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Nach Militäroffensive VW vertagt Beschluss zu Türkei-Werk

Stand: 15.10.2019 13:04 Uhr

Eigentlich wollte Volkswagen im Oktober endgültig über ein neues Werk in der Türkei entscheiden. Doch angesichts der Militäroffensive in Nordsyrien stoppte der Konzern die Pläne vorerst.

Volkswagen hat die Entscheidung über eine neue Autofabrik in der Türkei vor dem Hintergrund der türkischen Militäroffensive im angrenzenden Syrien verschoben. "Die endgültige Entscheidung für das neue Werk wurde vom Vorstand der Volkswagen AG vertagt", teilte ein Konzernsprecher mit. Das Unternehmen beobachte die aktuelle Lage sorgfältig und blicke mit Sorge auf die derzeitige Entwicklung. Der Beschluss für die neue Autofabrik war eigentlich für Anfang Oktober angesetzt.

Standortwahl schon lange umstritten

Insidern zufolge hatte der Konzernchef Herbert Diess direkt mit Präsident Recep Tayyip Erdogan über das neue Werk gesprochen. Für rund eine Milliarde Euro sollte die neue Autofabrik in Manisa nahe Izmir entstehen. Die geplante Jahreskapazität hätte bei 300.000 Fahrzeugen und rund 4000 Beschäftigten gelegen. Produktionsstart sei für 2022 vorgesehen gewesen.

Aufgrund des türkischen Präsidialsystems und der Verletzung von Grundrechten war Türkei als neuer Standort schon länger politisch umstritten. Auch auf Arbeitnehmerseite sahen die Gewerkschaft und der Betriebsrat die Wahrung der Arbeitnehmerrechte kritisch. VW erklärte, sich der politischen Lage bewusst zu sein. Der türkische Staatspräsident habe weitreichende Versprechungen gemacht und für Vereinbarungen eine Art Staatsgarantie ausgesprochen.

Für die Entscheidung des neuen VW-Werks in der Türkei sprachen niedrige Lohnkosten und der türkische Markt. Der Autobauer rechnete mit einem Verkauf von etwa 40.000 Passat-Limousinen allein in der Türkei pro Jahr. Neben dem Passat sollten im Werk auch Skoda- und Seat-Modelle gefertigt werden.

Türkische Offensive in Syrien

Vergangene Woche hatte die Türkei eine Militäroffensive im syrischen Grenzgebiet gegen die Kurdenmiliz YPG gestartet. Präsident Erdogan erntete für sein Vorgehen Kritik sowohl aus der EU als auch aus den USA.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Oktober 2019 um 06:36 Uhr und um 13:38 Uhr.

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