffen waren den Angaben zufolge mehr als 130.000 Passagiere.

Die Gewerkschaft ver.di hatte etwa 20.000 Beschäftigte des Bodenpersonals zu einem Warnstreik aufgerufen, um in den Gehaltsverhandlungen Druck aufzubauen. Die Lufthansa hatte den nach zwei Verhandlungsrunden ausgerufenen Ausstand als unverhältnismäßig kritisiert.

Festgefahrene Tarifverhandlungen

Die Tarifverhandlungen zwischen der Lufthansa und ver.di für die etwa 20.000 Beschäftigten am Boden waren in der zweiten Runde Mitte Juli ohne Ergebnis geblieben. Die Gewerkschaft fordert 9,5 Prozent mehr Lohn und einen Mindeststundenlohn von 13 Euro bei zwölf Monaten Laufzeit.

Die Lufthansa legte ein Angebot aus Festbeträgen und einer von der Geschäftsentwicklung abhängigen Komponente bei einer Laufzeit von 18 Monaten vor. Die Verhandlungen sollen am 3. und 4. August in Frankfurt am Main fortgesetzt werden.

Weitere Arbeitskampfmaßnahmen vor der nächsten Verhandlungsrunde hat ver.di ausgeschlossen.

Union fordert: Wissing soll vermitteln

Bundesverkehrsminister Volker Wissing forderte Gewerkschaft und Unternehmen auf, den Tarifkampf schnell zu lösen. "Eine verantwortungsvolle und schnelle Verhandlung ist angebracht, nachdem der Flugverkehr bereits genug Probleme bewältigen muss", sagte der FDP-Politiker der "Bild". Der Konflikt müsse im Rahmen der Tarifautonomie gelöst werden. "Beide Tarifparteien sollten aber an die Reisenden denken und ihren Streit nicht auf deren Rücken austragen."

Die Union machte sich dafür stark, dass sich Wissing in den Tarifkonflikt einschaltet. "Herr Minister, holen Sie die Tarifparteien an den Verhandlungstisch. Nehmen Sie Ihre Verantwortung für den deutschen Luftverkehr wahr und sorgen Sie dafür, dass die Menschen in ihren wohlverdienten Urlaub fliegen können, endlich nach zwei Jahren Reisebeschränkungen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange, der "Bild"-Zeitung.

Lufthansa-Piloten stimmen über Streik ab

Derweil stellte nun die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die Weichen für einen Arbeitskampf. Am Sonntag ende die Urabstimmung, sagte VC-Tarifvorstand Marcel Gröls dem "Spiegel". Wenn sich die Mehrheit der Piloten dafür ausspricht, bedeutet es nicht, dass gleich gestreikt werde. "Aber es ist ein Warnsignal. Und: Wir bluffen nicht."

Wenn das Management der Fluggesellschaft in den laufenden Tarifverhandlungen kein gutes Angebot mache, habe das Cockpit-Personal der Airline keine andere Wahl als zu streiken. "Wir sind redebereit. Aber unsere Geduld ist begrenzt."

Pilotengewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Gehalt

Die VC fordert demnach 5,5 Prozent mehr Gehalt für das Jahr 2022 und danach einen automatischen Inflationsausgleich. Zudem drängen die Pilotinnen und Piloten auf eine einheitliche Tarifstruktur. Statt die Komplexität durch weniger Flugbetriebe zu reduzieren, wie es Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor der Corona-Krise anstrebte, seien zwei neue gegründet worden. "Wir behaupten: einzig, um Tarifverträge zu umgehen."

Die Konzernspitze trenne damit die Mannschaft künstlich, statt eine schlagkräftige, einheitliche Organisation zu schaffen. "Eher muss doch das Ziel sein, die besten Vergütungen zum Maßstab zu erheben und andere Beschäftigtengruppen heranzuführen", so Gröls.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juli 2022 um 12:00 Uhr.