Kurzarbeit schmälert Bruttoverdienste Arbeitnehmer verdienen erstmals weniger

Stand: 03.03.2010 11:55 Uhr

Geldscheine mit einer Lohntüte
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Vor allem die Kurzarbeit schmälerte die durchschnittlichen Bruttoverdienste der Arbeitnehmer.

Im Rezessionsjahr 2009 sind die Bruttoverdienste in Deutschland zum ersten Mal seit Gründung der Bundesrepublik gesunken. Arbeitnehmer verdienten vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben durchschnittlich 27.648 Euro. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts bedeutete dies gegenüber 2008 einen Rückgang um 0,4 Prozent. Dafür verantwortlich waren in erster Linie die hohe Zahl von Kurzarbeitern und der Abbau von Überstunden. Besonders stark traf es Beschäftigte in der Industrie, die ein Minus von 3,6 Prozent hinnehmen mussten.

Um die durchschnittlichen Bruttoverdienste zu berechnen, summieren die Statistiker die Bruttolöhne und -gehälter aller Arbeitnehmer - von geringfügig Beschäftigten über Beamte bis hin zu Vorstandsmitgliedern. Auch Zulagen und Prämien, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden berücksichtigt. Die Gesamtsumme geteilt durch die Zahl der Arbeitnehmer ergibt den Durchschnittswert.

Renten sinken nicht

Als Folge der sinkenden Bruttoverdienste im vergangenen Jahr hätten laut der früheren Rentenanpassungsformel die Renten in diesem Jahr ebenfalls sinken müssen. Um das zu vermeiden, hatte die Große Koalition 2009 das Gesetz so geändert, dass sinkende Renten künftig ausgeschlossen sind.

Lohnstückkosten steigen deutlich

Auch die Unternehmen bekamen die Folgen der häufigeren Kurzarbeit deutlich zu spüren. Viele verzichteten darauf, massenhaft Fachkräfte zu entlassen. Stattdessen nahmen sie Firmen einen Anstieg der Lohnstückkosten um 5,2 Prozent in Kauf - das größte Plus seit 1992. Der Wert für die Lohnstückkosten drückt aus, wie viel Lohn oder Gehalt der Arbeitgeber für eine Produktions- oder Dienstleistungseinheit bezahlen muss. Aufgrund der Rezession war die Produktion zurückgefahren worden, während die Fixkosten gleichzeitig kaum sanken. Im verarbeitenden Gewerbe kletterten die Lohnstückkosten sogar um mehr als 15 Prozent.

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