Die Spritpreise werden an einer Tankstelle am frühen Morgen angezeigt. | dpa

Diesel und E10 verteuert Höhere Spritpreise vor Tankrabatt-Start

Stand: 30.05.2022 14:31 Uhr

Die Preise für Diesel und Super E10 sind in den vergangenen Tagen erneut gestiegen. Der vom Bund beschlossene Tankrabatt in Form einer Steuersenkung greift ab Mittwoch. Die Preise dürften aber nur schrittweise sinken.

Kurz vor dem Start des Tankrabatts und der damit verbundenen Steuerentlastung ab dem kommenden Mittwoch haben die Spritpreise an den Tankstellen wieder kräftig zugelegt. Sowohl Benzin als auch Diesel haben sich im Vergleich zur vergangenen Woche um mehrere Cent verteuert, wie der ADAC mitteilte.

So kostete Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt am gestrigen Sonntag 2,129 Euro pro Liter - und damit 3,9 Cent mehr als am Dienstag vergangener Woche. Diesel schlug mit 2,026 Euro zu Buche: ein Plus von 3,2 Cent pro Liter.

Spritpreise trotz Tankrabatt höher als vor dem Ukraine-Krieg

Bei Super E10 setzt sich damit ein seit rund einem Monat anhaltender Aufwärtstrend fort. Ende April war der Kraftstoff noch mehr als 17 Cent billiger als derzeit. Bei Diesel bedeutet es dagegen eine Trendwende nach mehreren Wochen mit Abwärtstendenz. Beide Werte bezeichnet der ADAC als zu hoch. Den jüngsten Anstieg führt der Automobil-Club allerdings auf gestiegene Ölpreise zurück.

Zuletzt hatte es auch Spekulationen gegeben, dass der Anstieg der vergangenen Wochen mit der erwarteten Entlastung ab Mittwoch zu tun haben könnte und sich die Mineralölkonzerne ein finanzielles Polster aufbauen wollten. Allerdings ist Deutschland mit dem Anstieg der Superbenzinpreise seit Ende April nicht alleine, wie Daten der EU-Kommission zeigen. Im Vergleich 25. April zum 23. Mai - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor - ergibt sich für 14 europäische Länder ein stärkerer Preisanstieg für die Sorte E5 als in Deutschland.

Angesichts der jüngsten Anstiege könnten die Spritpreise auch nach der Gewährung des Tankrabatts durch eine Steuersenkung noch höher sein als vor Beginn des Ukraine-Krieges. Am Tag vor dem russischen Angriff hatte E10 noch 1,750 Euro pro Liter gekostet, Diesel 1,663 Euro. Die steuerliche Entlastung beträgt - inklusive Mehrwertsteuer - bei Benzin 35,2 Cent pro Liter, bei Diesel 16,7 Cent. Selbst wenn beides komplett weitergegeben werden sollte, bliebe bei E10 ein leichtes, bei Diesel ein deutliches Plus übrig.

Steuerlast sinkt nur sukzessive

Zudem rechnet das Bundesfinanzministerium damit, dass das Tanken trotz der niedrigeren Kraftstoffsteuer erst nach und nach billiger wird. Die Steuerlast der an den Tankstellen abgegebenen Kraftstoffe sinke sukzessive, hieß es zu Wochenbeginn. Wurden Kraftstoffe bereits im Mai an die Tankstelle geliefert, so seien sie noch mit den alten und höheren Steuern belastet. Diese Kraftstoffe würden nach und nach verkauft, gegebenenfalls auch noch im Juni. Die Energiesteuer fällt nicht erst beim Tanken an, sondern in Raffinerien und Tanklagern.

Die Mineralölkonzerne sollen die Steuersenkung an den Zapfsäulen an die Kunden weitergeben. Verpflichtet dazu sind sie allerdings nicht. Darüber hinaus ist der Prozess aufgrund der verschiedenen Elemente bei der Preisgestaltung an der Zapfsäule schwer überprüfbar. Strengere Vorgaben der Markttransparenzstelle beim Bundeskartellamt sollen die Weitergabe sicherstellen.

Bundesfinanzminister Christian Lindner schrieb auf Twitter: "Wir lassen die Menschen nicht allein, die auf das Auto angewiesen sind. Vom hohen Spritpreis sollte der Staat nicht noch profitieren." Dass der "Tankrabatt" bei den Menschen ankomme, sei nun "Aufgabe von Kartellamt und Co.".

Kartellamt und ADAC beobachten Preisentwicklung

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, sagte den Sendern "RTL" und "ntv", dass seine Behörde die Preisentwicklung nach dem Start des Tankrabatts genau beobachten wird. Seine Behörde schaue "intensiv auf den 1. Juni". Würden Preissenkungen nicht an die Verbraucher weitergegeben, werde das Kartellamt den Mineralölkonzernen "unangenehme Fragen" stellen.

Mundt zufolge hat das Bundeskartellamt schon vor einiger Zeit begonnen, die Preise intensiver zu beobachten. "Wir müssen ja am Ende auch hoffen, dass die Preissenkungen nicht nur temporär, sondern dauerhaft bei den Verbrauchern ankommen", sagte er. Es sei möglich, "ein Maximum an Transparenz für die Öffentlichkeit und die Politik herzustellen, wie mit dieser Steuersenkung auf der Seite der Mineralölkonzerne umgegangen wird." Die entsprechenden Fragen "werden wir stellen und die Antworten werden wir auch bekommen."

Auch der ADAC kündigte bereits an, die Preisentwicklung an der Zapfsäule genau zu beobachten und fordert: "Wir erwarten, dass die Steuersenkung ab 1. Juni in vollem Umfang an die Verbraucher weitergegeben wird. Zudem besteht angesichts des überhöhten Niveaus reichlich Potenzial für Preissenkungen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Mai 2022 um 13:00 Uhr.