An einem ID.3 wird der Unterboden montiert im VW-Werk in Dresden | dpa

Ostdeutsche Werke VW führt 35-Stunden-Woche ein

Stand: 12.05.2021 16:02 Uhr

Mehr als 30 Jahre nach der deutschen Einheit gleicht VW die Tarifbedingungen seiner ostdeutschen Beschäftigten an die im Westen an. Statt 38 Stunden sollen die Arbeitnehmer künftig nur noch 35 Stunden in der Woche arbeiten.

Das Ost-West-Gefälle bei den Arbeitsbedingungen soll bei Volkswagen bald der Vergangenheit angehören: Das Unternehmen teilte mit, es wolle bis 2027 die wöchentliche Arbeitszeit der rund 10.000 Mitarbeiter in Ostdeutschland von 38 Stunden schrittweise an die im VW-Haustarif geltende 35-Stunden-Woche anpassen. Bisher gilt für sie der Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie.

Kürzere Arbeitszeit muss erarbeitet werden

VW will die Bedingungen über drei Stufen angleichen. Die erste Stufe beginnt im nächsten Jahr mit einer Verringerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde. Danach folgen alle zwei Jahre weitere Schritte, bis 2027 in Ost und West die gleiche tarifliche Arbeitszeit gilt.

Die kürzere Wochenarbeitszeit müssen sich die ostdeutschen VW-Mitarbeiter erarbeiten. Dazu soll die Produktivität in den sächsischen Standorten schrittweise um bis zu 30 Prozent erhöht werden. Außerdem werden Teile der Verwaltung zusammengelegt.

Alterversorgung, Urlaub und Tarifabschluss

Daneben sollen die Beschäftigten sukzessive auch bei der betrieblichen Altersversorgung und den Urlaubs- und Jubiläumsregelungen gleichgestellt werden. Die Löhne und Gehälter sollen sich durch die Senkung der Wochenarbeitszeit nicht verändern. Der jüngst vereinbarte Tarifabschluss wurde für die VW Sachsen GmbH übernommen. Damit steigen die Monatsentgelte auch dort zum 1. Januar um 2,3 Prozent. Der VW-Haustarif gilt künftig für insgesamt rund 140.000 Beschäftigte.

"Überfälliger Schritt"

Der sächsische Betriebsratschef Jens Rothe, der 2022 auch als erster Vertreter der ostdeutschen Volkswagen-Standorte in den Aufsichtsrat des Konzerns einziehen soll, erklärte, es sei richtig, dass endlich eine Anpassung der Arbeitsbedingungen bei VW komme: "Mehr als 30 Jahre nach der Wende ist dieser Schritt überfällig."

Sachsen GmbH kommt in VW AG

Außerdem wird die bisher eigenständige VW Sachsen GmbH mit den Werken in Chemnitz, Dresden und Zwickau in die Volkswagen AG überführt. VW begründet den Schritt damit, dass das Fahrzeugwerk in Zwickau, wo die Elektroautos der ID-Familie vom Band laufen, in das Produktionsnetzwerk der Marke VW Pkw eingepasst werden soll. Das Motorenwerk in Chemnitz werde an die Komponentensparte angebunden. Von beidem verspricht sich der Autobauer Kostenvorteile.

Für VW spielen die sächsischen Standorte inzwischen eine zentrale Rolle. Zwickau bildete mit dem Produktionsstart der Elektromodelle ID.3 und ID.4 eine Art Vorhut beim Konzernumbau. Die Fabrik wurde als erste auf großvolumige E-Fertigung umgestellt, in den nächsten Jahren folgen Emden und Hannover sowie Werke in China und in den USA.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 12. Mai 2021 um 19:09 Uhr.