Eine Nickelmine in Kanada | picture alliance / ASSOCIATED PR

Rohstoffe für Batterien VW will sich an kanadischen Minen beteiligen

Stand: 23.08.2022 14:09 Uhr

Volkswagen will sich in Kanada an Minen beteiligen. Der Konzern sichert sich so den Zugriff auf wichtige Rohstoffe für die Batterieproduktion. Das Land verfüge über praktisch alle Rohstoffe, die dafür gebraucht werden, hieß es von VW.

Die hohe Nachfrage nach Elektromobilität lässt auch den Bedarf an den Rohstoffe steigen, die für die Batterieproduktion notwendig sind. Der größte deutsche Automobilkonzern Volkswagen will nun in Kanada in Minen investieren, um sich den Zugriff auf wichtige Rohstoffe zu sichern. "Wir eröffnen keine eigenen Minen, wir wollen uns aber an kanadischen Minen und Minenbetreibern beteiligen", sagte der für Technik und Batterien zuständige Konzernvorstand Thomas Schmall dem "Handelsblatt".

Dabei geht es vor allem um die strategisch wichtigen langfristigen Lieferabkommen, mit denen sich der Autohersteller Mengen und Preise absichern will - etwa im Rahmen einer Gemeinschaftsfirma mit der Volkswagen-Batterietochter PowerCo. Dafür soll eine Absichtserklärung mit der kanadischen Regierung unterzeichnet werden.

Nickel, Kupfer und Kobalt in Kanada

"Kanada verfügt über praktisch alle Rohstoffe, die wir für die Batterieproduktion brauchen", sagte Schmall. "Es gibt große Nickelvolumen der höchsten Güteklasse, dazu Kupfer, Kobalt. Und es gibt viele Minenaktivitäten." 20 bis 30 Prozent der Jahresproduktion einer Mine könnten dann zu einem festen Preis von der PowerCo abgenommen werden, den Rest könne der Minenbetreiber dann am Weltmarkt verkaufen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich bereits mit Premier Justin Trudeau getroffen und dabei eine engere Zusammenarbeit im Energiesektor vereinbart. Teil der Delegation von Scholz ist VW zufolge auch Noch-Vorstandschef Herbert Diess. Der Autobauer arbeitet nach eigenen Angaben beim Ausbau der eigenen Batteriegeschäfte derzeit insbesondere an zuverlässigen und nachhaltigen Lieferketten. Das gelte auch für den vielversprechenden nordamerikanischen Markt.

Rohmaterial Kostentreiber für Batteriezellen

80 Prozent der Kosten für Batteriezellen seien Rohmaterialkosten, sagte Schmall. "Früher dachten die großen Autohersteller, es reicht, wenn man Zellfabriken kauft. Heute wissen wir, dass wir viel tiefer in die Wertschöpfungskette reingehen müssen." Bei den Minenbetreibern wolle VW maximal mit einer Handvoll Schnittstellenpartner zusammenarbeiten. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI schrieb dazu in einer Studie, dass durch den steigenden Anteil der Materialkosten bei einer Batteriezelle der Zugriff auf die Rohstoffe und Komponenten künftig eine wesentliche Wettbewerbskompontente darstelle.

Insgesamt will die Volkswagen-Batterietochter PowerCo gemeinsam mit Partnern einen zweistelligen Milliardenbetrag in den Aufbau der globalen Batterie-Wertschöpfungskette investieren. In Kanada könnte es ein einstelliger Milliardenbetrag werden, hieß es weiter. Demnach wäre Volkswagen der erste westliche Automobilkonzern, der sich in größerem Umfang direkt an Minenbetreibern beteiligt.

Andere Konzerne sichern sich Zugriff

Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, will zudem auch der Volkswagen-Konkurrent Mercedes-Benz am Rande des Kanada-Besuchs von Scholz eine Absichtserklärung über Rohstoffe unterzeichnen.

Andere Autohersteller sichern sich den Zugriff auf die wichtigen Rohstoffe über Verträge. So hatte der amerikanische Elektroautohersteller Tesla im vergangenen Jahr einen Vertrag über vier Jahre mit dem australischen Unternehmen Syrah Resources abgeschlossen, das eine Grafitmine in Mosambik betreibt. Erst Ende Juli hatte der amerikanische Automobilkonzern Ford mitgeteilt, mit einer Reihe von Bergbauunternehmen Absichtserklärungen für die Rohstoffe Nickel und Lithium geschlossen zu haben. Dazu zählt unter anderem der australische Bergbauriese BHP.

Der Großteil der Rohstoffe, der für die Batterieproduktion notwendig ist, wird nach wie vor im Ausland gefördert. Das Gros der weltweiten Kobaltreserven liegt in der Demokratischen Republik Kongo; Australien und Indonesien folgen dahinter. Die Förderung von Lithium konzentriert sich auf Länder wie Australien, Chile, Argentinien und China. Beim Grafit spielt China eine wichtige Rolle. Zu den wichtigsten Länder für die Minenproduktion von Nickel zählten im vergangenen Jahr Indonesien, die Philippinen und Russland.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 23. August 2022 um 18:42 Uhr.