Eine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung | dpa

Weniger private Vorsorge Um die Rente kümmert sich Papa

Stand: 23.10.2021 15:17 Uhr

Das erste WG-Zimmer bezahlen, Sneaker kaufen, feiern gehen - und für die Rente sparen? Wer jung ist, denkt nicht ans Alter. Künftig wird es mehr auf private Vorsorge ankommen. Aber der Trend geht in eine andere Richtung.

Von Sven Marquardt, hr

40 Jahre - in der Zeit kaufen wir im Schnitt vier neue Autos, trinken 33.000 Tassen Kaffee und verbringen mehr als acht Jahre auf der Arbeit. Viel steht ihr also bevor, bis Fabienne Pansa in Rente gehen wird. Und trotzdem schaut die 28-Jährige auf ihren monatlichen Rentenbescheid: "Da steht gerade, dass ich später 250 Euro im Monat bekommen werde. Klar, das wird noch mehr, aber im Vergleich ist das nichts."

Sicherheit würde die private Altersvorsorge geben, sagt sie selbst. "Anlageberatern und Verkäufern vertraue ich aber halt nicht so. Wenn man Glück hat, haben sich die Eltern darum gekümmert oder man hat diesen einen Freund im Freundeskreis, der sich damit auskennt." Wer Glück hat - von diesen Freunden gibt es aber immer weniger.

Zwei Trends, ein Problem

Eine Studie des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und der IG Metall zeigt: Im vergangenen Jahrzehnt hat das Interesse der 17- bis 27-Jährigen am privaten Rentensparen abgenommen. 2010 haben noch 55 Prozent der jungen Menschen gespart, 2019 sind es 48 Prozent. Dieses Jahr sagen sogar nur noch 19 Prozent der 16- bis 26-Jährigen, sie hätten bereits einen Altersvorsorgevertrag abgeschlossen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Laut Gesamtmetall finden vier von fünf jungen Menschen, dass eine gute Rente möglich ist, wenn die Politik es wirklich will. Die politische Realität scheint aber eine andere zu sein. Ein steigendes Durchschnittsalter in Deutschland bringt den Generationenvertrag aus dem Gleichgewicht. So haben vor 60 Jahren sechs Arbeitnehmer einen Rentner finanziert, während es heute nur noch drei sind.

Zum Ausgleich muss mehr Geld aus dem Bundeshaushalt beigesteuert werden. Bei einem gleichbleibenden Rentenniveau von 48 Prozent würde in 40 Jahren mehr als doppelt so viel Geld aus dem Haushalt benötigt. Sollte das Renteneintrittsalters nicht auf 68 Jahre erhöht werden, sieht der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums die gesetzliche Rente auf einen "Finanzierungsschock" zusteuern.

Rente fängt in der Schule an

Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats, Klaus M. Schmidt, hält die private Vorsorge für essenziell: "Die gesetzliche Rente war schon immer nur eine Säule der Alterssicherung." Wer sich also sicher sein möchte, dass im Alter noch genug Geld da ist, muss privat sparen.

Wie Fabienne Pansa geht es vielen Menschen in ihren 20ern: "Mir sagt halt keiner, dass ich was machen soll - und dann vergesse ich es wieder." Eine Aufgabe, die laut Klaus M. Schmidt der Regierung in die Hände fällt: "Wir sollten jungen Menschen bessere Grundkenntnisse der Kapitalanlage vermitteln, schon in der Schule, aber vor allem in Ausbildung und Studium."

Das Thema Rente ist unbeliebt. In der Schule, aber auch in der Politik. "Keine der im Bundestag vertretenen Parteien sagt den Bürgern ehrlich, welche Probleme auf die gesetzliche Rentenversicherung zukommen. Wir müssen jetzt mit Reformen beginnen, die schmerzhaft sein werden", sagt Schmidt.

Das Interesse an Finanzen ist eigentlich da

Junge Menschen haben Interesse an Finanzen. Aufkommende Trading-Apps erleichtern den Weg an die Börse. 2020 haben fast 600.000 Menschen unter 30 Jahren zum ersten Mal Aktien, Fonds oder ETFs gekauft - ein Plus von knapp 70 Prozent. Der Ökonomieprofessor Schmidt findet: "Das ist gut, solange sie sich nicht verführen lassen zu zocken."

Ideal sei ein regelmäßiger Sparplan in einen internationalen ETF über eine Direktbank. "Auch wenn man mit kleinen Beträgen anfängt, wird es so schnell mehr, und mit Zins und Zinseszins kommt im Laufe der Zeit eine beträchtliche Summe zusammen. Die kann man auch verwenden, um in Wohneigentum zu investieren, eine der besten Formen der Altersvorsorge."

Schmidts liebster Tipp kommt von Nobelpreisträger Richard Thaler: einfach einen festen Anteil der Gehaltserhöhungen in einen Sparplan einzahlen. "Da das Geld aus einer Gehaltserhöhung stammt, muss man sich nicht einschränken. Das macht es doch jedem leichter."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 20. Oktober 2021 um 19:06 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 24.10.2021 • 00:04 Uhr

23:19 von covid-strategie

«Und ich bin froh, dass ich als Selbständiger nicht in dieses unproduktive Loch einzahlen muss. Bei einem System wie in der Schweiz, wo man 10% seines Bruttos einzahlt und eine deutlich höhere Rente bekommt, da könnte ich mir vorstellen mit zu machen.» In der Schweiz gibt es auch keine Beitragsbemessugsgrenze, und der Steuerbrutto-Millionär zahlt 100.000 SFr pro Monat in die Rentenkasse ein. Bei der Gesetzlichen Maximalrente gibt es in der Schweiz wie in Deutschland auch einen Deckel, und mehr Rente gibt es aus dieser Quelle nicht. Einerlei, wie viel man eingezahlt hat. Dieses Schweizer Modell hat in Deutschland noch nie eine Regierung ernsthaft erwogen, auch hierzulande einzuführen. Plus die Gesellschaftlichen Widerstände dagegen sind extrem groß und hoch. In der Schweiz ist das Konsens, über den aufzukündigen man gar nicht debattiert. Im kapitalistischen Japan ist das auch so, und niemand will es anders haben.