Eine Ryanair Maschine steht auf dem Gelände des Flughafens Bremen | dpa

Einschnitte beim Billigflieger Ryanair schließt Standort Bremen

Stand: 01.10.2018 19:04 Uhr

Erst vor einigen Tagen haben Piloten und Flugbegleiter bei Ryanair in Deutschland gestreikt. Nun kündigte der Billigflieger Einschnitte an den Standorten Bremen und Weeze an. Gewerkschafter sehen darin einen "Vergeltungsschlag".

Der Billigflieger Ryanair zieht einige Maschinen aus Deutschland ab. Der Standort Bremen mit zwei stationierten Flugzeugen soll Anfang November schließen, wie die irische Gesellschaft ankündigte. In Weeze in Nordrhein-Westfalen werden künftig nur drei statt fünf geplanter Flugzeuge stationiert.

"Alle betroffenen Kunden wurden benachrichtigt. Der Großteil der Strecken wird fortgeführt", sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely. Ab Bremen sollen ausländische Maschinen die meisten Strecken übernehmen, in Weeze sollen das die drei verbleibenden Flugzeuge machen.

Ein Flughafensprecher rechnet damit, dass dort im Vergleich zum vergangenen Jahr 15 Prozent weniger Flüge angeboten werden.

Vorwürfe der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft ver.di warf der Airline vor, die Verlegung sei "ein Vergeltungsschlag" für die jüngsten Streiks. "Wir fordern Ryanair auf, diese Entscheidung sofort zurückzunehmen und nicht die Existenz der Beschäftigten zu bedrohen", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. An beiden Standorten hätten sich viele Beschäftigte an den Warnstreiks beteiligt. Nach Angaben der Gewerkschaft arbeiten in Bremen rund 90 Mitarbeiter für Ryanair.

Die irische Airline will auch die Basis im niederländischen Eindhoven mit vier Maschinen dichtmachen. Die Standorte sollen nach Unternehmensangaben vom 5. November an dauerhaft geschlossen werden. Wie es für die Mitarbeiter weitergeht, ist noch unklar.

Unternehmen senkt Geschäftserwartungen

Die Fluggesellschaft hatte zuvor ihre Geschäftserwartungen gesenkt, etwa weil Treibstoff teurer geworden ist. Die vergangenen Streiks hätten zudem das Vertrauen der Kunden untergraben, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary.

Am vergangenen Freitag waren wegen der Ausstände bei Flugbegleitern und Piloten mindestens 250 Flüge ausgefallen. Das fliegende Personal will höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

Laut O'Leary musste der Billigflieger weniger Buchungen für die Herbstferien und die Weihnachtssaison verkraften. Auch die Ticketpreise fielen niedriger aus als gedacht. Die Airline verringert ihre Kapazitäten nun für die Wintersaison um ein Prozent.

Der Ryanair-Chef Michael O'Leary stützt sein Gesicht in seine Hand. | AFP

Die vergangenen Streiks hätten das Vertrauen der Kunden untergraben, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Bild: AFP

Flughafenbetreiber reagieren gelassen

Der Bremer Airport erwartet keine dramatischen Einschränkungen für Fluggäste. "Eine Schließung der Bremen-Basis im Winter bedeutet lediglich, dass die Bereitstellung der Crews der Ryanair-Maschinen in diesem Zeitraum nicht mehr aus dem Standort Bremen, sondern von anderen im Umlauf des Flugzeuges befindlichen Standorten erfolgt", sagte eine Sprecherin.

Am Flughafen Weeze nahe der niederländischen Grenze fliegen zum allergrößten Teil Ryanair-Maschinen. Dort seien in der vergangenen Wintersaison vier Ryanair-Flugzeuge stationiert gewesen - nun seien noch drei geplant, sagte ein Flughafensprecher. Der aktualisierte Flugplan liege noch nicht vor. Sie rechneten aber damit, dass nun etwa ein Siebtel weniger Flüge angeboten würde als vor einem Jahr. Ursprünglich hätte auf fünf Maschinen aufgestockt werden sollen.

Ryanair ist der größte Billigflieger Europas. Die Maschinen fliegen mehr als 215 Flughäfen in 37 Ländern an. Im Geschäftsjahr 2017/2018 machten das Unternehmen einen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen die Geschäfte nun etwas schlechter ausfallen. Erwartet werden noch 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro Gewinn.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Stuttgarter42 01.10.2018 • 23:38 Uhr

Flugbegleiter,

die deutlich mehr als Arbeitskräfte im Einzelhandel verdienen, können von mir aus auch gern verschwinden. Und die Piloten, die trotz der speziellen Arbeitsbedingungen weniger als bei anderen Luftfahrtunternehmen verdienen, aber deutlich mehr als viele Ingenieure in mittelständischen Betrieben gleich dazu. Wer angestellt ist, hat auch für das Funktionieren des Betriebes und damit für die Kunden zu sorgen. Wenn solche Leute bei einem Unfall auf der Straße liegen, winkt ja auch kein Rettungsfahrer lustig aus seinem Fahrzeug heraus und sagt, dass er wegen verdi-Funktionären und überhaupt gerade streikt und sie jetzt leider sterben müssen. Ich hatte diese Fluggesellschaft beruflich bisher nur einmal in meinem langen Leben. Wenn ich sie nochmal haben müsste, hätte ich doch sehr gern, dass die gebuchte Leistung von den Mitarbeitern erbracht wird.