Matthias Müller

VW-Chef äußert sich zur Abgas-Affäre Müller will Krise für Konzernumbau nutzen

Stand: 10.12.2015 12:47 Uhr

Externe Tests, neue Konzernstrukturen und "mehr Silicon Valley" - so will VW auf den Abgas-Skandal reagieren. Konzern-Chef Müller warb dafür, die "Krise als Chance" zu sehen. Doch einige praktische Probleme wie der US-Rückruf bleiben ungelöst.

Volkswagen zieht Konsequenzen aus der Abgas-Affäre: In Zukunft will der Konzern seine Emissionstests von externen Unternehmen überprüfen lassen. Außerdem soll es zukünftig "Real-Life-Abgastests" geben, bevor ein Auto auf den Markt komme. Das teilte der Konzern vor Pressevertretern in Wolfsburg mit.

VW-Chef Matthias Müller kündigte zudem einen Strukturwandel im Unternehmen an. Das Top-Management werde VW künftiger weniger zentralistisch führen. Einige Geschäftsbereiche sollen neu geordnet werden. Man werde die aktuelle Krise "als Katalysator für den Wandel, den Volkswagen braucht" nutzen. Auch wenn es floskelhaft klinge, sei die Situation auch eine Chance für VW.

VW-Chef Mathias Müller im Fokus der Journalisten

Das Interesse an seiner ersten öffentlichen Stellungsnahme war groß: VW-Chef Mathias Müller im Fokus der Journalisten.

Auch atmosphärisch will der Nachfolger des zurückgetretenen Chefs Martin Winterkorn Veränderungen. In Zukunft müsse man bei VW "offener streiten und konstruktiver mit Fehlern umgehen", sagte Müller. Dazu brauche es Manager und Techniker, die keine "Ja-Sager" seien, sondern unangepasst und neugierig. "Den Mutigen gehört die Zukunft bei Volkswagen", sagte er. Der VW-Chef warb außerdem für eine "Open Door Policy" der Mitarbeiter und mehr Silicon Valley in Wolfsburg. Nur so könne der Konzern für die Zukunft ausgerichtet werden.

Rückruf in Europa soll bis 2016 abgeschlossen sein

Bei der Umrüstung der manipulierten elf Millionen Fahrzeuge weltweit komme der Konzern gut voran, sagte Müller. Der Rückruf in Europa soll bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Halter sollen individuell informiert werden, wann das Fahrzeug ein Update erhält.

In den USA sei die Situation deutlich komplizierter, weil technisch anspruchsvoller. Bisher gebe es noch keine Lösungskonzepte, die "vollständig und final" mit den US-Behörden abgestimmt seien.

Wie hoch die Kosten für den Skandal insgesamt sein werden, scheint derzeit nicht absehbar sein. "Das können wir nicht final abschätzen", sagte Müller. Derzeit sei jedoch kein Verkauf von Unternehmensteilen "notwendig", um die Kosten für den Skandal abzudecken.

450 interne und externe Prüfer bei VW

Auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch äußerte sich zu dem Abgas-Skandal. Er kündigte eine umfassende Aufarbeitung an. "Alles kommt auf den Tisch, nichts wird unter den Teppich gekehrt", sagte Pötsch. Der Skandal werde von 450 internen und externen Prüfern aufgearbeitet - "ohne Tabus". Sie hätten in den vergangenen Wochen 102 Terabyte an Daten gesichert, 87 ausführliche Interviews geführt und mehr als 1500 elektronische Geräte gesichert.

Neun Vertreter des Managements seien im Zuge der Aufklärungen freigestellt worden. Ob weitere folgen, wollte Pötsch nicht ausschließen. Eine Aussage zu beteiligten Personen schloss er jedoch zum jetzigen Zeitpunkt aus. Klar sei jedoch, dass eine "Fehlerkette" zu den Manipulationen geführt hätte. "Individuelles Fehlverhalten von Mitarbeitern, Schwachstellen in Prozessen und eine zu große Toleranz gegenüber Regelverstößen" seien als Gründe für den Abgas-Skandal identifiziert worden.

Der Volkswagen-Konzern hatte im September zugeben müssen, dass weltweit bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulations-Software eingesetzt wurde, die den Ausstoß von Stickoxiden im Testbetrieb als zu niedrig auswies. Laut Aufsichtsratschef Pötsch befindet sich VW in "einer der größten Bewährungsproben" seiner Geschichte. Am 21. April 2016 will VW erneut über den Stand der Ermittlungen berichten.