Touristen sitzen auf der Terrasse eines Restaurants auf Mallorca (Spanien). | AFP

Steigende Buchungszahlen Wohin die Deutschen im Sommer reisen

Stand: 01.06.2021 08:22 Uhr

Nach Monaten der Lockdowns und Unsicherheiten kehrt die Reiselust zurück. Die schnell wachsende Nachfrage lässt auch die Preise steigen. Was buchen die Deutschen für den Sommer?

Von Gerrit Rudolph und Naima Kunze, HR

Nach 14 Monaten Stillstand bewegen sich wieder Flugzeuge auf der Nordwestlandebahn und Reisende im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens. Die Nordwestlandebahn des größten deutschen Airports musste als gigantischer Parkplatz für vorübergehend stillgelegte Flugzeuge herhalten, und das Terminal 2 war wegen des dramatisch eingebrochenen Flugverkehrs komplett geschlossen. Ab dem heutigen 1. Juni werden hier wieder 48 Airlines aktiv sein. Sie fliegen von hier vor allem touristische Ziele an. Ein Geschäft, das jetzt wieder Fahrt aufnimmt. Auch die größte deutsche Gesellschaft Lufthansa nimmt in den nächsten Wochen 20 weitere Flugzeuge wieder in Betrieb. Die Buchungen ziehen spürbar an, berichten Lufthansa und auch der Ferienflieger Condor, ebenso wie der Pauschalreiseanbieter TUI.

Eine Passagiermaschine startet vom Flughafen Frankfurt. | dpa

Wieder mehr Starts am Frankfurter Flughafen: Vor allem touristische Ziele steuern die Airlines an. Bild: dpa

Die Reiselust der Deutschen erwacht nach der pandemiebedingten Zurückhaltung. Das spürt auch Nina Orschel. In ihrem Reisebüro in Wiesbaden hat sie wieder gut zu tun. Und zwar nicht mit Stornierungen wie im vergangenen Jahr, sondern mit Neubuchungen: "Die Kunden buchen wieder, allerdings noch nicht auf dem Niveau wie vor der Pandemie", sagt sie. Die Gespräche mit den Kunden seien dabei aufwändiger und komplizierter geworden. "Bei den Buchungen im Moment, die wir haben, ist der Beratungsaufwand sehr hoch. Man muss genau gucken, was sind gerade für aktuelle Bestimmungen im Zielgebiet, welchen Test muss man machen, gibt es da Ausgangssperren, sind die Kunden geimpft?"

Kaum Fernreisen nachgefragt

Die Kunden wollten mehr Flexibilität, das wirke sich auch auf die Preise auf, sagt Orschel: "Die Preise sind nicht mehr so günstig, wie sie vor der Pandemie waren. Da haben wir schon eine Preissteigerung gemerkt. Das liegt auch daran, dass das Angebot nicht so üppig ist wie vor zwei Jahren." Viele Hotels seien schließlich noch geschlossen. Doch bei vielen Kunden ist die Urlaubskasse wegen des langen Verzichts offenbar gut gefüllt, so die Reiseverkehrskauffrau: "Die Leute lassen sich von den Preisen nicht abschrecken."

Hauptsächlich buchen die Menschen bei ihr zurzeit Reisen innerhalb Europas. Bei Fernreisen sind die meisten noch zurückhaltend: "Fernreisen haben wir tatsächlich noch gar keine verkauft. Der Mittelmeerraum wird bevorzugt gebucht." Diesen Trend bestätigt auch der TUI-Konzern. Dort stehen neben Mallorca vor allem die griechischen Inseln hoch im Kurs.

