Menschen warten in einer Schlange vor einem Covid-Testzentrum in Stralsund.  | dpa

Ansturm auf Testzentren "Wir werden völlig überrannt"

Stand: 10.12.2021 08:11 Uhr

Corona-Tests sind extrem gefragt. Am Arbeitsplatz oder im Nahverkehr gilt 3G, etwa in Kneipen manchmal 2G+ - da kommt es vor vielen Testzentren zu langen Schlangen. Auch die Tests werden knapp.

Von Melissa Faust, WDR

Kurz vor 17 Uhr an der Corona-Teststation in der Nähe des Kölner Doms: In der Schlange warten neun Menschen auf einen Corona-Test. Einer von ihnen ist Jürgen Siller. Er möchte mit Bekannten Essen gehen und eventuell danach noch in eine Bar. Da in Köln in einigen Kneipen neben der Impfung noch ein aktueller Test gefordert wird, also 2G+ gilt, möchte er vorsorgen.

Melissa Faust

Die Gründe, warum sich derzeit teilweise lange Schlangen vor den Corona-Testzentren bilden, sind unterschiedlich. Zum einen müssen Ungeimpfte für den Zugang zum Arbeitsplatz oder die Nutzung von Bus und Bahn mindestens einen Schnelltest nachweisen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Zum anderen lassen sich auch immer mehr Geimpfte wie Jürgen Siller testen. Beispielsweise wegen der 2G+-Regeln oder einer roten Corona-Warnapp; aber auch, weil die Schnelltests in Supermärkten oder im Drogeriemarkt zur Mangelware geworden sind. Vor allem früh morgens und am Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr sei der Ansturm am größten, sagen Betreiber von Testzentren.

Testknappheit an vielen Stellen

Die Zentren, in denen es seit dem 13. November wieder kostenlose Bürgertests gibt, haben teilweise Schwierigkeiten, genug Tests zu beschaffen. "Der Markt ist hinsichtlich der Beschaffung der Schnelltests schwierig. Das liegt daran, dass nach Beendigung der kostenlosen Testmöglichkeiten sich niemand getraut hat, weitere Schnelltests zu ordern", sagt der Unternehmer Dario Vrebac, der in Iserlohn ein privates Testzentrum betreibt.

In Dormagen wird unter anderem vor einem Einkaufsmarkt getestet. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, müssen die Tests sogar über ebay beschafft werden, weil der Großhändler nicht mehr liefern könne. Dadurch seien die Kosten für den Einkauf aktuell höher als die Erstattung durch die Kassenärztliche Vereinigung, so Peter Herzogenrath vom Corona-Testcenter in Dormagen.

Eine Mitarbeiterin im Corona Testzentrum am Flughafen Hamburg hält ein Teststäbchen für einen Nasen-Rachenabstrich. | dpa
Wie sind die Testzentren in Deutschland organisiert?

Die Testzentren in Deutschland werden sowohl von städtischen als auch von privaten Betreibern geführt. Beauftragt werden die privaten Stellen gemäß den jeweiligen Testverordnungen der Länder. Hinter den Zentren stehen zum Beispiel Apotheken, Rettungs- und Hilfsorganisationen oder private Unternehmen. Die Kosten für die Schnelltests müssen dann mit der örtlichen Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet werden und werden vom Bund übernommen.

Seit dem 13. November 2021 haben alle Bürger und Bürgerinnen in Deutschland Anspruch auf mindestens einen Antigen-Schnelltest (PoC-Test) pro Woche durch geschultes Personal, sofern die Testkapazitäten das zulassen.

Sowohl die Registrierung der Teststelle, die Durchführung der Tests und die Abrechnung durch die Testzentren wird dann durch lokale Behörden kontrolliert. Wer in einem Bundesland zuständig ist, regeln die infektions- und arbeitsschutzrechtlichen und medizinprodukterechtlichen Vorschriften der jeweiligen Gesundheitsministerien.

