Gerichtszeichnung: Urteilsverkündung Oliver Schmidt/VW | Bildquelle: Gerichtszeichnung/Carole Kabrin

Entscheidung vor US-Gericht Ex-VW-Manager Schmidt vor Auslieferung

Stand: 16.07.2020 23:09 Uhr

Der in den USA inhaftierte Ex-VW-Manager Schmidt kann nach Deutschland ausgeliefert werden. Nachdem Schmidt selbst zustimmte, erlaubte nun auch ein Richter, dass er seine restliche Strafe in der Heimat absitzen kann.

Ein US-Richter in Detroit hat der Auslieferung des inhaftierten Ex-Volkswagen-Managers Oliver Schmidt nach Deutschland zugestimmt. Zuvor gab Schmidt selbst seine Zustimmung, in sein Heimatland überstellt zu werden.

Schmidt war 2017 als angeblicher Mittäter bei VWs Abgasmanipulationen in den USA zu sieben Jahren Gefängnis und 400.000 Dollar Geldstrafe verurteilt worden. Der heute 51-Jährige sollte eigentlich erst im Dezember 2022 aus der US-Haft entlassen werden. Die restliche Strafe wegen Verschwörung zum Betrug im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal soll er nun in Deutschland absitzen.

Seine Anwälte hatten sich jahrelang für eine Auslieferung nach Deutschland eingesetzt. Dies gelang zuvor bereits dem Ex-VW-Ingenieur James Liang, der als erster Angeklagter im Abgas-Skandal in den USA verurteilt worden war. Er wurde Ende 2019 nur wenige Wochen nach seiner Rückkehr nach Deutschland vorzeitig aus der Haft entlassen.

Drahtzieher oder Bauernopfer?

Schmidt war laut US-Anklage von Februar 2012 bis März 2015 in leitender VW-Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut und soll angeblich die Justizbehörden bei ihren "Dieselgate"-Ermittlungen getäuscht haben. Das FBI hatte den Deutschen am 7. Januar 2017 vor dem Rückflug von einem Florida-Urlaub in die Heimat geschnappt.

Ob mit Schmidt ein Drahtzieher oder eher ein Bauernopfer in dem Skandal verurteilt wurde, der dem VW-Konzern schon über 30 Milliarden Euro an Rechtskosten verursacht hat, ist bis heute nicht ganz klar. Die USA haben in der "Dieselgate"-Affäre eine ganze Reihe früherer Mitarbeiter von Volkswagen angeklagt, darunter auch Ex-Konzernchef Martin Winterkorn. Doch trotz internationaler Haftbefehle müssen die meisten von ihnen keine unmittelbaren Konsequenzen fürchten, da ihnen keine Auslieferung in die USA droht.

Bislang konnte nur Liang und Schmidt der Prozess in den USA gemacht werden. Im Juni wurde jedoch ein weiterer VW-Manager in Kroatien festgenommen, der vor US-Gericht gestellt werden könnte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Juli 2020 um 00:00 Uhr.

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