VW-Logo | Bildquelle: REUTERS

Neue Strategie vorgestellt VW denkt wieder groß

Stand: 22.11.2016 12:04 Uhr

Modellpalette und Produktion vereinfachen, in Zukunftsbereiche investieren - so sieht die neue VW-Strategie aus. Bis 2025 will Volkswagen die Nummer eins bei Elektroautos sein. Für 2030 lautet das Ziel: Weltmarktführer in der Automobilität.

Volkswagen hat angesichts der massiven Folgen des Skandals um manipulierte Abgaswerte einen Strategiewechsel angekündigt. Dazu gehören Einsparungen, ein Konzernumbau und der Ausbau der Elektromobilität. "Spätestens 2025 wollen wir Weltmarktführer bei der E-Mobilität sein", sagte VW-Markenchef Herbert Diess bei der Vorstellung der neue Strategie "Transform 2025+". Dann wolle VW als erster Hersteller weltweit eine Million Elektroautos pro Jahr verkaufen - im Jahr 2015 setzte VW in Deutschland lediglich rund 1600 Pkw mit reinem Elektroantrieb ab.

Beim Ausbau der Elektromobilität plant Volkswagen bis 2020 neun Elektro- und Hybridfahrzeug-Varianten. "Die Reichweiten werden sich bis 2020 deutlich verbessern", sagte Diess. Auch die Ladeinfrastruktur für diese Fahrzeuge werde sich bis dahin stark verbessert haben.

Weniger Vielfalt soll Kosten senken

"Mit Transform 2025+ haben wir den größten Veränderungsprozess in der Geschichte unserer Marke angestoßen", erklärte Diess. Volkswagen müsse sich aus einer schwierigen Situation heraus für den schnellen und harten Umbruch in der Branche wappnen und verlorenes Vertrauen wiedergewinnen. VW müsse schnell wettbewerbsfähiger werden, sonst werde sich die finanzielle Lage in den kommenden Jahren verschärfen, sagte Diess.

Zu den geplanten Veränderungen zählt eine Vereinfachung der Produktion. Durch weniger Fertigungsplattformen und weniger Varianten bei einzelnen Modellen und Motoren sollen erhebliche Kosten eingespart werden.

SUV-Offensive soll US-Comeback ermöglichen

In den wichtigsten Weltregionen will Volkswagen nach Absatzzahlen die Nummer eins sein. Um nach dem Manipulationsskandal bei Abgaswerten von Diesel-Fahrzeugen in den USA wieder attraktiv für Kunden zu werden, plant das Unternehmen eine Nordamerika-Offensive. Das Comeback sollen Limousinen und große SUV-Geländewagen einleiten. Ab 2021 soll dann unter dem Motto "Electrify America" die lokale Produktion von Elektroautos beginnen. Bei strikter Kostendisziplin sollen die US-Werke, aber auch die in Lateinamerika ab 2020 wieder schwarze Zahlen schreiben.

VW-Markenchef Diess spricht bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: AFP
galerie

"Größer Veränderungsprozess der VW-Geschichte" - VW-Markenchef Diess.

Bei den strategischen Zielen deutet VW zugleich eine abermalige Wende an. Bis 2030 wolle der Konzern "Weltmarktführer in der Automobilität" werden, so Diess. Nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre unter dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn hatte das Unternehmen unter dem Druck der Abgasmanipulation angekündigt, sich vom Ziel der Größe verabschieden zu wollen. Erst am Freitag hatte VW vor diesem Hintergrund die Streichung von weltweit bis zu 30.000 Stellen angekündigt, allein 23.000 davon in Deutschland. 17.500 dieser Stellen könnten in Niedersachsen wegfallen, wie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil bei einer Regierungserklärung im Landtag sagte.

Raum für Zukunftsinvestitionen schaffen

Die Kosten sollen auch dank dieses Schrittes bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro jährlich gesenkt werden. Dadurch will Volkswagen Mittel freischaufeln, um massiv in die Elektromobilität, Vernetzung und autonomes Fahren zu investieren. Dafür sind in den kommenden Jahren Investitionen von rund 3,5 Milliarden Euro geplant. Damit verbunden ist der Aufbau von 9000 Stellen in Zukunftsbereichen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. November 2016 um 15:00 Uhr.

Darstellung: