Waffle-House-Filiale | Bildquelle: AFP

Corona-Krise in den USA Waffle-House-Ampel auf dunkelrot

Stand: 02.04.2020 09:25 Uhr

Die Corona-Pandemie hat die US-Wirtschaft weitgehend lahmgelegt, viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Wie ernst die Krise ist, zeigt ein Blick auf die Restaurantkette Waffle House.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Vor allem in den Südstaaten der USA ist die Restaurantkette Waffle House eine Institution: Rund um die Uhr und im Minutentakt serviert gibt es hier Rösti, Eier gerührt und gebraten, Steak-Sandwiches und natürlich Waffeln, Waffeln, Waffeln - den Wochenbedarf an Kalorien kann man hier ganz einfach mit einem Besuch abdecken.

Auch für die US-Katastrophenbehörde FEMA sind die Restaurants im Katastrophenfall ein wichtiger Indikator: üblicherweise sind die Waffle-House-Filialen etwa bei einem Hurricane die Letzten, die schließen. Und die Ersten, die wieder öffnen.

Eine Art Ampel für die Schwere einer Katastrophe

FEMA hat daraus den "Waffle House Index" abgeleitet, eine Art Ampel für die Schwere einer Katastrophe. Steht sie auf grün, hat das örtliche Waffle House kaum Schaden genommen und kann seine komplette Speisekarte anbieten. Bei gelb sind Stromversorgung und Speisekarte eingeschränkt. Und bei rot ist es dann wirklich ernst und die Filiale geschlossen.

So gesehen steht die Ampel in der aktuellen Corona-Krise bereits auf dunkelrot. Denn obwohl die USA noch gar nicht die Spitze der Pandemie erreicht haben, sind schon jetzt ein Viertel der rund 2000 Filialen landesweit geschlossen: die erste schon Mitte März, weil ein Mitarbeiter sich infiziert hatte. Danach Hunderte mehr, weil keine Gäste mehr kommen.

Walt Ehmer ist der Chef des Familienunternehmens, das vor über 65 Jahren in der Nähe von Atlanta, Georgia, gegründet wurde. Im lokalen Fernsehsender erklärt Ehmer, dass er sein Personal gerne halten würde, aber es ohne Kunden kaum kann.

In fast allen Bundesstaaten sind reguläre Restaurantbesuche mittlerweile verboten, auch im Waffle House gibt es Essen wenn überhaupt nur noch zum Mitnehmen oder im Lieferservice. Die Umsätze sind entsprechend dramatisch eingebrochen - um mehr als 70 Prozent.

Gerüstet für Naturkatastrophen - nicht für das Virus

Auf Naturkatastrophen wie Stürme oder Überflutungen ist die Kette stets vorbereitet - mit ausgefeilten Notfallplänen, Notstromaggregaten, Gaskochern und temporären Lagerhäusern. Und weil sie eben meist die einzigen sind, die noch oder schon wieder auf haben, machen die Waffle-House-Filialen in solchen Fällen sogar ein gutes Geschäft.

In der Corona-Krise aber ist alles anders: Die Regierung in Washington hat zwar ein Milliarden-Hilfspaket - auch mit Überbrückungskrediten für Unternehmen - beschlossen. Aber die Restaurant-Branche, der Privatsektor mit den meisten Beschäftigten, brauche mehr, forderte kürzlich beispielsweise Starkoch Wolfgang Puck bei Fox News.

"Wir beschäftigen 15,6 Mio Menschen. Wir steuern über eine Billion Dollar zur Wirtschaftsleistung bei. Jetzt brauchen wir Subventionen durch die Regierung. Und die Versicherungen müssen unsere Einnahmeausfälle übernehmen", so Puck.

Trump kündigt weitere Hilfen an

Bei US-Präsident Donald Trump stieß Puck mit dieser Forderung auf offene Ohren: Nach einem Telefonat mit dem Starkoch kündigte Trump unter anderem weitere Steuererleichterungen für die Gastronomie-Branche an. Ob all diese Hilfen auch einer Restaurantkette wie dem Waffle House das Überleben sichern wird, muss sich zeigen. 

"Wenn Leute über die Wirtschaft reden", sagt Waffle-House-Chef Ehmer, "dann denken sie, es geht hier nur ums Geld. Aber hier geht es um das Leben von vielen Menschen." Für die Arbeiterklasse der USA sei diese Krise eine Katastrophe, unter deren Folgen sie noch Jahre leiden würden.

Katastrophen-resistente Restaurant-Kette Waffle House kapituliert vor Corona
Julia Kastein, ARD Washington
02.04.2020 08:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 02. April 2020 um 03:20 Uhr.

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