Am Wasserhahn in einer Küche wird ein Trinkglas mit Leitungswasser befüllt. | dpa

Folgen des Klimawandels Trinkwasser wird knapper und teurer

Stand: 21.11.2021 09:11 Uhr

Noch ist Wasser in Deutschland reichlich vorhanden. Doch Trockenheit und Hitzesommer wirken sich zunehmend auf den Grundwasserspiegel aus. Kommunen bereiten ihre Bevölkerung deshalb auf höhere Wasserpreise vor.

Von Daniel Hoh, hr

"Wissen Sie, wie teuer ein Liter Leitungswasser ist?" Diese Frage stellt die Grünen-Politikerin Rosemarie Heilig ihren Gesprächspartnern gerne, wenn es um die Trinkwasserversorgung in Deutschland geht. Die Umweltdezernentin von Frankfurt am Main will darauf aufmerksam machen, wie günstig das wichtigste Lebensmittel hierzulande ist. Während Mineralwasser aus dem Supermarkt mindestens 13 Cent pro Liter kostet, liegt der Verbrauchspreis für den Liter aus dem Wasserhahn in Frankfurt bei gerade mal 0,2 Cent.

"Trinkwasser ist meiner Meinung nach viel zu billig", sagt Heilig. "Es ist unser kostbarstes Gut, und deshalb müssen wir mit dieser Ressource sehr viel verantwortungsbewusster umgehen."

Mehr trockene und heiße Tage

Die Politikerin spielt auf ein Problem an, dass Kommunen und örtliche Versorger gleichermaßen betrifft: Der Klimawandel führt zu größeren Schwankungen bei den Grundwasserspiegeln. Trinkwasser wird an manchen Tagen in manchen Regionen rar. Das Umweltbundesamt erwartet, dass in Zukunft "mehr Nutzer*innengruppen als heute um eine knapper werdende Ressource konkurrieren". Im Fokus stehen dabei die heißen, trockenen Sommertage, die die Wasserwirtschaft als Spitzenlasttage bezeichnet. Deren Zahl wird laut Meteorologen und Klimaforschern in Zukunft steigen. Das hat negative Konsequenzen für die Trinkwasserversorgung.

Manche Kommunen mussten in der Vergangenheit schon Verbote aussprechen: Die Bürger durften zum Beispiel Swimmingpools nicht mehr mit Trinkwasser füllen, kein Auto mehr damit waschen oder den Rasen nur noch mit Regenwasser sprengen. Denn die Wasserversorger können an kritischen Tagen mit hohem Verbrauch nicht einfach die Förderung ausweiten. Die Behörden geben Grenzwerte für den örtlichen Grundwasserspiegel vor, die nicht unterschritten werden dürfen.

Die Oberhessischen Versorgungsbetriebe (OVAG), die unter anderem den Großraum Frankfurt mit Trinkwasser beliefern, mussten in der Vergangenheit schon häufiger die Fördermenge aus ökologischen Gründen drosseln. Um langfristig dennoch genügend Wasser an die Main-Metropole liefern zu können, setzt der Versorger auf ein größeres Fernleitungssystem. So wurde 2016 zum Beispiel eine neue Leitung zu einem benachbarten Versorger in Mittelhessen gelegt. Kosten für den Bau: 13 Millionen Euro.

Höherer Aufwand, höhere Kosten

Kommunen und deren Versorgungsunternehmen müssen sich wegen des Klimawandels somit auf langfristig höhere Kosten einstellen. Wie hoch die sein werden, wollte im Sommer der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) von seinen Mitgliedern wissen. An der Umfrage nahmen bundesweit mehr als 100 Wasserförderer teil. Ergebnis: In den vergangenen zehn Jahren haben die Unternehmen 400 Millionen Euro für Klimaanpassungskosten ausgegeben. Für die nächsten zehn Jahre erwarten sie Kosten von 1,2 Milliarden Euro - dreimal so viel.

Das Geld brauchen sie, um neue Brunnen zu bauen und damit neue Trinkwasserquellen zu erschließen, für neue Leitungen, für den Ausbau von Werken und Hochbehältern zur Wasserspeicherung, für ein umfangreicheres Umwelt-Monitoring. "Das kostet alles Geld. Und letztendlich müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher diese Mehraufwendungen zahlen", sagt OVAG-Vorstand Joachim Arnold.

Auch für Karl-Ulrich Rudolph sind die höheren Kosten auf den ersten Blick nachvollziehbar. Der Wissenschaftler leitet das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke und betreut Trinkwasserprojekte auf mehreren Kontinenten: "Wenn gesagt wird, wir müssen für Wasserspeicherung sorgen, um über lange Trockenzeiten hinwegzukommen, dann sind natürlich Zusatzinvestitionen notwendig."

Rudolph kritisiert aber, dass manche Wasserversorger in Deutschland lange zu wenig getan hätten. Es sei ein Sanierungsstau entstanden, "weil die Gelder, die mit den Wassergebühren erhoben worden sind, nicht reinvestiert wurden". Marode Wasserleitungen aber seien nicht effizient.

Trinkwasser doppelt nutzen

Um die angespannte Trinkwassersituation langfristig zu entschärfen, denken immer mehr Kommunen in Deutschland darüber nach, wie sich Wasser einsparen lässt oder doppelt genutzt werden kann. Vereinzelt gibt es Wohngebäude, in denen Regen- oder Duschwasser für die Toilettenspülung wiederverwendet wird - nachdem es zuvor gereinigt wurde.

"Bei allen Neubaugebieten muss das verpflichtend sein", fordert Umweltdezernentin Heilig für Frankfurt. "Es kann nicht sein, dass wir weiterhin 15 Liter Trinkwasser pro Toilettengang durch die Toilette jagen. Das ist Unsinn." Allerdings treiben solche Betriebswassersysteme die Wohnkosten für Mieter und Eigentümer in die Höhe. Denn in den Gebäuden muss eine zweite Wasserleitung gelegt werden. Egal, wie man es wendet: Billiger wird das Wasser in Zeiten des Klimawandels bestimmt nicht.

Über dieses Thema berichtete der HR in der Sendung MEX am 10. November 2021 um 20:15 Uhr.

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Moderation 21.11.2021 • 18:18 Uhr

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