Geschäftsstelle der Schufa  | dpa

Wirtschaftsauskunftei Wem soll die Schufa gehören?

Stand: 18.01.2022 17:32 Uhr

Seit Monaten tobt um die bekannte Kredit-Auskunftei Schufa ein Übernahmekampf. Sparkassen und Genossenschaftsbanken versuchen, einen Kauf durch den Investor EQT verhindern - bisher ohne Erfolg.

Der schwedische Investor EQT hält an seinen Plänen fest, eine Mehrheit der Anteile an der Wiesbadener Kredit-Auskunftei Schufa zu erlangen. Wie das Bundeskartellamt mitteilte, hat EQT seine Pläne zum Erwerb von bis zu 100 Prozent der Anteile und der alleinigen Kontrolle an der Schufa bei der Bonner Behörde zur Prüfung angemeldet. EQT wollte sich nicht äußern.

Deal noch nicht durch

Dabei ist die Übernahme noch lange nicht in trockenen Tüchern: Dem Investor könnten die öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Banken in die Quere kommen. Denn die zur genossenschaftlichen DZ-Bank-Gruppe gehörende Nürnberger TeamBank AG meldete ihrerseits Pläne zum "Erwerb einer Minderheitsbeteiligung und wettbewerblich erheblichen Einflusses an der Schufa Holding AG" beim Kartellamt an.

Bei ihr sind die Anteile der Volks- und Raiffeisenbanken an der Schufa gebündelt. Die TeamBank hält einer Sprecherin zufolge eine Beteiligung von 17,94 Prozent an der Schufa. Die Schufa sei "Datenlieferant für die TeamBank und die gesamte genossenschaftliche Finanzgruppe und daher für uns von hoher strategischer Bedeutung", so die Sprecherin. Es liege im Interesse der Bestandsaktionäre, "stabile Mehrheitsverhältnisse zu erlangen", um die Neutralität der Schufa langfristig zu sichern.

Zahlreiche Eigner

Tatsächlich ist die Schufa keine Behörde, sondern eine privatwirtschaftliche Auskunftei mit der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Zu ihren Aktionären gehören Kreditinstitute, Handelsunternehmen und andere Dienstleister. Eine dieser Banken, die französische Société Générale, hatte im vergangenen Jahr angekündigt, ihren Anteil von rund zehn Prozent zu verkaufen - und zwar an die schwedische Investorengruppe EQT. Die will das Geschäftsmodell der Schufa - die Bonitätsprüfung von Kreditnehmern - auf ganz Europa ausweiten.

Die Pläne stoßen jedoch bei einigen Schufa-Eignern, allen voran den Sparkassen und Genossenschaftsbanken, auf Ablehnung. Sie wollen verhindern, dass private ausländische Finanzdienstleister Einblicke in die Daten der Schufa bekommen. Auch berufen sie sich auf ein angebliches Vorkaufsrecht. Derzeit sollen Sparkassen und Genossenschaftsbanken zusammen 47 Prozent der Anteile halten. Die genaue Aufteilung der Anteilseigner ist aber nicht bekannt. Der Wert der Schufa wird auf zwei Milliarden Euro geschätzt.

Rentables Geschäft

Im Oktober letzten Jahres hatte das "Handelsblatt" berichtet, dass die schwedischen Investoren mit der Deutschen Bank, der Commerzbank und weiteren privaten Anteilseignern Gespräche zur Übernahme ihrer Anteile geführt hätten. Ob EQT dabei Gehör fand, ist offen.

Dass die Schufa Begehrlichkeiten von Investoren weckt, kann nicht überraschen, ist doch das Geschäft mit der Auskunftei hoch rentabel: So weist die Schufa bei einem Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro eine operative Marge von knapp einem Drittel aus.

Die 1927 als "Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung" in Berlin gegründete Auskunftei versorgt den Handel und die Banken in Deutschland mit Daten zur Kreditwürdigkeit ihrer Kunden und Geschäftspartner. Sie verfügt über Daten zum Zahlungsverhalten und zu Kreditverpflichtungen von 68 Millionen Bürgern.

Über dieses Thema berichtete BR24 Wirtschaft am 31. März 2021 um 16:38 Uhr.