Unter einem Weihnachtsbaum liegen eingepackte Geschenke | dpa

Lieferengpässe zu Weihnachten Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung

Stand: 27.11.2021 15:30 Uhr

Weltweite Lieferengpässe führen dazu, dass vor Weihnachten die Geschenke-Auswahl knapper wird. Bei bestimmten Fahrrädern gibt es monatelange Wartezeiten, manche Spielfiguren sind schwer zu bekommen.

Von David Zajonz, WDR

Fahrradhändler Raimund Gerwing sieht in diesen Tagen Licht und Schatten. Die Kauflust seiner Kunden ist so groß wie noch nie. Gleichzeitig kann er aber nicht jeden der Wünsche erfüllen, denn viele Räder sind überhaupt nicht verfügbar. Seit 35 Jahren betreibt Gerwing in Münster das Geschäft "Drahtesel". In dieser Zeit habe er eine solche Situation noch nicht erlebt. Derzeit, so erzählt er, müsse er seine Bestellungen zwei Jahre im Voraus planen.

David Zajonz

Wunsch-Rad nicht mehr zu Weihnachten

Viele Hersteller seien für das kommende Jahr schon komplett ausgebucht, sagt Gerwing. Bei einigen seien selbst für 2023 keine Fahrräder mehr zu bekommen. Der Fahrradhändler bestellt deshalb mit langer Vorlaufzeit Modelle, von denen er noch gar nicht genau weiß, wie sie aussehen werden. Trotz seiner vorausschauenden Planung müssen seine Kunden häufig ein halbes Jahr auf ihr Wunsch-Rad warten.

Kindern, die sich jetzt zu Weihnachten ein hochwertiges und besonders leichtes Fahrrad wünschen, kann er nur wenig Hoffnung machen: "Wer da bislang nicht bestellt hat, bei dem wird es wahrscheinlich nichts mehr für Weihnachten. Das wäre ein Sechser im Lotto." Gleichzeitig betont Gerwing aber, dass sein Geschäft auch weiterhin voller Fahrräder stehe. Wer kurzfristig ein Rad brauche, werde es auch bekommen. Jedoch könne es passieren, dass das Modell beispielsweise nur in schwarz und nicht in blau verfügbar sei.

Nur zwei, drei Figürchen pro Tag

Bei der Spielwarenhändlerin Martina Haaf in Velbert bei Düsseldorf sieht es etwas besser aus. "Im Großen und Ganzen geht's noch", sagt sie mit Blick auf die Lieferengpässe in ihrem Spielzeugladen "Brummbär". Bei Tierfiguren aus Gummi drohen allerdings unerfüllte Weihnachtswünsche: "Da kriegen wir jeden Tag ein kleines Päckche​n mit gerade mal zwei, drei Figürchen."

Haaf befürchtet, dass sich die Situation im kommenden Jahr noch verschlimmern könnte. Dennoch zögert die Händlerin damit, ihr Lager komplett zu befüllen. Denn was, wenn vor Weihnachten doch noch ein Lockdown mit Ladenschließungen kommt? "Dann werden wir die Sachen im neuen Jahr nicht mehr los", befürchtet sie.

"Weltweite Logistik aus dem Takt"

Die Eindrücke der Fahrrad- und Spielwarenhändler decken sich mit den Untersuchungen von Klaus Wohlrabe vom Wirtschaftsforschungsinstitut ifo. Wohlrabes neueste Befragungen zeigen, dass insgesamt mehr als drei Viertel der Einzelhändler von Lieferengpässen betroffen sind. Bei Fahrradhändlern ist der Anteil mit 96 Prozent besonders hoch, bei Spielzeughändlern liegt die Quote sogar bei 100 Prozent.

Leere Regale seien zwar nicht zu befürchten, sagt der Wirtschaftsforscher. Allerdings könnten in der Weihnachtszeit beispielsweise auch bestimmte Elektronikartikel vergriffen sein. Die Lieferengpässe führt Wohlrabe auf die Corona-Krise zurück. Zwar laufe an den meisten Orten die Produktion wieder, aber "die weltweite Logistik ist aus dem Takt geraten", sagt er.

Entspannung im kommenden Sommer?

Zu Beginn der Corona-Krise hätten sich viele Unternehmen mit der Bestellung von Vorprodukten und Rohstoffen zurückgehalten. Jetzt bestelle auf einmal die ganze Welt, und die Lieferanten kämen nicht mehr hinterher, so der Ökonom.

Allerdings kann Wohlrabe auch ein bisschen Entwarnung geben. Aus seinen Befragungsdaten gehe hervor, dass ab Mitte des kommenden Jahres die gröbsten Probleme vorbei sein könnten. Vielleicht steht das Wunsch-Fahrrad dann immerhin im nächsten Jahr unter dem Weihnachtsbaum.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. Oktober 2021 um 17:36 Uhr.