Magic Kingdom

US-Konzern auf Erfolgskurs Die Magie von Walt Disney

Stand: 08.05.2019 06:45 Uhr

Mehr als 90 Jahre nach der Erfindung der Mickey Mouse ist der US-Unterhaltungskonzern erfolgreicher denn je. Doch worin genau liegt der Disney-Zauber, der Kinder wie Erwachsene heute noch in seinen Bann zieht?

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Walt Disney
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Ein erfolgreiches Jahr für Walt Disney

An der Börse wird die Zukunft gehandelt, so heißt es. Wenn dem so ist, dann stehen Walt Disney wahrlich prächtige Zeiten bevor. Die Walt-Disney-Aktie notiert auf Rekordhoch, konnte binnen zwölf Monaten mehr als 30 Prozent zulegen. In der 30-Jahres-Perspektive beträgt das Kursplus sogar mehr als 1.500 Prozent.

Keine Frage: Aus Investorensicht gleicht Walt Disney einem "magischen" Investment. Doch diese Magie hat mit dem Burggraben, der Cinderellas Märchenschloss umgibt, nichts zu tun. Sie hat dafür sehr viel zu tun mit dem "ökonomischen Burggraben" des Konzerns Walt Disney.

alt Warren Buffett

Der ökonomische Burggraben

Der ökonomische Burggraben bezieht sich auf die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten zu verteidigen, um sich so langfristige Gewinne und Marktanteile zu sichern. Durch diese letzte Verteidigungslinie ist das Überleben des Unternehmens gesichert – wie die Einwohner einer Burg durch den Burggraben geschützt werden. Oder um es mit Warren Buffett zu sagen: "Wenn Sie Piranhas und Krokodile in einem tiefen Burggraben sehen, haben Sie ein nachhaltiges Unternehmen gefunden, das Investoren belohnt."

Markenloyalität – vom Enkelkind bis zur Oma

Tatsächlich hat Walt Disney über Jahrzehnte hinweg eine geradezu magische Verbindung zu seinen Kunden gehalten: Quasi jedes Kind, das heute in den USA, Europa oder auch Asien geboren wird, ist ein potenzieller Kunde der Walt Disney Corporation. Es wird Disney-Filme und -Serien schauen. Es wird von Disney lizenziertes Spielzeug haben. Vielleicht besucht es sogar einen der Disney-Themenparks.

Allein in den USA wuchsen 77 Millionen Baby-Boomer mit der Marke Disney auf – heute warten sie nur darauf, ihre Enkelkinder (mit Disney-Produkten) zu verwöhnen. Es gibt wohl kaum eine Marke, die über eine solche Generationen übergreifende Markenloyalität verfügt. Denn nicht nur Baby-Boomer und Kinder sind Kunden von Walt Disney.

"Avengers: Endgame" – erfolgreicher als "Titanic"

Avengers-Film Endgame
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Rekordverdächtig: Avengers: Endgame

Sogar die junge, hippe Zielgruppe zwischen Pubertät und den 30ern schafft der Konzern zu ködern. Mit Filmen aus dem Marvel-Universum beispielsweise. So hat Disney mit "Avengers: Endgame" einen wahren Rekord-Blockbuster geschaffen: Nach nur elf Tagen hat der Film aus dem Maus-Haus weltweit bereits 2,189 Milliarden Dollar eingespielt und damit "Titanic" als zweiterfolgreichsten Film aller Zeiten abgelöst.

Mit knapp 2,8 Milliarden Dollar thront James Camerons "Avatar – Aufbruch nach Pandora" an der Spitze der ewigen Kino-Charts. Noch, muss man sagen.

alt Captain America

Captain America trifft Donald Duck

Im August 2009 kaufte Walt Disney das traditionsreiche Comic-Haus Marvel. Für lächerliche vier Milliarden Dollar gingen die Rechte an Kult-Figuren wie Spiderman, Iron Man, Captain America, Thor und den Fantastic Four an den US-Unterhaltungskonzern.

Mickey Mouse - alt, aber bezahlt

Nicht nur mit Kinofilmen, auch mit Lizenzprodukten verdient sich Walt Disney bei der jüngeren Kundschaft eine goldene Nase. Denn Mickey-Mouse-Produkte gelten als hip – auch bei (jungen) Erwachsenen. So kooperierten die Apple-Kult-Marke Beats und die Disney Company im Jahr 2018 anlässlich des 90. Geburtstags von Mickey Mouse für ein lukratives Kopfhörer-Projekt: Das Disney-Branding der Beats Solo3 Wireless kostet über 300 Euro.

Mickey Mouse-Tasche von Gucci
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Mickey Mouse-Tasche von Gucci

Mickey Mouse-Kopfhörer von Beatsbydre
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Mickey Mouse-Kopfhörer von Beatsbydre

Mehr als das Zehnfache muss man hinblättern, wenn man eine Gucci-Handtasche im Maus-Design ergattern will. Ein Bambi-Shirt von Givenchy gibt es für 450 Euro. Das sind nur drei aktuelle Beispiele, die zeigen: Walt Disney verdient selbst heute noch Milliarden Dollar mit einer Maus, die vor über 90 Jahren gezeichnet wurde.

Von Mäusen und Krokodilen

Doch Disney ist so viel mehr als Micky Maus. Durch geschickte Übernahmen hat Disney-Chef Bob Iger die Content-Macht Disney nämlich immer weiter geformt und gestärkt. Durch die Übernahme der Kult-Comic-Schmiede Marvel 2009 verleibte sich Disney gleich ein ganzes Superhelden-Universum ein. Zehn Jahre später kamen mit der Fox-Übernahme noch die Simpsons, X-Men und Deadpool hinzu.

Es ist eine Content-Macht, die ihresgleichen sucht. Umso erstaunlicher, dass sich Disney erst im November 2019 – zwölf Jahre nach Netflix – auf den Video-Streaming-Markt wagen will.

alt Disney +

Disney+

Der neue Streamingdienst von Walt Disney startet im November 2019 zu einem echten "Kampfpreis" in den USA: Mit 6,99 Dollar pro Monat ist Disney+ rund 30 Prozent günstiger als das Vergleichsangebot von Netflix. Der Marktstart in Europa ist für das Frühjahr 2020 geplant.

Branchenkenner rechnen Disney im Kampf gegen Amazon Prime und den Platzhirsch Netflix trotzdem gute Chancen aus. Denn über einen solch tiefen und breiten Burggraben wie die Festung Walt Disney verfügt keiner der Wettbewerber. Nur hausen in diesem Burggraben nicht die Buffett'schen Krokodile und Piranhas, sondern Mäuse und Superhelden.

alt Donald Duck

Viele Mäuse für Disney

Disney hat derzeit einen Lauf: Der Kino-Blockbuster „Avengers" knackt Rekorde, die Menschen strömen in die Freizeitparks. Vor allem aber profitiert der Unterhaltungskonzern von der Übernahme großer Teile des Rivalen 21st Century Fox.

Quelle: boerse.ard.de
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