Geschmückter Weihnachtsbaum steht in einem Kaufhaus | dpa

Geschenke früher kaufen Das vorgezogene Weihnachtsgeschäft

Stand: 25.10.2021 08:11 Uhr

Die Probleme in den weltweiten Lieferketten haben spürbare Folgen: Schon zwei Monate vor Weihnachten sind manche Artikel knapp. Experten raten bei beliebten Geschenken zu frühen Einkäufen, warnen aber vor Panikkäufen.

Von André Kartschall, RBB

Das Fest der Liebe ist erst in zwei Monaten, doch bereits jetzt sind manche Artikel knapp. Wer es auf bestimmte Geschenke abgesehen hat, sollte eher früher als später kaufen. Das Kinderfahrrad unter dem Tannenbaum - eines der klassischen Weihnachtsgeschenke - könnte in diesem Jahr seltener für strahlende Kinderaugen sorgen als in anderen Jahren. Denn Fahrräder sind knapp. Das liegt vor allem an stockenden Lieferketten aus Asien. Das Problem sind fast immer nur einzelne Teile, die für die Endmontage in Deutschland fehlen. Inzwischen ist insbesondere das Angebot an günstigen und mittelpreisigen Fahrräder gesunken - und die Preise steigen.

Andre Kartschall

Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut hat eine repräsentative Befragung unter deutschen Einzelhändlern durchgeführt. Das Ergebnis: 100 Prozent aller befragten Fahrradhändler klagen über zu wenig Nachschub. Ein einmaliger Wert. Auch der Rest des Handels ist von Lieferausfällen bislang unbekannten Ausmaßes betroffen. Baumärkte, Elektronik- und Möbelhändler warten nach eigenen Angaben fast genauso oft auf Nachschub.

Wann Weihnachtsgeschenke kaufen?

Da sich bis Jahresende voraussichtlich nicht viel an der Nachschubsituation verbessern wird, stellt sich die Frage, ob Kunden ihre Weihnachtseinkäufe eher als sonst erledigen sollten - um am Ende nicht ohne die gewünschten Geschenke dazustehen. Wann also ist der richtige Zeitpunkt? "Da wäre meine Antwort: sofort", sagt Wohlrabe ohne zu zögern.

Mehr als alles andere dürfte sich im Weihnachtsgeschäft die weltweite Knappheit an Computer-Chips bemerkbar machen. "Wenn das Geschenk auch noch elektronische Bauteile enthält, dann sollte man lieber rasch zugreifen, damit es an Weihnachten keine böse Überraschung gibt", so Wohlrabe. Smartphones unterm Tannenbaum könnten daher ein seltenerer Anblick werden.

Wohlrabe ist nicht der Einzige, der zum Geschenkekauf im Oktober rät. Auch Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagt zum Thema Wunsch-Geschenke: "Wenn es das jetzt gibt, sollte man es auch jetzt kaufen." Hinzu komme, dass durch die Knappheit die Preise immer weiter anzögen. Husemann rät jedoch von Panikkäufen ab und empfiehlt stattdessen ein besonders sorgfältiges Vorgehen: "Der Preisvergleich ist wichtiger denn je, sowohl online als auch im Laden. Oft sind die Preise im Laden gar nicht so hoch wie gedacht, weil die Einzelhändler ihre Marge schon früh fest einkalkuliert haben."

Mondpreise im Online-Handel?

Bei einzelnen Artikeln sei schon zu beobachten, dass Internet-Händler kräftig an der Preisschraube drehen. Ein Bummel durch die Geschäfte könne sich lohnen. Wie auch in anderen Jahren gebe es einen weiteren Grund, Last-Minute-Einkäufe zu vermeiden, auch online. Denn dann stünden traditionell auch die Lieferketten bis zur eigenen Haustür vor der Überlastung. "Je näher wir an Weihnachten kommen, desto eher sollte man zwei bis drei Tage auf die Lieferzeit aufschlagen", sagt Husemann.

Der Handelsverband Deutschland sieht die Lage etwas entspannter. Eigentlich bestehe kein Grund zur Sorge, lediglich einzelne Produkte könnten in der Vorweihnachtszeit knapp werden. "Dass die Menschen bei ihrem Weihnachtseinkauf vor leeren Regalen stehen, ist aber nicht zu erwarten", sagt Stefan Genth vom HDE.

Bücher reichen wohl bis Weihnachten

Eine klare Entwarnung für das Weihnachtsgeschäft kommt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Nachdem viele Verlage meldeten, dass ihre Druckaufträge nur noch teilweise erfüllt würden, scheint jetzt klar zu sein: bis Weihnachten reichen die Vorräte, die Kunden würden von der angespannten Lage erst einmal nichts spüren. Wie es danach weitergeht, ist allerdings offen.

Papier ist mittlerweile knapp geworden, die Altpapierpreise sind um bis zu 75 Prozent gestiegen. Die Verteuerungen geben Druckereien an die Verlage weiter. "Langfristig ist die Lage dramatisch. Irgendwann müsste man die Preise erhöhen", so Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Unsicherheit über Weihnachten hinaus

Wie es für Kunden im kommenden Jahr weitergeht, ist auch noch unklar. Die Prognosen gehen weit auseinander. "Für die meisten Produkte könnte der Rückstau im ersten Halbjahr 2022 abgebaut werden. Bei Chips und Halbleitern könnte das bis ins Jahr 2023 dauern", sagt ifo-Experte Wohlrabe. Das hieße dann womöglich, dass auch zum nächsten Weihnachtsfest weniger Handys verschenkt werden.

Über dieses Thema berichtete rbb Fernsehen am 25. Oktober 2021 um 08:00 Uhr in der Sendung "rbb Brandenburg Aktuell".

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