Teilnehmer der sogenannten Schokofahrt laden zusammen Schokolade von den Fahrrädern. (Archivbild) | picture alliance/dpa

Aktion für Nachhaltigkeit Ein Fahrrad voller Schokolade

Stand: 05.04.2021 10:01 Uhr

Es ist eine Ostertour der besonderen Art: Rund 200 Radler aus ganz verschiedenen Ecken Deutschlands haben an der niederländischen Grenze Schokolade abgeholt. Das Ziel: Die Süßigkeit soll emissionsfrei sein.

Von Jens Eberl, WDR

Markus Freitag und Frank Bruse möchten gerne ohne schlechtes Gewissen in eine Tafel Schokolade beißen. Dabei geht es ihnen aber nicht um Kalorien, sondern um Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Die Idee: Die Schokolade soll emissionsfrei transportiert werden. Eine Herausforderung - schließlich hat der Kakao eine wochenlange Reise vor sich, bis er in Deutschland als Schokolade im Regal landet. Die beiden Männer sind für die letzten Kilometer zuständig. Beide sind von Münster mit dem Lastenfahrrad zur niederländischen Grenze unterwegs. Geladen haben sie jeweils mehrere Kilogramm Schokolade. "Wir möchten den Leuten gerne einen Spiegel vors Gesicht halten und sagen: Es geht auch anders", sagt Freitag.

Jens Eberl

Schokolade wird emissionsfrei transportiert

Die beiden Schoko-Radler liefern die Tafeln ehrenamtlich an Bio-Höfe in Oer-Erkenschwick und Hamm. Alle Reiseetappen seien nachhaltig gewesen, sagt Freitag. Schon bei den Kakaobauern fange es an. Der Kakao für die Schokolade wird in der Dominikanischen Republik von einer Kooperative ökologisch angebaut und fair gehandelt. Dann übernimmt das Segelschiff "Tres Hombres" die Fracht und bringt sie ausschließlich mit Windkraft über den Atlantik nach Europa, genauer gesagt, nach Amsterdam. Dort verarbeitet die kleine Manufaktur "Chocolatemakers" den Kakao. Die Löschung der Ladung vom Schiff sowie der Transport zur Fabrik laufe ebenfalls komplett ohne motorisierte Hilfsmittel, sondern mit "viel kollektiver Frauen- und Männer-Power", wie Freitag es gerne nennt. "3000 Kilometer, alles ohne fossile Energie."

Viele freiwillige Radler unterwegs

Um die letzten Kilometer auch noch umweltfreundlich zu bewältigen, helfen viele freiwillige Radfahrer mit. Zwei Mal im Jahr macht sich ein großes Netzwerk von Menschen mit dem Fahrrad nach Amsterdam auf, um die Schokolade abzuholen und in zahlreiche Städte in ganz Deutschland zu bringen. In diesem Jahr ist es aufgrund der Reisebeschränkungen durch Corona etwas anders: Ein Elektro-Transporter fährt die Schokolade bis zur deutsch-niederländischen Grenze. Hier wird sie dann auf die Lastenräder umgeladen. Und die kommen aus allen Himmelsrichtungen: aus Oldenburg, Berlin, München. Überall steigen die Menschen aufs Rad, um diese besondere Schokolade mit Pedalkraft in die einzelnen Geschäfte zu bringen.

Immer mehr Menschen beteiligen sich

Die Aktion startete im Frühjahr 2017 mit vier Ehrenamtlichen aus Münster. 60 Kilogramm Schokolade hatten sie damals geladen. Zwei Jahre später waren es schon mehr als 250 Teilnehmer aus 35 Städten, die mittlerweile 2500 Kilo Schokolade transportierten. Dann bremste Corona sie aus. Jetzt wollen sie es wieder angehen. Wegen der Pandemie sind die Aktionen in diesem Jahr auf viele kleine Gruppen aufgeteilt. Freitag und Bruse wären jetzt eigentlich mit gut Hundert Leuten unterwegs. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen fahren sie nur zu zweit. Natürlich gehe das Gemeinschaftsgefühl dadurch etwas verloren. "Es ist schon etwas anderes, wenn du mit hunderten Radlern unterwegs bist", so Freitag. Aber die beiden sind froh, dass es irgendwie funktioniert. Sie mussten sich extra einen offiziellen Transportauftrag besorgen, um eine Nacht in einem Hotel bleiben zu dürfen.

Dezentral und nicht-kommerziell organisiert

Den Organisatoren ist es wichtig, dass mit der Aktion keine kommerziellen Zwecke verfolgt werden. Es gebe keine Werbung für bestimmte Produkte - "außer natürlich für die Schokolade, die wir transportieren", so Freitag. Die Motivation sei eine andere: "Wir sind Radfahrer, aktiv in Lastenradinitiativen, finden Slow Food gut, mögen Radreisen, engagieren uns in Vereinen für das Radfahren und den Radverkehr, kurz: ein bunter Haufen begeisterter Menschen auf Fahrrädern, der gerne gute Schokolade isst", so beschreibt sich die Initiative. Freitag wird auch nach vielen Kilometern nicht müde. "Wir möchten zeigen, dass nachhaltiger und emissionsfreier Transport möglich ist, wie viel Spaß bewusster Genuss machen kann und dass Radfahren Menschen verbindet."