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Längere Smartphone-Nutzung Handys werden seltener ausgetauscht

Stand: 09.02.2022 09:24 Uhr

Der schnelle Wechsel von einem Handy zum nächsten ist einer Studie zufolge passé. Verbraucher nutzen ihre Smartphones immer länger - in Europa im Schnitt 40 Monate. Selbst 5G reizt kaum zum Austausch der Geräte.

Laut einer Studie des Studie des Kreditversicherers Euler Hermes werden die Austauschzyklen bei Smartphones immer länger. "Verbraucher sind in den letzten Jahren nachhaltiger geworden und halten inzwischen wesentlich länger an ihren Smartphones fest", sagte der Deutschlandchef der Allianz-Tochter, Milo Bogaerts.

Dabei gibt es klare Unterschiede zwischen den Nationen. "Europäer tauschen ihre Geräte aktuell durchschnittlich nach rund 40 Monaten - das ist etwa ein Viertel länger als noch 2016." In den USA wechselten Verbraucher ihre Smartphones zwar aktuell schon nach rund 24 Monaten - aber auch dort habe sich die Nutzungsdauer der Geräte seit 2016 um 30 Prozent verlängert.

Dreistellige Milliarden-Umsätze in Gefahr

"Die Austauschzyklen werden sich auch in den kommenden Jahren verlängern. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Industrie" prognostiziert Euler-Hermes-Branchenanalyst Aurélien Duthoit. "Bis 2025 sind dadurch weltweit kumulierte Umsätze von insgesamt 134 Milliarden US-Dollar in Gefahr." Gefährdet seien vor allem kleinere Anbieter statt der Schwergewichte wie die aktuell drei größten Hersteller Apple, Samsung und Xiaomi.

Damit zeigt sich mehr und mehr, dass nicht Corona zu einem kurzfristigen Einbruch der Neukäufe geführt hat, sondern dass die längere Nutzungsdauer von Smartphones ein nachhaltiger Trend ist. Den Langzeitnutzern spielt dabei auch der technische Fortschritt in die Hände. Smartphones wurden in den vergangenen Jahren so gut, dass sie problemlos viele Jahre genutzt werden können, ohne gleich zum alten Eisen zu gehören.

5G-Geräten fehlt "Killer-Funktion"

Zugleich spricht derzeit vieles dafür, dass die Zeiten der ganz großen technologischen Sprünge erst einmal vorbei sind. Das war wiederum einst der wichtigste Treiber für Neuanschaffungen. Der relativ neue und noch wenig verbreitete schnelle Mobilfunkstandard 5G dürfte jedenfalls nach Einschätzung des Euler-Hermes-Experten Duthoit zumindest vorerst nicht als "Booster für neue Rekordjagden in der Smartphone-Industrie" taugen.

"Bisher fehlt die absolute "Killer-Funktion" bei den 5G-Geräten", so das Urteil des Analysten. "Das könnte die mangelnde Begeisterung der Verbraucher für 5G-Geräte erklären, zusammen mit der manchmal enttäuschenden mobilen Datengeschwindigkeit im Vergleich zu den theoretischen Kapazitäten." Im Umkehrschluss bedeute das: "Wer diese Killer-Funktion als erstes auf den Markt bringt, katapultiert sich mit einem Schlag ganz nach vorne."

EU plant "Recht auf Reparatur"

Derweil möchte auch die Politik im Sinne der Nachhaltigkeit die Nutzungsdauer von Smartphones verlängern. Die EU plant für Sommer 2022 die Einführung eines "Rechts auf Reparatur" für mobile Endgeräte. Dieses soll beinhalten, dass die Hersteller für mehrere Jahre Ersatzteile für ihre Smartphones vorhalten müssen. Der Verband Digital Europa stemmt sich jedoch gegen die Pläne der EU-Kommission. Dem Branchenverband gehören unter anderen Apple, Google, Huawei und Samsung an.

Wie viel sich durch nachhaltigere Geräte bewegen ließe, hatten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in einem offenen Brief an die EU-Kommission vorgerechnet: Würde man die durchschnittliche Lebensdauer von Handys auf zehn Jahre erhöhen, so würde dies jährlich 6,2 Millionen Tonnen CO2 sparen. Das würde den Klima-Fußabdruck der Geräte um 42 Prozent verringern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Januar 2022 um 11:00 Uhr.