Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller bei der Präsentation des Zukunftsprogramms in Wolfsburg

Zukunftsstrategie sieht Neuausrichtung vor Volkswagen unter Strom

Stand: 06.06.2018 14:35 Uhr

Abgasskandal war gestern. Volkswagen blickt in die Zukunft und plant den größten Veränderungsprozess der Konzerngeschichte. Die von VW-Chef Müller präsentierte Strategie 2025 setzt auf den Bereich Elektromobilität und Digitalisierung.

Mit einer grundlegenden Neuaufstellung will sich Europas größter Autobauer Volkswagen fit für die Zukunft machen und den Abgas-Skandal hinter sich lassen. Schwerpunkt des neuen, von Konzernchef Matthias Müller vorgestellten Konzepts ist die Elektromobilität. Ein Bereich, in dem Volkswagen bislang noch nicht erfolgreich ist.

Weitere Schwerpunkte sind das autonome Fahren und neue Mobilitätsdienstleistungen. Sie sollen neben dem klassischen Kerngeschäft die zweite Säule des Konzerns werden. Dabei hinken die Wolfsburger allerdings den heimischen Rivalen BMW und Daimler hinterher. Diese haben mit DriveNow und car2go zwei bereits international etablierte Carsharing-Dienste in Betrieb. Müller versprach, Volkswagen für das "neue Zeitalter der Mobilität" umzubauen. Erst vor kurzem war der Konzern mit 267 Millionen Euro bei der Taxi-App Gett eingestiegen.

In den Umbau will VW in den nächsten neun Jahren einen zweistelligen Milliardenbetrag investieren. Eine genaue Summe nannte der Vorstandschef nicht. Um das zu finanzieren, müsse VW aber effizienter werden und auch seine Beteiligungen überprüfen. Man werde das Geld "bewusster und fokussierter einsetzen", versprach Müller. Dabei gehe es vor allem um gezieltere und damit wirkungsvollere Ausgaben, nicht um Sparen nach der Rasenmähermethode.

"Epochaler Wandel" in der Autoindustrie

Aus Sicht Müllers könnte schon in etwa zehn Jahren auf dem Weltmarkt jeder vierte Neuwagen rein batteriebetrieben sein und so ohne herkömmliche Verbrennungsmotoren auskommen. Das sei ein "epochaler Wandel". VW selbst plant bis 2025 mehr als 30 neue Elektromodelle, von denen die Wolfsburger pro Jahr zwei bis drei Millionen Stück verkaufen wollen.

VW will deshalb auch die Batterietechnologie als "neues Kompetenzfeld" erschließen. Mit Hochdruck werde auch eine eigene Fabrik für Batteriezellen geprüft, so Müller. Bisher sind deutsche Autobauer bei Batteriezellen abhängig von Zulieferern vor allem aus Asien. Batteriezellen sind wesentliche Bestandteile von E-Autos.

Ein selbstfahrendes Auto von Google in Mountain View, Kalifornien.
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Ein selbstfahrendes Auto von Google in Mountain View, Kalifornien.

Ebenso will VW selbst Systeme für selbstfahrende Autos entwickeln. Er habe nicht die geringsten Zweifel, dass diese innerhalb weniger Jahre Realität sein werden, ergänzte Müller. Derzeit stecken auch Firmen, die nicht aus der Autobranche kommen, viel Aufwand und Geld in die Entwicklung selbstfahrender Autos. Daimler wiederum hatte im Oktober einen autonom fahrenden Lastwagen auf einer öffentlichen Straße in Baden-Württemberg getestet.

Neuausrichtung der VW-Komponentenwerke

Auch für seine Komponentenwerke kündigte VW eine Neuausrichtung an. So sollen die hausinternen Zulieferer in einem eigenständigen Unternehmen gebündelt werden. Dazu prüft der Konzern für die Zukunft, ob diese neue Einheit auch mit der Konkurrenz Geschäfte machen darf. Ein Großteil der Komponentenwerke im Konzern fällt derzeit unter den VW-Haustarif. Ob das so bleibt oder ob etwa Neueinstellungen in dem künftig gebündelten Unternehmen anders behandelt werden, ist unklar.

Mit Blick auf den Abgas-Skandal sagte Müller, die Bereitschaft für Veränderungen im Konzern sei deutlich gewachsen. VW hatte mit einer Software Abgastests bei Millionen von Dieselfahrzeugen manipuliert. Dies hat den Konzern in eine schwere Krise gestürzt. Der Skandal habe auch Schwachstellen aufgedeckt, sagte Müller: "Die Stichworte lauten hier vor allem: Struktur, Kultur und Effizienz." Diese Schwächen seien seit dem vergangenen Herbst deutlicher als zuvor zutage getreten. "Aber wir blenden sie keineswegs aus, sondern wir wollen sie ausmerzen."

An der Börse sorgten die Ankündigungen aus Wolfsburg für wenig Begeisterung: Die VW-Aktien weiteten ihre Verluste aus. Analysten begründen dies damit, dass VW bei dem Renditeziel hinter der Konkurrenz zurückbleibt: Während Daimler sich im Pkw-Geschäft ein Renditeziel von zehn Prozent gesetzt hat und BMW acht bis zehn Prozent anstrebt, will VW die operative Rendite bis 2025 auf sieben bis acht Prozent steigern. Im vergangenen Geschäftsjahr lag sie bei 6,0 Prozent.

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