Ein Arzt hält eine OP-Maske in der Hand. |

EU-Meldesystem Mehr Produktwarnungen wegen Corona

Stand: 02.03.2021 16:13 Uhr

Masken ohne ausreichende Schutzwirkung, Desinfektionsmittel mit gefährlichen Zusätzen - die EU musste seit Beginn der Pandemie vor vielen mangelhaften Produkten warnen, die vor Covid-19 schützen sollten.

Bisher waren Masken, die nicht wie versprochen vor einer Infektion schützen, eine wenig beachtete Produktkategorie im Warnsystem "Safety Gate". Das hat sich im vergangenen Jahr geändert. Auch Desinfektionsmittel mit giftigen Chemikalien oder UV-Desinfektionsgeräte mit zu starker Strahlenwirkung, die gegen das Corona-Virus zum Einsatz kommen sollten, waren im vergangenen Jahr Anlass für Produktwarnungen.

Ein Zehntel der Warnungen mit Corona-Bezug

Neun Prozent oder 195 der über ein EU-System gemeldeten 2253 Warnungen seien auf Angebote im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie zurückzuführen, erklärte die EU-Kommission.

Gesammelt und EU-weit ausgetauscht werden die Produktwarnungen seit 2003 über "Safety Gate". In dem Warnsystem informieren sich die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und Großbritannien gegenseitig über gefährliche Produkte außerhalb des Lebensmittelbereichs.

Das ermöglicht es den teilnehmenden Ländern, diese Produkte schnell vom Markt zu nehmen. Im vergangenen Jahr führten die eingegangenen Warnungen zu 5377 Folgeaktionen der beteiligten Staaten. Dies waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr - und ein neuer Rekord, nicht zuletzt wegen vermehrter Warnungen im Zusammenhang mit Corona.

Spielzeug besonders kritisch

Problematischste Kategorie blieben allerdings Spielwaren. Sie machten laut dem Bericht der EU-Kommission 27 Prozent aller Warnungen aus. EU-Verbraucherkommissar Didier Reynders zeigte vor Journalisten etwa einen Plüschaffen, dessen Haare sich leicht lösen können, was bei Kindern im Fall des Verschluckens eine Erstickungsgefahr darstellen könnte. Auch lose Kordeln an Kleidungsstücken wurden demnach als gefährlich eingestuft, weil sie beim Spielen eine Strangulierung von Kindern zur Folge haben können.

Nach Spielwaren waren die Kategorien mit den meisten Problemen Kraftfahrzeuge (21 Prozent) und Elektrogeräte (zehn Prozent). Die insgesamt größten Gefahren durch die Produkte waren Verletzungen (25 Prozent), giftige Chemikalien (18 Prozent) und Erstickungsgefahr bei Verschlucken durch Kinder (zwölf Prozent).

Freiwillig mehr Sicherheit?

Die Schwerpunkte der Produktwarnungen unterschieden sich von Land zu Land. So tauchten in den Warnungen in Deutschland an erster Stelle Kraftfahrzeuge auf (71 Prozent), gefolgt von Elektrogeräten (fünf Prozent) und Schmuck (vier Prozent). Positiv bewertete die Kommission, dass immer mehr Online-Händler sich freiwillig zur Verbesserung der Sicherheit von angebotenen Produkten verpflichten. Ein solches "Produktsicherheitsversprechen" haben bisher elf Unternehmen abgegeben, darunter die Branchengrößen Amazon und eBay. Diese Woche kamen die Anbieter Joom und Etsy hinzu.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 02. März 2021 um 16:26 Uhr.