Eine Frau sitzt mit einem Headset an ihrem Arbeitsplatz. | dpa

Telefon-Marketing Werbeanrufe sorgen für Ärger

Stand: 14.01.2022 10:15 Uhr

Noch nie gab es mehr Beschwerden wegen unerwünschte Telefonwerbung als im vergangenen Jahr. Für die angezeigten Firmen können Anrufe mit unterdrückter Nummer künftig noch teurer werden.

Die Beschwerden gegen unerwünschte Werbeanrufe haben im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Bei der Bundesnetzagentur gingen wegen unerlaubter Telefonwerbung 79.702 Beschwerden ein. Das sind rund 26 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Bonner Behörde mitteilte. Bei den unerwünschten Werbeanrufen ging es vor allem um Versicherungen, Finanzprodukte und Energieverträge. Auch Werbung für Gewinnspiele und Zeitschriften-Abonnements nervte die Verbraucher.

Die Bundesnetzagentur geht den Beschwerden nach und kann auch Bußgelder gegen die Werbefirmen verhängen. Im vergangenen Jahr mussten Unternehmen insgesamt 1,4 Millionen Euro Bußgeld zahlen. Künftig können diese Strafen noch härter ausfallen, da sich im Dezember vergangenen Jahres der Bußgeldrahmen im Falle unterdrückter Rufnummern erhöht hat: Statt bisher maximal 10.000 Euro Strafe können nun bis zu 300.000 Euro Bußgeld verhängt werden.

Kein eindeutiger Trend

Telefonwerbung ist nur erlaubt, wenn die Verbraucher vorher eingewilligt haben. Die Nummer muss dabei übermittelt werden. Jochen Homann, der Chef der Bundesnetzagentur, sagte: "Wir gehen weiterhin mit Nachdruck gegen die Unternehmen vor, die unerlaubte Telefonwerbung betreiben." Die Täter würden "mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln" verfolgt. Werbeanrufe mit unterdrückter Rufnummer seien "inakzeptabel". Diese Anrufe ohne Nummer im Display kamen im vergangenen Jahr besonders häufig vor, teilte die Bundesnetzagentur mit. Auffällig sei zudem gewesen, dass manche Werbetreibende wechselnde Rufnummern verwendet hätten.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Behörde deutlich mehr Beschwerden wegen unerwünschter Telefonwerbung registriert. Eindeutig ist der Trend allerdings nicht, da es zuvor einen Rückgang gegeben hatte. Wie groß das Problem tatsächlich ist, lässt sich nicht zuverlässig ermitteln, da die Beschwerden der einzige Anhaltspunkt für die Bundesnetzagentur sind.

Mehr als Tausend abgeschaltete Rufnummern

In der Politik wurden die hohen Beschwerdezahlen mit Sorge zur Kenntnis genommen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben wies darauf hin, dass Anrufe häufig auf Festnetznummern erfolgten, die im Telefonbuch stehen: "Das ist ein großes Problem für ältere Menschen, die ihr Festnetztelefon noch viel nutzen." Er appellierte an die Netzagentur, mit aller Härte gegen die Firmen vorzugehen. Die Möglichkeiten, die durch das verschärfte Gesetz vorgesehen seien, "sollten dieses Jahr auch zu deutlich höheren Bußgeldern führen, sollten die aufdringlichen Werbefirmen einfach weitermachen wie bisher".

Auch Betrugs-SMS und bei der sogenannten "Smishing"-Masche registrierte die Bundesnetzagentur eine steigende Zahl von Beschwerden. Mit dem "Smishing" sollen Verbraucher dazu verleitet werden, auf einen Link zu klicken und sich dann unwissentlich Schadsoftware herunterzuladen. Die Bundesnetzagentur reagierte und ließ unter anderem 1110 Rufnummern wegen Missbrauchs abschalten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Januar 2022 um 08:45 Uhr.