Stromleitung

Gestiegene Energiepreise Mehr Deutsche wechseln Stromanbieter

Stand: 19.11.2021 09:23 Uhr

2020 haben so viele deutsche Haushalte ihren Stromlieferanten ausgetauscht wie lange nicht mehr. Elf Prozent schlossen einen Vertrag mit einem neuen Anbieter ab - der höchste Wert seit 2011.

Etwa 5,4 Millionen Kunden in Deutschland haben im vergangenen Jahr ihren Stromlieferanten gewechselt. Das sind nach Angaben der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts knapp elf Prozent aller Haushalte - und damit so viele wie seit 2011 nicht mehr.

2019 hatten lediglich 7,8 Prozent ihren Anbieter ersetzt, wie aus einem Entwurf des neuen Monitoringberichts für den Strom- und Gasmarkt 2020 in Deutschland hervorgeht, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Danach entscheiden sich Haushaltskunden immer häufiger direkt für einen Lieferanten, der nicht der örtliche Grundversorger ist, und damit für einen preisgünstigeren Stromliefervertrag.

Umstellung spart oft Geld

In der Zahl für 2020 sind knapp 1,4 Millionen umzugsbedingte Lieferantenwechsel enthalten. Die Herausgeber des Berichts, die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt, empfehlen Verbrauchern, sich über ihren Vertragsstatus und die aktuellen Preise ihrer Stromlieferanten zu informieren und diese mit denen anderer Lieferanten zu vergleichen. "Eine Umstellung des Vertrages beim bestehenden Lieferanten oder der Wechsel des Lieferanten sind in den meisten Fällen mit einer Ersparnis verbunden", heißt es in dem Bericht.

Wie viel sich sparen lässt, hängt stets vom jeweiligen Wohnort und dem Preis des alten Tarifes ab. Vor den Turbulenzen am Strommarkt und den massiv steigenden Preisen brachte ein neuer Vertrag laut Stiftung Warentest oft 100 Euro oder mehr pro Jahr. Besonders diejenigen können profitieren, die noch nie etwas verändert haben und noch in der Grundversorgung sind.

Grundversorger weiter mit hoher Stellung

Dem Monitoringbericht zufolge sind das derzeit 62 Prozent der Haushaltskunden. Dabei entfallen rund 25 Prozent auf die klassische Grundversorgung. Dabei handelt es sich um einen Standard-Tarif, mit dem jeder automatisch mit Energie versorgt wird. Die übrigen 37 Prozent werden über einen Vertrag mit dem örtlichen Grundversorger, aber außerhalb der Grundversorgung, beliefert.

"Die Stellung der Grundversorger in ihren jeweiligen Versorgungsgebieten bleibt damit stark", schreiben die Behörden. Als Grundversorger wird nach dem Energiewirtschaftsgesetz ein Energieversorgungsunternehmen bezeichnet, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Haushaltskunden beliefert.

Die übrigen 38 Prozent haben mittlerweile einen Vertrag bei einem Lieferanten, der nicht der örtliche Grundversorger ist. Dabei ist die Auswahl groß: Im Durchschnitt konnten Haushaltskunden 2020 in ihrem jeweiligen Netzgebiet zwischen 142 Stromanbietern wählen. 2019 waren es noch 138. Unterstützung bei der Wahl des passenden Lieferanten bieten Vergleichsportale und automatische Wechseldienste, die nicht nur einmalig helfen, sondern dauerhaft Tarife vorschlagen.

Deutsche zahlen global fast am meisten

Der Strompreis hat in diesem Monat zum siebten Mal in Folge ein Rekordhoch erreicht. Dem Vergleichsportal Check24 zufolge zahlt ein Musterhaushalt (5000 kWh) aktuell im Schnitt 1573 Euro im Jahr für Strom, also einen durchschnittlichen Preis von 31,5 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Im November 2020 waren es noch 1468 Euro und damit rund sieben Prozent weniger. Hauptgrund sind die explodierenden Preise im Großhandel.

Im internationalen Vergleich geben deutsche Verbraucher enorm viel Geld für Strom aus, wie eine Verivox-Analyse zeigt. Unter den G20-Ländern habe Deutschland mit großem Abstand die teuerste Elektrizität. In Italien und Großbritannien, die Platz zwei und drei belegen, seien die Strompreise danach rund zehn beziehungsweise 12,5 Cent günstiger.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. November 2021 um 09:50 Uhr.