Pistole | Bildquelle: dpa

Immer mehr Waffen Amerikaner rüsten weiter auf

Stand: 07.01.2021 13:05 Uhr

Die Furcht vor Unruhen sowie die Ankündigung des gewählten US-Präsidenten Joe Biden, die Gesetze zu verschärfen, treibt immer mehr Amerikaner in die Waffengeschäfte. Die Hersteller sind im Aufwind.

Nachdem bereits die Corona-Pandemie und mit ihr die Furcht vor Unruhen immer mehr Amerikaner zum Kauf von Waffen und Gewehren getrieben hat, sorgt nun der Ausgang der Präsidentschaftswahlen zu einem neuen Waffenboom in dem Land.

Denn viele Bürger fürchten nicht erst seit dem gestrigen Sturm auf das Kapitol einen Zusammenbruch von Recht und Ordnung, Überfälle oder Plünderungen. Auch in der Vergangenheit hatten Drohungen des scheidenden Präsidenten Trump, Proteste im Land mit Hilfe des Militärs niederzuschlagen, für Verunsicherung gesorgt. Viele US-Amerikaner wollen gewappnet sein - und rüsten auf.

Eine genaue Statistik über den neuerlichen Run auf Waffen gibt es zwar nicht, weil die Käufe von Gewehren in den USA nicht registriert werden dürfen. Doch glaubt man dem Chef des legendären Waffenherstellers Smith & Wesson, kommt die Branche der Nachfrage derzeit kaum hinterher.

Aktienkurse kräftig gestiegen

Wie groß die Furcht der Amerikaner vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen inzwischen offenbar ist, zeigt ein Blick auf die Aktien der Waffenhersteller. So ist allein der Kurs von Smith & Wesson seit Anfang Dezember um 50 Prozent gestiegen. Inzwischen ist die Aktie so teuer wie seit über fünf Jahren nicht mehr.

Ähnliche Sprünge vermelden auch die Waffenschmieden Vista Outdoor und Sturm Ruger. Deren Aktien sind allein im Zuge des gestrigen Sturms auf das Kapitol in Washington um bis zu 7,5 Prozent gestiegen.

Mehr Schusswaffen als Einwohner

Als wichtiger Absatzindikator gelten die Daten der Bundespolizei FBI. Danach sind im vergangenen Jahr die vor Waffenkäufen üblichen Überprüfungen, die sogenannten "NICS Background Checks", um 40 Prozent auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Im Vergleich zur Lage vor zehn Jahren hat sich dieser Wert nahezu verdreifacht. Dabei befinden sich in den USA Schätzungen zufolge bereits gut 350 Millionen Schusswaffen in Umlauf, also mehr als das Land Einwohner zählt.

Beflügelt wird die Nachfrage neben der Furcht vor sozialen Unruhen durch die Pläne des gewählten neuen Präsidenten Joe Biden und seiner Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Kamala Harris. Beide haben im Wahlkampf für strengere Waffengesetze geworben, wollen "Kriegswaffen von unseren Straßen verbannen".

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Der Aktienkurs des Waffenherstellers Smith & Wesson ist allein seit Dezember um 50 Prozent gestiegen.

Schärfere Waffengesetze kommen schlecht an

Dazu soll ein Gesetz aus dem Jahr 1994 neu aufgelegt und verschärft werden, um den Verkauf von Schnellfeuerwaffen zu verbieten. Und wer ein derartiges Gewehr schon besitzt, wird aufgefordert, es entweder an die Regierung abzugeben oder zumindest registrieren zu lassen.

Bei vielen waffenaffinen Amerikanern kommen solche Pläne schlecht an. Experten hatten deshalb schon im Sommer gewarnt, dass ein Wahlsieg Bidens die Nachfrage nach Schusswaffen ankurbeln werde. Besonders Schnellfeuergewehre, die militärischen Waffen ähneln, stehen Beobachtern zufolge hoch im Kurs.

Dabei blicken Experten auch auf die Ära des Demokraten Barack Obama, der ebenfalls für eine stärkere Regulierung von Waffen eintrat. Nach Obamas Wahl zum Präsidenten 2008 hatten die Amerikaner massiv neue Waffen gekauft. Die Aktien des Herstellers Sturm Ruger kletterten daraufhin bis 2016 um fast 900 Prozent. 

Wie wahrscheinlich sind Verschärfungen?

Doch wie wahrscheinlich ist, dass Joe Biden das Waffengesetz tatsächlich verschärfen wird? Strengere Regeln für den Zugang zu Waffen werden von vielen Amerikanern nicht als besonders dringliches innenpolitisches Problem angesehen. Bidens Anhänger erwarten von dem neuen Präsidenten vor allem, das Land zu befrieden, die Pandemie unter Kontrolle bringen und die Wirtschaft ankurbeln.

Bei den Republikanern stößt Bidens Plan ohnehin auf erbitterten Widerstand. Auch die US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) kritisiert das Vorhaben scharf. Biden wird also mit erheblicher Gegenwehr rechnen müssen, sollte er seine Pläne tatsächlich umsetzen wollen.

Allerdings: Anders als unter Obama verfügen die Demokraten im Repräsentantenhaus seit 2018 über eine Mehrheit. Auch im Senat, der zweiten Kammer des Parlaments, können die Demokraten nun erst einmal auf eine Mehrheit bauen. Biden böte sich also die Gelegenheit, ein verschärftes Waffengesetz durchzusetzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 22. Oktober 2020 um 18:40 Uhr.

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