Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn | picture alliance/dpa

Sicherheitslücken und Zensur Chinesische Smartphones im Visier des BSI

Stand: 24.09.2021 14:44 Uhr

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik leitet eine Untersuchung gegen chinesische Smartphonehersteller ein. Damit reagiert das BSI auf Forderungen aus der Politik.

Nach der Warnung der litauischen Cyberabwehr vor Sicherheitslücken und eingebauten Zensurfunktionen in chinesischen Mobiltelefonen hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun eigene Untersuchungen eingeleitet, wie ein BSI-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Sowohl der SPD-Politiker Jens Zimmermann als auch der CDU-Digitalpolitiker Tankred Schipanski hatten gefordert, dass das BSI den Hinweisen nachgehe.

Das BSI erhielt den Report der litauischen Cyberabwehr am Mittwoch, in dem drei konkrete Smartphone-Modelle analysiert wurden. Dabei handelte es sich um das Huawei P40 5G, das Xiaomi Mi 10T 5G sowie um das OnePlus 8T 5G. Die schwersten Vorwürfe richtete das Cybersicherheits-Zentrum NKSC (Nacionalinio Kibernetinio Saugumo Centro) gegen Xiaomi.

Der BSI-Sprecher sagte, auf der Liste der Smartphone-Marken, die von den Bundesbehörden offiziell als Diensthandys bestellt werden können, stehe weder Xiaomi, noch ein anderer Hersteller aus China. Das BSI könne aber nicht ausschließen, dass durch eine dienstliche Nutzung von privat angeschafften Geräten trotzdem ein Xiaomi-Smartphone im Einsatz sei.

Xiaomi weit Vorwürfe zurück

Das staatliche Zentrum für Cybersicherheit in Vilnius hatte vor allem ein Gerät des chinesischen Herstellers Xiaomi kritisch beurteilt, weil es technisch in der Lage sei, die bestimmte Inhalte auf dem eingebauten Webbrowser zu zensieren. Der Zensurfilter sei zwar nicht aktiv gewesen, habe aber aus der Ferne eingeschaltet werden können. Beim Hersteller Huawei bemängelten die Litauer, dass der App-Store auch auf Quellen verlinke, die von der Agentur als unsicher eingestuft werden. Bei dem OnePlus-Gerät fand das NKSC dagegen keine Mängel.

Ein Sprecher von Xiaomi erklärte, die Geräte seines Unternehmens zensierten keine Kommunikation mit oder von ihren Nutzern. "Xiaomi hat und wird niemals persönliche Aktivitäten seiner Smartphone-Nutzer einschränken oder unterbinden, wie beispielsweise das Suchen, Anrufen, Surfen im Internet oder die Verwendung von Drittanbieter-Kommunikationssoftware."

"Vorwürfe ernst nehmen"

Rüdiger Trost, Sicherheitsexperte von F-Secure Deutschland, sagte der Nachrichtenagentur dpa, man müsse die Vorwürfe ernst nehmen. "Ich halte es für mehr als wahrscheinlich, dass es Möglichkeiten für chinesische Stellen gibt, direkt auf Smartphones aus nationaler Produktion zuzugreifen. Und ich habe keine Zweifel, dass China gewillt ist, mit technischen Mitteln Zensur auszuüben."

Wenn die Konzerne, der chinesische Staat oder Hacker einen so tiefgreifenden Zugriff hätten, könnten sie nicht nur Kommunikation auslesen, noch bevor sie verschlüsselt werde, etwa bei E-Mails, WhatsApp oder sogar Signal. "Man könnte sogar Daten hochladen und auf solche Weise etwa einen Dissidenten diskreditieren. Man könnte sein Smartphone so manipulieren, dass er wie der Spion eines anderen Staates erscheint", so Trost.  

Warnung vor Generalverdacht

Thorsten Urbanski, Sprecher des Sicherheitsunternehmens Eset, warnte hingegen davor, alle Smartphones aus China unter einen Generalverdacht zu stellen. Manipulierte Geräte seien aber "seit vielen Jahren ein großes Sicherheitsproblem". "Bereits vor mehr als fünf Jahren gab es erste Fälle von Geräten, die auf dem Weg nach Europa mit manipulierter Firmware und vorinstallierter Spyware-Apps in den Handel kamen."

Mit den damaligen Manipulationen hätten umfassend Daten gestohlen werden können. Auch eine Überwachung des Besitzers seien möglich gewesen. In vielen Fällen seien die Manipulationen nicht vom Hersteller selbst ausgegangen.

Zweiterfolgreichster Smartphonehersteller

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Warnung das Geschäft des chinesischen Technologiekonzerns zumindest belasten wird. An den Finanzmärkten reagierten deshalb viele Anleger mit Aktienverkäufen.

Erst Ende August hatte Xiaomi über die Geschäftslage berichtet. Im zweiten Quartal war der Firmenumsatz, angeschoben auch von der hohen Nachfrage nach Smartphones, um 64 Prozent auf umgerechnet 11,55 Milliarden Euro gestiegen. Xiaomi ist mittlerweile weltweite Nummer zwei der Smartphone-Hersteller. Nur Samsung ist erfolgreicher, Apple belegt den dritten Platz.  

Xiaomi profitierte unter anderem von US-Sanktionen gegen den heimischen Konkurrenten Huawei. Die USA werfen Huawei enge Verbindungen zu chinesischen Behörden vor und warnen vor einer Gefahr von Spionage und Sabotage. US-Präsident Joe Biden ordnete eine generelle Überprüfung chinesischer Unternehmen an. Huawei weist beide Vorwürfe zurück.