Konzertbesucher sitzen in einem Konzert des Musikers Fil Bo Riva im Felsenkeller in Sachsen | dpa
FAQ

Begrenzte Veranstaltungen Was tun, wenn das Ticket ungültig ist?

Stand: 09.12.2021 07:12 Uhr

Großveranstalter dürfen nur noch 30 bis 50 Prozent ihrer Kapazität nutzen. Doch wie läuft die Begrenzung der Besucherzahl ab? Und was kann man tun, wenn das Ticket schon gekauft ist?

Von Hannah Eberhard und Christoph Kehlbach, ARD-Rechtsredaktion

Wie regeln Veranstalter, wer Zutritt erhält und wer nicht?

Das entscheidet jeder Veranstalter selbst. Verbindlich sind nur die Obergrenzen: Nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen dürfen in Innenräumen maximal 5000 Menschen teilnehmen, im Freien maximal 15.000 Menschen. Wie die Veranstalter diese Begrenzung konkret umsetzen, bleibt ihnen zunächst selbst überlassen. Sind die Teilnehmer bekannt und haben ihre Kontaktdaten angegeben, kann man sie schon im Voraus informieren und gegebenenfalls absagen. Sind sie dagegen unbekannt, wird der jeweilige Veranstalter den Zutritt erst am Einlass begrenzen können. Es empfiehlt sich aus Kundensicht oftmals, direkt beim Veranstalter nachzufragen, wie die Begrenzung abläuft.

In der Praxis haben viele Veranstalter in einem ersten Schritt alle bereits verkauften Tickets storniert, um dann in einem zweiten Schritt einen neuen Verkauf zu starten - aber eben in der reduzierten Anzahl. So lief es beispielsweise beim Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Dieses Vorgehen erspart dem Veranstalter den Schritt, selbst entscheiden zu müssen, wer hereindarf und wer nicht.

Theoretisch könnten Veranstalter auch im Losverfahren klären, welche der bereits verkauften Tickets ihre Gültigkeit behalten. Allerdings könnte ein solches Vorgehen einige juristische Folgefragen nach sich ziehen: Was, wenn die gezogenen Ticketinhaber unter den neuen Voraussetzungen kein Interesse mehr an der Veranstaltung haben? Etwa weil eine Begleitung nicht gezogen wurde und man nun alleine gehen müsste? Dann wäre der Veranstalter wieder damit konfrontiert, über eine Geld-Rückerstattung für diese Tickets nachzudenken. Denn die Umstände hätten sich dann ja grundlegend geändert, im Vergleich zur Situation bei Vertragsschluss. Im Streitfall müssten dann die Gerichte entscheiden.

Was tun, wenn der Veranstalter absagt?

Gegen die Absage als solche kann der Verbraucher regelmäßig nichts unternehmen. Denn: Stützt der Veranstalter den Ausschluss auf die rechtlichen Vorgaben zum Infektionsschutz, muss man das in der Regel so hinnehmen. Darin liegt ein sachlich gebotener Grund. Nur, wenn der Veranstalter einen Besucher aus diskriminierenden Gründen (wie Herkunft oder Geschlecht) ausschließt, kann man dagegen möglicherweise vorgehen. Der Impfstatus allerdings stellt kein Diskriminierungsmerkmal dar. Hier ist eine Unterscheidung rechtlich also gerade nicht verboten. 

Wie ist es mit dem Geld?

Bezahlen müssen die Karteninhaber aber nichts, wenn die Gegenleistung "Zutritt zur Veranstaltung" nicht möglich ist. Wer den Ticketpreis schon bezahlt hat, kann diesen zurückverlangen. Denn allgemein gilt: Wer eine versprochene Leistung nicht erbringt, hat auch keinen Zahlungsanspruch. Sagt der Veranstalter also ab, weil es ihm rechtlich unmöglich ist, die Veranstaltung mit der geplanten Teilnehmerzahl durchzuführen, hat er den Eintrittspreis und Vorverkaufsgebühren zurückzuerstatten.

Müssen Ersatztermine angenommen werden?

Wird ein Ersatztermin für eine Veranstaltung angeboten, können die Betroffenen das natürlich annehmen - sie müssen es aber in der Regel nicht. Denn sie haben das Ticket ja für ein bestimmtes Datum gekauft. Darum ergibt sich aus dem Vertrag: Die Käufer möchten an dieser konkreten Veranstaltung - das heißt, an dem Tag zu der genannten Zeit - teilnehmen. Etwas anderes kann für Tickets gelten, die für einen Zeitraum oder mehrere Alternativtermine ausgestellt sind.

Und was ist mit Gutscheinen?

Auch einen Gutschein muss man als Verbraucher grundsätzlich nicht akzeptieren. Die sogenannte Gutscheinlösung galt in der ersten Phase der Pandemie ausnahmsweise für Veranstaltungstickets, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden. Für solche Karten konnten Veranstalter eine Rückerstattung ablehnen und einen Gutschein ausstellen. Die Kunden mussten diesen dann akzeptieren. Veranstaltungen, die von der aktuellen Begrenzung betroffen sind, wurden in der Regel aber erst danach gebucht. Das bedeutet, Verbraucher können auf eine Rückerstattung in Geld bestehen.

Wichtig: Auch Gutscheine für Tickets, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden, laufen zum Jahresende aus. Wer sie bis dahin also noch nicht eingelöst hat, kann sich den Geldwert dann ab dem 1. Januar 2022 auszahlen lassen.

Wie sieht es mit geschenkten Tickets aus?

Ist das Ticket ein Geschenk, sieht es genauso aus - nur läuft der Kontakt möglicherweise über den Schenkenden. Denn er oder sie ist in aller Regel Vertragspartner des Veranstalters. Verliert das Ticket seine Gültigkeit, sind es die jeweiligen Vertragspartner, die eine Rückerstattung verlangen können. Wichtig ist, dass sie die Beschenkten aber über die Absage informieren.

Über dieses Thema berichteten NDR Kultur, Journal am 17. November 2021 um 18:00 Uhr und MDR Sachsenradio am 16. August 2021 um 20:00 Uhr.