Beliebte Ziele: Deutschland, Spanien, Griechenland

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) beobachtet eine "weiter steigende Urlaubslust". Laut DRV-Sprecherin Kerstin Heinen nehmen die Buchungen für den Sommer seit Kurzem deutlich zu: "Neben dem Urlaub im eigenen Land sowie den angrenzenden Ländern wie Österreich, die Schweiz oder Italien sind derzeit besonders Flugpauschalreisen zu den klassischen, beliebten Urlaubszielen wie Spanien, Griechenland, Portugal, Kroatien und auch in die Türkei gefragt. Gerade in unsicheren Zeiten setzen die Menschen auf die Zielgebiete, die sie kennen und in denen sie sich gut aufgehoben fühlen." Bei den aktuell eingegangenen Buchungen für den Sommer 2021 liege die Türkei hinter Spanien und Griechenland auf Platz 3, so der DRV.

Allerdings sei zu berücksichtigen, dass es bislang gerade einmal rund ein Drittel der Buchungen im Vergleich zu 2019 - einem "normalen" Sommer ohne Corona - gegeben habe. "Mit weiter voranschreitenden Impfungen, einer schlüssigen Teststrategie und umfassenden Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wird sich das vorhandene Fernweh auch noch stärker in den Buchungen zeigen", erwartet Heinen.

Gebucht wird vor allem kurzfristig

Die jüngste repräsentative Erhebung des Flughafenverbandes ADV zeigt die Bedürfnisse der Reisenden. Die ausschlaggebenden Faktoren für die Buchung einer privaten Flugreise sind demnach der Wegfall der Quarantäne im Zielland und bei der Rückkehr nach Deutschland (50 Prozent) sowie die Aufhebung der behördlichen Reisebeschränkungen (46 Prozent). "Das individuelle Mobilitätsbedürfnis ist vorhanden, kann sich aber noch nicht voll entfalten," so die Analyse des ADV. Die Folge: Reisen werden zurzeit noch kurzfristig gebucht.

Auch wenn Spanien und Griechenland, hier vor allem Kreta, bei den Urlaubszielen der Deutschen in diesem Sommer vorne liegen - viele entscheiden sich noch gegen Flugreisen, machen lieber Urlaub mit dem Auto in Deutschland oder Österreich. Laut einer Umfrage der GfK im Februar hat sich an der Beliebtheit von Destinationen wenig geändert. In den nächsten Jahren wollen die Befragten neben Deutschland bevorzugt wieder die Balearen, Griechenland, die Türkei, Italien, die Kanaren und Österreich bereisen. "Gerade was den Deutschland-Tourismus betrifft, sehen wir eine sehr starke Nachfrage nach Ferienwohnungen, und auch die Reise mit dem Wohnmobil und der klassische Campingurlaub stehen in der Gunst der Urlauber weit oben," so die Einschätzung von DRV-Sprecherin Heinen.

Urlauber kümmern sich selbst um die Tickets

Laut einer Studie der Kieler Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) sank Deutschlands Pauschalreisen-Umsatz mit 12,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf ein Drittel des Vorjahres. Ihr Anteil an den gesamten deutschen Reiseausgaben verringerte sich von 50,9 auf 39,2 Prozent. Deutlich mehr Urlauber buchten ihre Unterkünfte, Bahn- und Flugtickets einzeln - ein Trend, der anhalten könnte. Dennoch glaubt der DRV an ein Wiedererstarken der Reisebüros: "Nach wie vor werden über 50 Prozent der Veranstalterreisen über das Reisebüro gebucht werden. Die Reisebüros punkten dabei ganz klar mit ihrer Expertise. Gerade jetzt gibt es unendlich viele Fragen bei einer Reisebuchung", so Verbandssprecherin Heinen.

Das ist genau das, was Reisebüro-Inhaberin Nina Orschel in Wiesbaden gerade viel Arbeit, aber auch viel Spaß macht. Denn wenn die Reiseverkehrskauffrau ihre Kunden persönlich beraten kann, ist sie in ihrem Element. "Wir sind froh", sagt sie über sich und ihre Mitarbeiterinnen, "dass wir wieder zu unserem eigentlichen Geschäft zurückkommen". Es sei "ein gutes Gefühl, endlich wieder gebraucht zu werden".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Mai 2021 um 14:00 Uhr.

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Moderation 01.06.2021 • 21:28 Uhr

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