Das Logo von VW auf einem schwarzen Lenkrad | Bildquelle: AFP

Dieselskandal Unfaire Behandlung für VW-Kronzeugen?

Stand: 17.08.2018 18:29 Uhr

Im Diesel-Betrugsskandal zeigt der VW-Konzern Härte gegen einzelne Beschuldigte. Betroffen sind vornehmlich Kronzeugen aus dem mittleren Management. Diese sehen sich unfair behandelt.

Von Christine Adelhardt und Stephan Wels, NDR

Der VW-Konzern geht nun arbeitsrechtlich mit aller Härte gegen Beschuldigte im Diesel-Betrugs-Skandal vor. Es handelt sich um eine Handvoll Mitarbeiter aus dem mittleren und oberen Management. Sie alle sind Beschuldigte im Diesel-Betrugsverfahren der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Unter ihnen sind Manager, die bereits gegenüber den US-Behörden ausgesagt und maßgeblich zur Aufklärung der Affäre als Kronzeugen beigetragen haben.

Diesen Mitarbeitern droht der VW-Konzern nun mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen bis hin zur fristlosen Kündigung. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) erhebt VW gegen einzelne den Vorwurf, trotz Kenntnis der Betrugssoftware keine angemessenen Maßnahmen ergriffen zu haben, um den Betrug zu unterbinden. Sie hätten den Vorgang nicht ausreichend eskaliert. Dabei beteuern die Manager, ihre Vorgesetzten informiert zu haben.

Die Beschuldigten hatten eine Woche Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Für dem 16. August bestellte VW die Betroffenen dann zu Anhörungen, um sich zu äußern.

Manager als Sündenböcke?

Aus Kreisen der Beschuldigten heißt es, man rechne nicht mit einer fairen Behandlung und einer ernsthaften Prüfung der Sachverhalte seitens des Konzerns. Vielmehr habe man den Eindruck, dass die Kündigungen bereits vor den Anhörungen beschlossene Sache gewesen sei und das Verfahren nur eine formale Scharade. VW hatte den Betrugsskandal immer als Werk einiger weniger Techniker bezeichnet.

Die "Bild am Sonntag" berichtet, die Beschuldigten erhielten in diesen Tagen ihre fristlose Kündigung. Aus VW-Kreisen hieß es gegenüber NDR, WDR und SZ lediglich, der Konzern prüfe arbeitsrechtliche Maßnahmen. Weitere Einzelheiten könne man nicht mitteilen. Laut Informationen von NDR, WDR und SZ ist schon in mindestens einem Fall eine fristlose Kündigung ausgesprochen worden.

Kündigungsdrohung nach Aussagen bei Staatsanwaltschaft

Ausgelöst wurden die arbeitsrechtlichen Anhörungen und Kündigungsdrohungen durch Akten, die dem VW-Konzern im Juli von der Staatsanwaltschaft Braunschweig zur Verfügung gestellt worden waren. Darin enthalten sind alle Beweismittel und die Aussagen der Beschuldigten im Diesel-Betrugsverfahren.

VW behauptet in den Schreiben an die Beschuldigten, aus den Akten hätten sich neue Erkenntnisse über den Betrugsskandal ergeben und wirft einzelnen Mitarbeitern deren Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig vor. Diese Aussagen hatten die Mitarbeiter aber teilweise gleichlautend bereits vor fast drei Jahren gegenüber VW in internen Befragungen gemacht.

Vorgesetzte teilweise verschont

Ein VW Passat TDI Clean Diesel wird bei der NAIAS-Messe in Detroit gesäubert. | Bildquelle: dpa
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In den USA waren die Manipulationen zuerst aufgedeckt worden.

Offen bleibt nun, warum VW nicht damals schon arbeitsrechtliche Maßnahmen ergriff. Auch sind von den Kündigungsdrohungen nicht alle geständigen Beschuldigten gleichermaßen betroffen. In manchen Abteilungen traf es nur das mittlere Management, während die Vorgesetzten verschont blieben.

Die drastischen Maßnahmen gehen aktuell wohl auf den Einfluss von Larry Thompson zurück. VW hatte sich mit der amerikanischen Justiz in einem Vergleich auf Milliarden-Strafzahlungen geeinigt, aber auch der Ernennung eines sogenannten Monitors zugestimmt, der VW bei der Aufarbeitung des Skandals auf die Finger schauen soll. Der ehemalige amerikanische Staatssekretär Larry Thompson erhielt den Posten. Er soll eher eine harte Linie in der Frage vertreten, ob Mitarbeiter weiter bei VW arbeiten dürfen, die an dem Betrug beteiligt waren.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 17. August 2018 um 19:12 Uhr.

Korrespondentin

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Christine Adelhardt, NDR

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