Ladesaeule fuer Elektroautos an einem Autohof | picture alliance / SvenSimon

Verkauf der "THG-Quote" Geld einnehmen mit Elektroautos

Stand: 08.02.2022 12:47 Uhr

Der Elektroautohersteller Tesla hat viel Geld verdient mit dem Verkauf von Verschmutzungsrechten an die Konkurrenz. Auch Besitzern von E-Autos winken seit Kurzem Einnahmen.

Von Mark Ehren, tagesschau.de

Bis vor einigen Jahren sah es so aus, als verdiene der US-Elektroautohersteller Tesla in erster Linie Geld mit dem Verkauf von Verschmutzungsrechten. Inzwischen hat sich das geändert. Neu ist: Seit Beginn des Jahres können auch Besitzer von Elektroautos in Deutschland Geld mit Hilfe ihres Fahrzeugs einnehmen.

Hintergrund ist die sogenannte "Treibhausgasminderungsquote" (THG-Quote). Halter von Elektroautos können eingespartes CO2 an Konzerne verkaufen, die Kraftstoffe produzieren und die gesetzlich vorgegebene Senkung des Ausstoßes nicht selbst erfüllen können. Die Unternehmen entgehen durch den Kauf Strafzahlungen für die CO2-Emissionen ihrer Produkte.

Vorgaben immer strenger

Die THG-Quote wird in den kommenden Jahren nach und nach verschärft. Derzeit beträgt sie sieben Prozent und steigt bis 2030 auf 25 Prozent. Bisher reichte es für Tankstellenketten wie Aral und Shell, Benzin oder Diesel Biokraftstoff beizumischen. So liegt bei der Benzin-Sorte E10 der Anteil von Biokraftstoff bei bis zu zehn Prozent, Diesel darf es bis zu sieben Prozent betragen. Da diese Anteile aus Gründen des Motorschutzes in Zukunft wohl nicht weiter steigen dürften, werden die Ölmultis in Zukunft wohl noch mehr Verschmutzungsrechte einkaufen müssen.

Der Wert der Verschmutzungsrechte wird dabei wie folgt berechnet: Für das laufende Jahr kalkuliert das Bundesumweltministerium mit einem Stromverbrauch von knapp 2000 Kilowattstunden pro Elektroauto. Daraus ergibt sich nach der Berechnungsformel eine Treibhausgasminderungsquote von rund einer Tonne CO2, die weiterverkauft werden kann.

Nicht nur für Elektroautos

Seit Beginn des laufenden Jahres sind auch Halter von reinen Elektroautos, elektrischen Motorrädern und einigen E-Rollern berechtigt, ihre THG-Quote zu verkaufen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob das Fahrzeug gekauft, finanziert oder geleast wurde. Plugin-Hybrid-Fahrzeuge und Hybridautos gehen leer aus, da sie über Verbrennungsmotoren verfügen.

Nachweis für den Fahrzeugbesitz ist dabei die Fahrzeugbescheinigung 1, häufig noch auch Fahrzeugschein bezeichnet. Die Meldung an den Dienstleister muss bis zum Ende des Jahres passiert sein, pro Fahrzeug und Jahr ist nur eine Anmeldung möglich. Dabei ist unerheblich, wie viele Kilometer das Fahrzeug im Jahr bewegt und mit welchem Strommix es geladen wird. Die von den Fahrzeughaltern nicht verkauften THG-Quoten fallen übrigens an den Bund - die Einnahmen fließen in den Bundeshaushalt.

Viele Zwischenhändler, aber auch Fallstricke

In der Praxis ist es nicht möglich, dass einzelne Kraftfahrzeughalter ihre THG-Quote direkt an die Öl-Multis zu verkaufen, da das Geschäft zu kleinteilig wäre. Stattdessen wickeln spezielle Dienstleister die Transaktion ab. Inzwischen buhlen Dutzende Anbieter um die Elektroautobesitzer. Die in Aussicht gestellten Summen liegen dabei häufig zwischen 200 bis 350 Euro im Jahr; mal sind sie fix, mal variabel. Auch bei Auszahlungszeitpunkt gibt es Unterschiede.

Für Privatpersonen ist es zudem nicht ganz einfach, das Dickicht der Anbieter zu durchschauen. "In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) fehlt oft eine Auszahlungsgarantie der THG-Vergütung in Höhe der beworbenen Summe", heißt es dazu vom ADAC. Manche Zwischenhändler behielten sich sogar das Recht vor, die an sie übertragene THG-Quote gar nicht erst zu verkaufen - und dann auch kein Geld auszuzahlen.