Hand füllt eine Einkommensteuererklärung mit einem Kugelschreiber aus | dpa
Hintergrund

Abgabefrist endet Endspurt zur Steuererklärung

Stand: 26.10.2021 18:25 Uhr

Eilige Terminsache: In weniger als einer Woche muss die Einkommensteuererklärung 2020 beim Finanzamt ankommen. Die Erklärung für das vergangene Jahr ist für viele Bürger verpflichtend - und kann sich lohnen. Ein Überblick.

Das Corona-Jahr 2020 hat Auswirkungen auch auf die Besteuerung vieler Millionen Bundesbürger. Die verlängerte Frist bis Ende Oktober sollte genutzt werden, um die Einkommensteuererklärung fristgerecht einzureichen. Viele Steuerzahler können dabei auf Rückerstattungen hoffen.

Verspätungszuschlag droht

Bei der Frist, die wegen der Corona-Krise bis zum 31. Oktober verlängert wurde, gibt es allerdings vom Fiskus kaum Pardon. Eine Fristverlängerung gewährt das Finanzamt nur, wenn die Verzögerung nicht selbst verschuldet wurde. Wer allerdings seine Steuererklärung mithilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins macht, der hat bis Ende Mai 2022 Zeit. Steuerzahler, die dieser Tage auf den letzten Drücker an ihrer Erklärung feilen, haben allerdings genau genommen bis zum 1. November Zeit, denn der 31. Oktober fällt auf einen Feiertag. Und wessen Bundesland den 1. November als Feiertag Allerheiligen begeht, dessen Frist läuft sogar erst am 2. November aus.

Bei verspätet abgegebenen Steuererklärungen droht dann aber ein Verspätungszuschlag, der 0,25 Prozent der erhobenen Steuer, mindestens aber 25 Euro pro Monat beträgt.

Mehr Steuerpflichtige

Die Corona-Krise macht die Einkommensteuererklärung für viele Steuerpflichtige komplizierter, aber in vielen Fällen auch sinnvoller. Verpflichtet zur Abgabe der Erklärung ist, wer mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld oder andere Lohnersatzleistungen erhalten hat, das waren 2020 viel mehr Arbeitnehmer als in den Vorjahren. Auch immer mehr Ruheständler sind zur Erklärung verpflichtet. Wer alleinstehend ist, 2021 in Rente ging und mehr als 1170 Euro Rente pro Monat erhält, muss die Erklärung abgeben. Im Jahr zuvor lag dieses Grenzeinkommen bei 1185 Euro. Das Alterseinkünftegesetz, das die nachgelagerte Besteuerung bei Renten vorsieht, sorgt dafür.

Mit der "Anlage Corona-Hilfen" werden erhaltene Zuschüsse, Überbrückungshilfen und Soforthilfen ausgewiesen, die Freiberufler, Kleinunternehmer und Betriebe erhalten haben. Auch wer von diesen Berufsgruppen keine dieser Hilfen erhalten hat, muss dies hier erklären.

Homeoffice absetzen

Für viele Steuerpflichtige ist aber die Einführung der Homeoffice-Pauschale die wichtigste Neuerung: Für das vergangene Jahr können fünf Euro für jeden Tag im Homeoffice, maximal aber 600 Euro, als Werbungskosten berücksichtigt werden. Für diese Tage kann allerdings keine Fahrtkostenpauschale in Anspruch genommen werden. Dabei muss kein separates Arbeitszimmer nachgewiesen werden. Wer dies aber tut, der kann insgesamt sogar 1250 Euro geltend machen, wenn er anteilige Ausgaben wie Miete, Versicherungen und andere Nebenkosten ansetzt. Auch Ausgaben fürs Homeoffice können als Werbungskosten angesetzt werden, vorausgesetzt, sie werden zu mindestens 90 Prozent beruflich genutzt. Dabei können Anschaffungen für bis zu 800 Euro je Gerät oder Möbelstück (ohne Mehrwertsteuer) direkt angesetzt werden. Ein Computer, der teurer war, kann über drei Jahre abgeschrieben werden, für Büromöbel gelten andere Zeiträume.

Das Corona-Jahr kann für viele Arbeitnehmer aber auch zu Nachzahlungen ans Finanzamt führen. Das Kurzarbeitergeld als staatlicher Zuschuss wird bei der Berechnung der Einkommensteuer zum Gehalt hinzugezählt. Damit erhöht sich im Nachhinein entsprechend der Steuersatz.

Corona-Bonus nicht steuerrelevant

Dagegen verursacht ein Corona-Bonus, den Arbeitnehmer während der Pandemie erhalten haben, keine Steuern und Abgaben. Dieser kann auch noch bis spätestens März 2022 gezahlt werden und darf insgesamt 1500 Euro nicht überschreiten. Er kann in mehreren Teilen ausgezahlt werden. Diese Prämie muss auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden.

Der Kinderbonus in Höhe von 300 Euro, den Familien im vergangenen Jahr für jedes Kind erhalten haben, für das sie Anspruch auf Kindergeld haben, kann allerdings steuerliche Folgen haben. Kindergeld oder entsprechende Freibeträge werden vom Finanzamt mit dem Kinderbonus verrechnet. Gerade bei höheren Einkommen kann dann der Kinderbonus unter dem Strich wieder aufgezehrt werden.

Steuerbescheid genau prüfen

Wer in der Pandemie als Impfhelferin oder -helfer freiwillig tätig war, kommt in den Genuss einer steuerlichen Entlastung. Laut einer von Bund und Ländern beschlossenen Sonderregelung können die Freiwilligen einen Freibetrag von 3000 Euro nutzen, der auch etwa für Übungsleiter in Sportvereinen gilt.

Experten empfehlen, nicht nur bei der Steuererklärung für das Corona-Jahr 2020 besonders sorgfältig vorzugehen: Auch bei der Prüfung des Steuerbescheids sollte man genau hinschauen. Auch für die Finanzbehörden sind einige Regelungen Neuland. Einspruch gegen einen Bescheid muss man binnen eines Monats einlegen. Findet sich im Bescheid ein Fehler zugunsten des Steuerzahlers, muss dieser ihn aber nicht melden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 23. Oktober 2021 um 13:10 Uhr.