Ein Messschlauch eines Gerätes zur Abgasuntersuchung im Auspuff eines VW Golf TDI

VW-Diesel-Skandal Entschädigung läuft in den USA anders

Stand: 30.09.2019 11:03 Uhr

In den USA haben die Kunden nach dem Diesel-Skandal VW längst verziehen - denn sie wurden großzügig entschädigt. Wird das in Deutschland nun auch so kommen? Daran gibt es Zweifel.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

In der amerikanischen Öffentlichkeit ist vom Diesel-Skandal nichts mehr zu spüren. Volkswagen sorgt mit guten Verkaufszahlen längst wieder für positive Schlagzeilen. Ganz anders vor vier Jahren: Kurz nachdem der Abgas-Betrugsskandal in den USA aufgeflogen war, stand Volkswagen unter großem politischen Druck.

Der damalige USA-Chef von VW, Michael Horn, musste sich bei einer Anhörung im US-Kongress geradezu in den Staub werfen: "Im Namen unserer Firma, meiner Kollegen in Deutschland und von mir persönlich möchte ich mich in aller Form dafür entschuldigen, dass VW eine Software genutzt hat, die dazu da war, das reguläre Abgas-Testprogramm auszutricksen", sagte er.

Trügerische "Clean Diesel"-Werbung

Besonders problematisch für Volkswagen in den USA: Jahrelang hatte der Konzern in seinen Werbespots für "Clean Diesel" geworben. Gut verdienende und umweltbewusste US-Bürger glaubten dem Versprechen der scheinbar überlegenen Ingenieurskunst "Made in Germany".

Vor diesem Hintergrund hatte sich auch Joyce Ertel Hulbert für einen VW-Diesel entschieden: "Wir haben diesen VW-Kombi bewusst gekauft, weil er gut für die Umwelt schien, gering im Verbrauch ist und gut aussah. Und jetzt fühlen wir uns getäuscht", sagte er.

Großzügiges Angebot für US-Kunden

Volkswagen drohten Milliarden-Strafen und eine enorme Klageflut. Deshalb beschloss VW, den US-Kunden weit entgegen zu kommen. Den gut 500.000 betroffenen Diesel-Fahrern in den USA wurde schon Ende 2016 ein großzügiges Entschädigungsangebot gemacht. Volkswagen bot an, die Diesel-Autos zurückzukaufen - oder sie umzurüsten und zusätzlich eine Entschädigung zu zahlen.

Etwa 15 Prozent der US-Kunden entschieden sich für Umrüsten und Entschädigung. Doch die allermeisten gaben ihren Wagen zurück und bekamen dafür einen guten Preis: Für einen sechs Jahre alten Jetta gab es immerhin 14.000 Dollar, für einen ein Jahr alten Audi A3 um die 40.000 Dollar.

Vollgestellter Parkplatz mit Rückgaben

Insgesamt kaufte VW mehr als 300.000 Diesel-Fahrzeuge zurück. Diese wurden auf riesigen Parkflächen an mehreren Orten in den USA geparkt. Knapp die Hälfte wurde verschrottet oder ausgeschlachtet, weil sie zu alt waren. Die anderen werden umgerüstet und zu günstigen Konditionen wieder verkauft. Jeden Monat bis zu 10.000.

Wahrscheinlich im kommenden Frühjahr verschwinden die letzten Diesel-Fahrzeuge von den riesigen Parkflächen. Die größte Rückkauf-Aktion von Volkswagen in den USA wäre dann abgeschlossen.

Und die meisten US-Kunden haben VW längst verziehen. Auf die Frage, warum Volkswagen nicht auch die Kunden in Deutschland so großzügig wie in den USA entschädigt, lautet die Antwort der Konzernzentrale: andere Rechtslage in den USA und andere Größenordnungen in Europa. Hätte man die zehn Millionen Diesel-Fahrer in Europa so behandelt wie die US-Kunden, wäre Volkswagen vermutlich bankrott gewesen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. September 2019 um 05:20 Uhr.

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