Deutschland hinkt bei der flächendeckenden Mobilfunknetz-Abdeckung im europaweiten Vergleich hinterher. | picture alliance/dpa

Umfrage zu Verbraucherschutz Was die Deutschen am meisten nervt

Stand: 14.10.2021 10:04 Uhr

Was nervt die Deutschen am meisten? Nach den Erfahrungen der Verbraucherschützer sind es oft Probleme mit ruckelnden Datenleitungen. Und noch einige andere Wünsche habe sie an die nächste Bundesregierung.

Von Ulrich Crüwell, rbb

Er ist eine Art Wunschzettel für die künftige Bundesregierung. Nicht zufällig erscheint der Verbraucherreport zum Ende der Sondierungsgespräche. Denn die Verbraucherschützer wollen die Koalitionsverhandlungen beeinflussen. ​​"Es wäre gut, wenn die Politik die Interessen der Verbraucher stärker in den Blick nimmt als bisher", sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage für den Report sei, dass sich eine deutliche Mehrheit der Deutschen mehr Klimaschutz wünsche. "Das oftmals vorgetragene Mantra, wonach Regeln und höhere Preise für klimaschädliche Produkte mehrheitlich abgelehnt werden, lässt sich empirisch nicht belegen, der soziale Ausgleich ist den Menschen aber sehr wichtig", so Müller. 

Besonders hohe Stromkosten

Wie dieser Ausgleich genau funktionieren könnte, wird wohl noch verhandelt werden. Der oberste Verbraucherschützer aber hat schon mal einen Vorschlag: "Wer viel fliegt oder SUV fährt zahlt dann drauf. Wer wenig Energie verbraucht, profitiert."

Strom müsse deutlich günstiger werden, damit Elektroautos und elektrische Wärmepumpen auch in der Breite angenommen werden, fordert der ehemalige grüne Umweltminister von Schleswig-Holstein. Die Deutschen zahlen im europäischen Vergleich die höchsten Verbraucherstrompreise. "Wenn die Klimawende gelingen soll, müssen die Menschen es sich auch leisten können."

"Energiepreise des Grauens" im Winter?

Verbraucher sollten aktiv eingebunden werden und selber Strom produzieren, sagte Müller - ohne komplizierte Regeln. Deutschland müsse auf dem Energiesektor autark und unabhängig vom Weltmarkt werden. Für den Winter prognostiziert er "Energiepreise des Grauens". 

Sein Verband vertritt nach eigenen Angaben 80 Millionen Verbraucher, womit er die wohl größte Lobby-Organisation des Landes wäre. Doch die Interessenvertretungen der Industrie sind oft mächtiger. Verbindliche Kennzeichnungen von Lebensmitteln zu Nährwerten, Tierwohl oder Nachhaltigkeit würden seit Jahren von der Lebensmittel-Lobby blockiert, kritisierte Müller.

Viele Beschwerden über digitale Produkte 

Abzocke beim Online-Shopping oder lahmes Internet: Ein Drittel aller Beschwerden bei den Verbraucherzentralen drehen sich um Produkte oder Dienstleistungen im digitalen Bereich. Ein Problem für viele Menschen sind ruckelnde Datenverbindungen oder Funklöcher auf dem Land. Mehr als drei Millionen Haushalte haben keinen mobilen oder festen Internetanschluss, schätzt das Statistische Bundesamt.

"Wir fordern die neue Bundesregierung auf, mit Tempo für ein schnelles Internet, die Wahrung der Nutzer- und Verbraucherrechte auf dem Plattformmarkt sowie für Schutz beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz", sagt Klaus Müller. Deren Einsatz müsse von einer neuen Aufsichtsbehörde kontrolliert werden.

Zukunft der Rente bereitet vielen Sorgen

In der Debatte über die Zukunft der Rente haben die Verbraucherschützer Sympathie für eine Altersvorsorge nach schwedischem Vorbild, die in Aktien investiert. Das Modell sei besser als die Riester-Rente, die gescheitert sei, so Müller: "Das war ein Geschenk an die Versicherungs- und Finanzwirtschaft." Damit liegt er nahe bei der FDP. Die Liberalen fordern schon länger eine verpflichtende Aktienrente. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2021 um 08:00 Uhr.