Stromzähler | dpa

Hohe Strompreise Strengere Regeln für Energieversorger geplant

Stand: 24.01.2022 10:52 Uhr

Die Bundesregierung will Strom- und Gaskunden besser vor unkalkulierbaren Preissprüngen schützen. Grund sind die Kündigungen von Lieferverträgen - und das Geschäftsgebaren mancher Anbieter.

Die Bundesregierung plant eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes, um zukünftig kurzfristige Kündigungen von Strom- und Gasverträgen durch Billiganbieter sowie Preissprünge zu verhindern. "Wir dürfen die Verbraucher nicht nochmal so im Regen stehen lassen", sagte Oliver Krischer (Grüne), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, der Nachrichtenagentur dpa.

Laut Krischer will sich die Bundesregierung für einheitliche Tarife in der sogenannten Grundversorgung einsetzen, damit Neukunden nicht teilweise ein Vielfaches im Vergleich zu den Bestandskunden bezahlen müssen. "Gesplittete Grundversorgungstarife sind am Ende nur ein unnötiges Beschäftigungsprogramm für Gerichte, was wir vermeiden wollen." Mit gesplitteten Tarifen sind unterschiedliche Konditionen für Neu- und Bestandskunden gemeint.

Längere Fristen für die Kündigung

Betroffene Verbraucherinnen und Verbraucher fallen bei einer kurzfristigen Kündigung durch Strom- und Gasanbieter in die sogenannte Ersatzversorgung beim Grundversorger der jeweiligen Kommune. Nach drei Monaten folgt dann ein Wechsel in die Grundversorgung, wenn die Kunden sich nicht bereits einen anderen Anbieter gesucht haben.

"Das war und ist eine große Belastung für viele Menschen und ein großer Schock, auf einmal eine Kündigung des Gas- oder Stromanbieters im Briefkasten vorzufinden", sagte Krischer. Nach den Plänen der Bundesregierung soll eine Aufkündigung von Gas- oder Stromlieferungen zudem künftig mehrere Monate im Voraus angekündigt werden müssen. Verbraucher sollten sich in Ruhe einen neuen Versorger suchen könnten, so der Staatssekretär.

Strom zu Höchstpreisen an Großkunden verkauft?

Einige Strom- und Gasanbieter hatten nach extremen Preissprüngen an den Energiebörsen teilweise rückwirkend die Belieferung mit Strom bzw. Erdgas eingestellt. Offenbar hatten sich manche Anbieter nicht mit Hilfe von längerfristigen Termingeschäften gegen Preissprünge abgesichert, sondern mussten die benötigten Strommengen kurzfristig am sogenannten Spotmarkt zu Höchstpreisen einkaufen.

Medienberichten zufolge untersucht die Bundesnetzagentur sogar, ob einzelne Billiganbieter ihre günstig eingekauften Strommengen möglicherweise lieber zu Höchstpreisen an Großkunden verkauften und ihren Privatkunden deswegen kündigten.

Erhöhungen auf breiter Front

Wie stark Privatkunden derzeit von hohen Energiekosten betroffen sind, zeigt eine Untersuchung des Vergleichportals Check24. Demnach steigt die Zahl der Preiserhöhungen in der Grundversorgung weiter an. Insgesamt habe man seit dem vergangenen August insgesamt 2011 Preiserhöhungen in der Strom- und Gasgrundversorgung verzeichnet, hieß es. 769 Preiserhöhungen beträfen dabei sogenannte Neukundentarife in der Grundversorgung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Januar 2022 um 07:33 Uhr.