Arbeiten an der Kapazitätsgrenze

Vielerorts sprießen die Testzentren wieder aus dem Boden. Es gibt allerdings auch Teststellen wie in der Oberbergischen Apotheke in Hückeswagen in Nordrhein-Westfalen, die nicht wieder geöffnet haben. Um den Testbetrieb wieder anlaufen zu lassen, müsste man wieder Räume anmieten und Personal anwerben, heißt es dort. Aufgrund der Unsicherheit, wie lange die Nachfrage nach den Tests noch anhält, lässt man den Testbetrieb deshalb hier nicht wieder anlaufen.

Anders ist das im Dortmunder Drive-in Testzentrum "Co-Drive". Dort ist die Zahl der Tests unter der Woche nahezu explodiert. Waren es in den Monaten zuvor etwa durchschnittlich rund 40 Personen pro Tag, kommen jetzt am Tag bis zu 950 Testwillige. Gearbeitet wird an der Kapazitätsgrenze.

Gute Planung zahlt sich aus

Im Schnelltestzentrum in Siegen zahlt sich aus, dass der Betrieb nie geschlossen wurde. So habe man etwa 20.000 Tests vorrätig, was für knapp zwei Wochen reiche. "Wir sind eine von drei Teststationen bundesweit, die mit einem automatischen Laufband arbeiten, das alle Tests automatisch fotografiert, archiviert und versendet. Diese Maschine kann 110 Tests pro Stunde, in Spitzenzeiten ist diese sogar überlastet", meint Jens Kreutz aus dem Siegener Schnelltestzentrum. Mit Termin müsse man hier aber keine zehn Minuten warten.

In den Coronapoint-Testzentren in Köln wiederum blickt man entspannt auf die aktuelle Lage, auch wenn man völlig überrannt werde. Als der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn die Wiedereinführung der kostenlosen Tests verkündete, habe man hier direkt mehr als eine Million Tests bestellt. Entsprechend hoch sei deshalb auch die Nachfrage nach Tests von anderen Testzentren.

Auch beim Biotechnologie-Unternehmen CeGat, das beispielsweise auf dem Festplatz in Tübingen testet und ein eigenes Labor besitzt, ist man optimistisch: "Wir haben die Möglichkeit, unsere Testkapazitäten kurzfristig auf 2000 bis 3000 Tests am Tag auszubauen."

Ärger in der Warteschlange

Nicht selten entstehen aufgrund der Wartezeiten Pöbeleien und Streitigkeiten. "Man merkt schon, dass die Kunden aggressiver werden, aber es sind zum Glück Ausnahmen", sagt Jens Kreutz aus Siegen. An einigen Testzentren in Deutschland wurde inzwischen Sicherheitspersonal angestellt, um die Sicherheit vor Ort zu gewährleisten.

In Dormagen musste in einem Fall die Polizei gerufen werden, weil ein Kunde nach einem positiven Test nicht akzeptieren wollte, dass er in Quarantäne musste. Aber nicht überall geht es so rau zu. "Die städtische Ordnungsbehörde hat keine Kenntnis von Zwischenfällen", sagt Elke Lammerich-Schnackertz, Pressesprecherin der Stadt Lohmar im Rhein-Sieg-Kreis.

Betreiber raten zu Online-Anmeldungen

Christoph Neumeier betreibt mit seiner Firma CoviMedical bundesweit rund 100 Testzentren und rät deshalb dazu, Termine frühzeitig zu buchen und sich an den gebuchten Zeitpunkt zu halten. "Ein Online-Termin ist notwendig und verhindert Schlange und damit Infektionen", sagt Niko Gössing vom Test-Team aus Grevenbroich. Dass es in Testzentren auch schon zu Ansteckungen - wenn auch nur in wenigen Fällen - gekommen ist, beweisen Düsseldorfer Kontaktverfolgungen aus dem Sommer.

Das zeigt wiederum, dass sich das Anstehen im Freien wie bei der Teststation in Köln in der Nähe des Doms lohnen kann. Denn draußen ist das Infektionsgeschehen geringer als in Innenräumen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2021 um 08:38 Uhr.