Zahlreiche Reisende stehen am BER-Flughafen. | dpa

Folge der Corona-Vorschriften? Flughafen-Chaos zu Ferienbeginn

Stand: 11.10.2021 14:44 Uhr

Zum Beginn der Herbstferien steckten frustrierte Reisende vor langen Schlangen an der Passagierabfertigung fest - einige verpassten sogar den Flug. Sind längere Abläufe wegen der Corona-Vorschriften der Grund?

Der Start der Herbstferien in mehreren Bundesländern hat vielen Flugreisenden Geduld und gute Nerven abverlangt. Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gab es am Wochenende ungewöhnlich lange Schlangen vor den Schaltern. Videos in den sozialen Medien zeigten am Samstag wartende Menschen quer durch die Check-in-Hallen.

Manche Urlauber verpassten den Abflug, Reisende sprachen von chaotischen Verhältnissen. Unter anderem auch an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt und in Hamburg war hohes Passagieraufkommen zu beobachten.

Gestörter Prozess

Als ein Grund für die langen Wartezeiten nannte ein Sprecher des BER coronabedingte Kontrollanforderungen, die zu verlängerten Abläufen führten. Flughafensprecher Hannes Stefan Hönemann sagte gegenüber dem rbb, unter Corona-Bedingungen sei der Prozess der Passagierabfertigung sehr gestört, "weil man erst noch die Impfzertifikate vorzeigen muss, größerer Abstand gehalten werden muss und obendrein für die unterschiedlichen Zielländer unterschiedliche Corona-Regeln gelten".

Fraport, der Betreiber des Frankfurter Flughafens, empfiehlt wegen der vielen Corona-Sonderregelungen eine sorgfältige Reisevorbereitung und alle erforderlichen Dokumente "jederzeit griffbereit zu halten".

Dünne Personaldecke wegen Krankmeldungen?

Die Lufthansa wies bezüglich der Vorkommnisse in Berlin auf fehlende Abfertigungskapazitäten hin. Man habe beim Check-in die maximal mögliche Zahl von zwölf Schaltern geöffnet und zudem zusätzliches Personal im Wartebereich eingesetzt, erklärte eine Unternehmenssprecherin.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) schob die Probleme am Wochenende vor allem auf Personalengpässe an den Check-in-Schaltern, die am BER von den Fluggesellschaften besetzt werden. Vor allem wegen Krankmeldungen habe die Personaldecke dort "unter den Planungen" gelegen. So sei es deswegen vor allem Samstag zu deutlich verlängerten Wartezeiten gekommen, obwohl an dem Tag deutlich weniger Menschen unterwegs waren als Freitag und Sonntag.

Auch bei den Bodenverkehrsdienstleistern fehlte es aufgrund von Krankmeldungen an Personal, sodass es beim Aussteigen und Entladen von Flugzeugen zu längeren Wartezeiten gekommen sei, so der BER. Der Flughafen werde aber auch auf Wunsch der Fluggesellschaften künftig weitere Check-in-Schalter zur Verfügung stellen.

Deutlich gesunkene Passagierzahlen

An einigen Flughäfen war es in den vergangenen Monaten häufiger zu ungewöhnlich langen Wartezeiten gekommen. Dabei sind die Passagierzahlen insgesamt derzeit wegen der Corona-Krise noch immer auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Auf den deutschen Flughäfen werden zurzeit etwa halb so viele Passagiere abgefertigt wie vor der Corona-Pandemie.

In der Woche bis zum 3. Oktober wurden rund 2,7 Millionen Fluggäste gezählt, wie der Flughafenverband ADV mitgeteilt hatte. Das waren 51,6 Prozent weniger als in der entsprechenden Woche 2019, aber 158,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Obwohl sich die Passagierzahlen sowohl beim Urlaubs- als auch beim Geschäftsreiseverkehr längst wieder erholen, bleibt das Niveau der Vorkrisenzeit also unerreicht. Sowohl Flughafenbetreiber als auch Fluggesellschaften hatten aufgrund dieser Folgen der Corona-Pandemie Tausende Stellen abgebaut.

Geregelter Neustart nicht leistbar?  

Waren es zu viele? Am Flughafen in Düsseldorf hatte die Lufthansa-Tochter Eurowings im August in einem internen Schreiben erhebliche Verzögerungen beim Be- und Entladen der Maschinen kritisiert. Die Personalkapazität sei nicht an den Bedarf angepasst worden, heißt es in dem Schreiben, aus dem der "Kölner Stadt-Anzeiger" zitierte. In Düsseldorf würden mindestens Hundert Mitarbeiter für die Fluggast-Kontrollen fehlen, sagte Özay Tarim von der Gewerkschaft ver.di gegenüber der Tageszeitung "Welt".

Auch das Branchenportal "Airliners" warnte davor, dass der Personalmangel insbesondere bei den Bodenverkehrsdienstleistern zum Problem an Flughäfen werde. Mira Neumaier, ver.di-Bundesfachgruppenleiterin für Luftverkehr, warnte schon im Juli gegenüber dem "Focus": "Die Zahlen zum Personalabbau sind erschreckend." Schon vor der Pandemie sei die Personaldecke dünn und die Belastung hoch gewesen. Ein geregelter Neustart werde auch nur mit 50 Prozent des Vorkrisenniveaus nicht mehr leistbar, kommentierte die Gewerkschafterin.

Über dieses Thema berichtete die "Abendschau" im rbb-Fernsehen am 09. Oktober 2021 um 19:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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Karl Maria Joseph Wüllenhorst Felleringe 11.10.2021 • 23:52 Uhr

23:00 von schabernack 22:28 von Karl Maria Jose...

ja aber, um jetzt den aufrechten trvira nicht wieder zu erregen, wobereit hat doch gerade das nicht gemacht. er hätte Hochtief beauftragen können. die können das. der bürgermeister glaubte aber, das selbst ohne fachleute machen zu können. aber das sollte dir auch schon vor dem beitrag klargewesen sein, oder?