Nach Corona-Lockdown Volkswagen fährt Produktion wieder hoch

Stand: 27.04.2020 19:10 Uhr

Herbert Diess (l), Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG, und Stephan Weil (SPD), tragen im VW-Werk in Wolfsburg Mund-Nasen-Schutzmasken. | Bildquelle: dpa
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Ministerpräsident Weil (r.) besuchte mit Konzernchef Diess das VW-Werk in Wolfsburg.

Nach rund fünf Wochen Stillstand ist an den niedersächsischen VW-Standorten am Montagmorgen die Produktion wieder angelaufen. In den Werken in Wolfsburg, Hannover und Emden gelten wegen der Corona-Pandemie strenge Sicherheitsvorschriften. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stattete dem Stammwerk in Wolfsburg am Vormittag einen Besuch ab.

Diess forderte staatliche Maßnahmen zum Autoverkauf

VW-Chef Herbert Diess nutzte die Gelegenheit, um für eine rasche Entscheidung über staatliche Kaufanreize für Autos zu werben. Beim Ministerpräsidenten stieß er damit auf offene Ohren. "Uns ist bewusst, dass wir eine schnelle Entscheidung brauchen. Eine zu lange Diskussion dürfte fehl am Platz sein", sagte Weil. Schließlich sei die Branche "von fundamentaler Bedeutung". Am Mittwoch will Weil mit seinen Amtskollegen aus den Autoländern Baden-Württemberg und Bayern über mögliche Maßnahmen beraten.

"Wiederaufnahme ist ein wichtiges Zeichen"

VW feierte unterdessen die erste Schicht am Konzernsitz als symbolträchtigen Akt. "Die schrittweise Wiederaufnahme der Produktion ist für die Belegschaft, den Handel, die Zulieferer und die Wirtschaft insgesamt ein wichtiges Zeichen", sagte der für das Tagesgeschäft zuständige Manager der Hauptmarke VW, Ralf Brandstätter. Die Produktion läuft zunächst mit einer statt drei Schichten an. Die Fertigungskapazität soll nach Unternehmensangaben zu Beginn bei 10 bis 15 Prozent und in der kommenden Woche bei rund 40 Prozent des Vorkrisen-Niveaus liegen. So könnten sich Belegschaft, Lieferanten und Dienstleister langsam auf die neue Situation einstellen, hieß es. Rund 8.000 Mitarbeiter sind zurückgekehrt - normalerweise arbeiten hier bis zu 70.000.

Mitarbeiter bekommen zwei Masken pro Tag

In Wolfsburg wurde ein Gesundheitskonzept mit insgesamt rund 100 neuen Regeln erarbeitet. Oberste Gebote: Abstand halten und Kontakte mit Kollegen vermeiden. Aus diesem Grund läuft das Band vorerst nur mit halber Geschwindigkeit. Außerdem sind zum Beispiel auf den Fußböden die Laufwege durch Pfeile so markiert, dass sie sich nie kreuzen. Alle "Schulter an Schulter"-Arbeiten wurden räumlich getrennt. Wo das nicht möglich ist, wurden Plexiglasscheiben eingebaut. Sobald der Sicherheitsabstand unterschritten wird, müssen Masken angelegt werden. Jeder Mitarbeiter erhält pro Tag zwei Stück von VW.

Fieber messen und keine gemeinsame Pause mehr

Eine weitere Maßnahme ist der Entfall der gemeinsamen 10-Uhr-Pause. Stattdessen gehen die Beschäftigten jetzt getrennt in die Pausen. Aus den Teamräumen wurden die Spinde vor die Tür gestellt, sodass sie trotz beschränkter Mitarbeiterzahl in den Räumen für alle erreichbar sind. Zudem sollen alle Beschäftigten vor dem Arbeitstag zu Hause Fieber zu messen. "Wir haben alles umgestellt, was wichtig ist, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter zu gewährleisten", betonte Diess. Für die Kollegen sei die Arbeit jetzt mindestens so sicher wie zu Hause oder in der Öffentlichkeit.

Karosseriebauer beginnen in Emden

In Emden arbeiten seit der Frühschicht einige Hundert Mitarbeiter ausschließlich im Karosseriebau. Am Dienstag kommen die Kollegen der Lackiererei und am Mittwoch die Mitarbeiter aus dem Bereich Montage dazu. Das erste fertige Auto soll am Donnerstag vom Band laufen. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen werden im Emder Werk in dieser Woche maximal 2.000 der knapp 9.000 Mitarbeiter arbeiten.

Mehr Pausen und langsamere Bänder

Arbeiter tragen im VW-Werk in Wolfsburg Mund-Nasen-Schutzmasken. | Bildquelle: dpa
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Wo der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, tragen die VW-Mitarbeiter Masken.

VW hat die Arbeitsplätze in grüne, gelbe und rote Bereiche unterteilt. In den roten Bereichen können die Beschäftigten nicht immer den Sicherheitsabstand zueinander einhalten. Sie müssen deshalb verpflichtend Masken tragen. Die Bänder liefen langsamer, außerdem gebe es mehr Pausen zum Händewaschen, betonte Betriebsrat Manfred Wulff.

Normalbetrieb frühestens in fünf Wochen

VW rechnet ab Donnerstag mit maximal 250 neuen Autos am Tag. In den kommenden Wochen sollen Produktion und Mitarbeiterzahl nach und nach gesteigert werden. Der Normalbetrieb sei frühestens in fünf Wochen möglich, sagte Wulff.

Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 27.04.2020 | 19:30 Uhr

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