Stromausfall

Bereits vor Energiekrise Strom- und Gassperrungen gestiegen

Stand: 07.10.2022 09:09 Uhr

Wenn Verbraucher ihre Strom- oder Gasrechnungen nicht zahlen, droht im schlimmsten Fall die Abschaltung. Schon 2021 ist die Zahl der Sperrungen gestiegen. In diesem Jahr dürfte es noch mehr treffen.

Schon vor dem dramatischen Anstieg der Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs hat die Zahl der Strom- und Gassperren wegen unbezahlter Rechnungen wieder zugenommen. 2021 erhöhte sich die Zahl der Stromsperrungen in Deutschland um gut zwei Prozent auf rund 235.000, wie aus Zahlen für den neuen Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt hervorgeht, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen. Beim Gas waren es sogar zwölf Prozent, sodass die Abschaltungen auf rund 27.000 stiegen.

Nachgeholte Sperrungen aus dem ersten Corona-Jahr

Damit waren hierzulande etwa 0,4 Prozent aller Stromkunden und rund 0,2 Prozent aller Gaskunden in Deutschland im vergangenen Jahr von Lieferstopps betroffen. Der Anstieg ist laut dem Bericht teilweise auf nachgeholte Sperrungen aus dem Jahr 2020 zurückzuführen. Durch die Corona-Krise in finanzielle Nöte geratene Bürger hatten im ersten Jahr der Pandemie zeitweise ein sogenanntes Leistungsverweigerungsrecht. Ihnen mussten Zahlungen für Strom und andere Leistungen der Daseinsvorsorge gestundet werden.

Ein Großteil der Lieferanten verzichtete zudem freiwillig auf Sperrungen ihrer Kunden. Dadurch haben die Energieversorger nur rund 230.000 Verbrauchern in Deutschland wegen unbezahlter Rechnungen den Strom abgestellt - fast 20 Prozent weniger als 2019. Auch die Zahl beim Gas war um 22 Prozent gefallen.

Im Jahr 2021 hat ebenfalls rund die Hälfte der von der Bundesnetzagentur befragten Strom- und Gaslieferanten auf eine Sperrung freiwillig verzichtet. Dennoch fiel das Leistungsverweigerungsrecht weg und die Zahlungen konnten nicht mehr aufgeschoben werden - und die Zahl der Abschaltungen erhöhte sich wieder.

2022 dürfte Zahl der Sperrungen weiter steigen

Für 2022 liegen nach Angaben der Behörden noch keine Daten vor. Der Anstieg der Energiekosten im Jahr 2022 könne allerdings dazu führen, dass noch mehr Strom- und Gaskunden mit ihren Rechnungen in Zahlungsverzug geraten. Dadurch sei letztlich ein erneuter Anstieg der Sperrungen möglich, hieß es.

In diesem Jahr dürften die Energiekosten rasant steigen. Nach einer Untersuchung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online verteuert sich zum Beispiel das Heizen einer durchschnittlichen 70-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit Erdgas um deutlich mehr als die Hälfte - um 67 Prozent und damit 550 Euro mehr im Jahr. Mehr als jeder dritte Deutsche rechnet dadurch mit Bezahlproblemen bei Energierechnungen im kommenden Winter, wie im September aus dem ARD-Deutschlandtrend hervorging.

Um die Belastungen zu senken, drückt die Bundesregierung unter anderem den Strompreis mit einem Milliardenzuschuss und plant eine Gaspreisbremse. Die Vorsitzende der Gaspreiskommission, die Wirtschaftsweise Veronika Grimm, dämpfte jedoch die Erwartungen an die Maßnahme. Da Deutschland dauerhaft seine Energieabhängigkeit von Russland beende, werde der Gaspreis "aufgrund der höheren Flüssiggas-Beschaffungspreise trotz einer Gaspreisbremse deutlich höher bleiben als vor dem russischen Überfall auf die Ukraine", sagte Grimm heute der Funke-Mediengruppe.

Abschaltung erst nach zwei Monaten und bestimmter Summe

Für die Sperrung von Strom und Gas gelten strenge Vorgaben. In der Grundversorgung darf eine Sperrung erst bei einem Zahlungsverzug von zwei Monatsabschlägen und mindestens 100 Euro durchgeführt werden. Wenn kein Monatsabschlag vereinbart ist, muss der Zahlungsverzug mindestens ein Sechstel des voraussichtlichen Jahresbetrags ausmachen. Dies gilt nunmehr auch im Gasbereich, in dem es bisher keine Untergrenze gab.

Zahlt ein Kunde eine fällige Forderung seines Lieferanten nicht, erhält er zunächst eine kostenpflichtige Mahnung. Eine Unterbrechung der Energieversorgung wird frühestens vier Wochen nach der Sperrandrohung durchgeführt. Das konkrete Datum der Sperrung muss dem Kunden acht Werktage im Voraus angekündigt werden.

Eine Sperrung ist darüber hinaus nicht zulässig, wenn sie unverhältnismäßig ist. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn dadurch eine konkrete Gefahr für Leib oder Leben der dadurch Betroffenen besteht. Im vergangenen Jahr erhielten rund vier Millionen Stromkunden und etwa eine Million Gaskunden eine Sperrandrohung. Den Monitoringbericht 2021 wollen die Behörden Ende November veröffentlichen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 07. Oktober 2022 um 08:30 Uhr.