Touristen in Bangkok an einem Stand, der Cannabisprodukte verkauft | EPA

Cannabisprodukte in Thailand Auf einen Haschkeks nach Bangkok

Stand: 14.08.2022 15:10 Uhr

Von der illegalen Droge zur schmackhaften Zutat: Thailand hat eine der liberalsten Marihuana-Regelungen der Welt, das Land hofft auf Wohlstand. Auch auf den Tellern landen inzwischen viele Hanfprodukte.

Von Dörte Cochelin, ARD-Studio Singapur

"Don't panic it's organic" steht an der Schaufensterscheibe eines Coffeeshops in Bangkok. So locker sieht Thailands Regierung den Konsum von Cannabis noch nicht sehr lange. Im Jahr 2018 wurde Marihuana zunächst nur für medizinische Zwecke legalisiert, und erst seit Juni 2022 ist Anbau und Konsum von Cannabis entkriminalisiert.

In der Vergangenheit hatten Drogendelikte eine Gefängnis- oder sogar die Todesstrafe zur Folge. Hinrichtungen waren Teil des "Kriegs gegen die Drogen" des damaligen Premierministers Thaksin Shinawatra. Die Gefängnisse waren überfüllt, Hunderte von Drogenverdächtigen wurden hingerichtet. Im Juni 2022 wurden nach der Gesetzesreform mehr als 3000 wegen Cannabisdelikten inhaftierte Gefangene freigelassen. In anderen Ländern der südostasiatischen Region wie Singapur, Malaysia und den Philippinen herrschen nach wie vor strenge Gesetze. Touristen, die nach Südostasien reisen, werden seit langem vor den harten Strafen gewarnt, die ihnen drohen, wenn sie auch nur mit kleinen Mengen Marihuana erwischt werden. 

In einem Geschäft in Bangkok werden verschiedene Cannabisprodukte verkauft | REUTERS

Wirtschaftsfaktor Haschkeks: Seit der Legalisierung gibt es in Thailand immer mehr Geschäfte, die sich auf den Verkauf von Cannabisprodukten spezialisiert haben. Bild: REUTERS

Die neue Wirtschaftsförderungspflanze

Und plötzlich zeigt sich Thailand von seiner liberalen Seite. Die Regierung verschenkt sogar Cannabispflanzen, um Bauern zum Anbau zu ermutigen. Es erfordert lediglich eine Registrierung per App "Plook Ganja". Neben dem kommerziellen ist auch der private Anbau legal, wenn auch auf wenige Pflanzen limitiert.

Der Minister für Gesundheit, Anutin Charnvirakul - Gestalter des neuen Gesetzes, das Thailand nun die vielleicht liberalste Marihuana-Regelung der Welt beschert - betrachtet Cannabis als "Wirtschaftsförderungspflanze". Sie solle den Thailändern neue Lebensqualität, außerdem physischen und finanziellen Wohlstand bescheren, sagte er im Juli 2022. Im Vordergrund sieht er den Gesundheitsaspekt, nicht das private Vergnügen.

Weil Cannabis als Nutzpflanze gilt, sind der Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt. Und so entwickelt sich aus dem Nichts ganz neue Geschäftsideen und Produktreihen. Das Gesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben 1181 Produkte - darunter Kosmetika und Lebensmittel, die Cannabisextrakte enthalten - zugelassen und geht davon aus, dass die Branche bis 2026 bis zu 15 Milliarden Baht (umgerechnet 435,16 Millionen Dollar) einnehmen wird.

Eine Thai-Masseurin bereitet eine Behandlung mit Cannabisöl vor | EPA

Cannabis für Körper und Seele: Öl mit dem Wirkstoff der Hanfpflanze ist bei der Thai-Massage beliebt. Bild: EPA

15-Gänge-Menü mit Hanf

Thai-Restaurants in Bangkok bieten Getränke, Nachtische, Snacks und ganze Menüs mit Hanf an. Das "Whole Weed House" hat Knoblauch-Cannabis-Chips, Lavendel-Cannabis-Tee und Cannabis-Schoko-Brownies auf seiner Speisekarte. Das "Oumi Organic Cafe" bietet Säfte mit Cannabisextrakt und grüne Haferflocken-Haschkekse an, und im japanischen Restaurant "Koko" wird ein 15-Gänge-Menü mit Hanf serviert. Es gibt Cannabis-Kochkurse, "Weed-and-Wine"-Dinner, Cannabis-Spa-Massagen, Zahnpasta mit zahnfleischberuhigendem Cannabisextrakt und vieles mehr. Alle Angebote können nur von Klienten ab 20 Jahren wahrgenommen werden, und einen gewissen Gehalt an dem berauschenden Tetrahydrocannabinol (THC) dürfen die neuen Gourmet-, Wellness- und Entspannungsprodukte nicht überschreiten.

Offiziell können kommerzielle Produkte, die von der Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde zugelassen sind, Cannabidiol (CBD) enthalten, eine Chemikalie in Cannabis, die den Konsumenten nicht high macht. Der THC-Gehalt ist auf 0,2 Prozent beschränkt. Bei Überschreitung drohen wiederum Geld- oder Gefängnisstrafen. Um Cannabis zu rauchen, muss man sich in einen Raucherraum eines zugelassenen Cannabis-Cafés begeben. Der Cannabisimport bleibt illegal. Schließlich soll die thailändische Wirtschaft vom legalisierten Cannabis-Anbau und dessen Verarbeitung profitieren.